Grünes Licht für Mountainbiker

Region  Um aus dem Gegen- ein Miteinander zu machen, sind in Stadt- und Landkreis Heilbronn sechs Mountainbike-Touren entstanden, die zum Teil auch auf schmalen Waldpfaden verlaufen. Vor allem an solchen Stellen gab es immer wieder Konflikte zwischen Wanderern und Radfahrern. Am Samstag wurden diese Strecken in Löwenstein symbolisch freigegeben.

Von unseren Redakteuren Gerhard Mayer und Reto Bosch

Sechs neue Mountainbike-Touren wurden im Stadt- und Landkreis Heilbronn eröffnet.

"Manchmal knirscht es, dann muss man sehen, dass man eine Lösung findet", sagte Vize-Landrat Lutz Mai mit Blick auf die Nutzungskonflikte. Auf den sechs Strecken, die fertig konzipiert und größtenteils beschildert sind, haben die Radfahrer zwar keine Sonderrechte, dürfen aber Wege benutzen, die schmäler sind als zwei Meter. 
 
Petition machte den Anfang

Ein Startsignal für die Einrichtung der Mountainbike-Touren war die Ablehnung einer Petition im baden-württembergischen Landtag im Jahr 2014. Mit 58 000 Unterschriften hatten Radlerverbände die Abschaffung der Zwei-Meter-Regel gefordert. Diese steht im Waldgesetz und verbietet den Radlern pauschal die Benutzung von Wegen, die schmaler als zwei Meter sind. Lokale Ausnahmen waren zwar schon immer möglich. Als Entgegenkommen an die Geländeradler forderte der Landtag nun aber die Forstbehörden auf, aktiv die Ausnahmegenehmigungen vor Ort – im Konsens mit allen Beteiligten – voranzutreiben.

Bei der Ausarbeitung der Touren, die zwischen 22 und 31 Kilometer lang sind, haben die Forstämter in Stadt und Landkreis Heilbronn zwischen den beteiligten Gruppen moderiert: Dies sind außer Radfahrern und Wanderern vor allem Waldbesitzer, Jäger und die Vertreter des Naturschutzes. Auf Seiten der Mountainbiker, die nicht einheitlich organisiert sind, wurden die jeweils aktiven Gruppen vor Ort mit ins Boot geholt. In der Region konnte auf die positiven Erfahrungen in Heilbronn zurückgegriffen werden. Aus einem runden Tisch war eine Abmachung hervorgegangen: Die Mountainbiker verzichten auf illegale Streckenbauten, meiden besonders empfindliche Wege und respektieren Verhaltensregeln. Dafür bekommen sie legale und attraktive Strecken im Wald – auch auf schmalen Wegen, den sogenannten Single-Trails. Auf dieser Grundlage wurde auch die Downhill-Strecke der DAV-Mountainbikegruppe am Schweinsberg verwirklicht. Eine „Initiative verantwortungsvolles Biken“, in der sich Radsportler und Forstleute engagieren, entwickelte zudem einen Verhaltenskodex für Mountainbiker, der nun auch auf den Landkreis-Strecken eingefordert wird.

Paten kümmern sich um die neuen Strecken für Mountainbiker

Die lokalen Mountainbikegruppen, mit denen die Streckenführung ausgearbeitet wurde, betreuen zudem als „Trailpaten“ die Strecken. Dabei kümmern sie sich nicht nur um den Zustand der Trails. Wenn sich einzelne Radsportler nicht an die Regeln halten, werden sie von den verantwortlichen Mountainbikern daran erinnert. „Die Biker korrigieren sich auch gegenseitig“, stellt Remo Fuchs, Büroleiter im Kreisforstamt, fest. Seine bisherigen Erfahrungen mit den Patenschaften: „Das funktioniert, das ist eine feine Sache.“ Fuchs kann sich gut vorstellen, dass das Tourennetz im großen Stil weiter ausgebaut wird. Im Bereich Stromberg-Heuchelberg gibt es bereits Gespräche mit den Strombike-Marathon-Machern in Bönnigheim und den Hardtwaldracers in Nordheim-Nordhausen. Langfristig sind Anknüpfungspunkte in den Landkreis Ludwigsburg, in den Enzkreis bis zum Raum Stuttgart angepeilt.

Die Touren

Tour 1, Stadtwaldrunde (zwischen Heilbronn, Weinsberg und Untergruppenbach): DAV-Mountainbikegruppe
Tour 2, Salzweg-Tour (zw. Weinsberg, Neckarsulm und Obersulm): RC Pfeil Neckarsulm
Tour 3, Paradies-Tour (zw. Löwenstein, Breitenauer See und Obersulm): Paul-Distelbarth-Gymnasium Obersulm
Tour 4, Burgen-Tour (Untergruppenbach, Löwenstein, Beilstein): S’Radleck und Naturparkführer Klaus Pfeffer
Tour 5, Hochoben-Tour (rund um Wüstenrot): Gemeinde Wüstenrot und Gemeinderat Frank Greiner
Tour 6, Hochhinaus-Tour (oberhalb von Beilstein): Trailsurfers


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