Freigeist mit Vorliebe für klare Worte

Jagsthausen  Altbundespräsident Roman Herzog feiert heute seinen 80. Geburtstag - in Reha. Geduld ist nach seiner Hüftoperation gefragt, normalerweise nicht Herzogs größte Stärke. Zum Glück gibt es Alexandra von Berlichingen an seiner Seite.

Von Iris Baars-Werner

Freigeist mit Vorliebe für klare Worte

Dieses Mal hat es mich richtig erwischt." Diese Feststellung steht im krassen Gegensatz zu der Stimme und dem Tonfall, mit denen Roman Herzog am Telefon von den vergangenen Wochen und Tagen vor seinem 80. Geburtstag an diesem Samstag erzählt. Kraftvoll und immer wieder unterbrochen von einem Scherz und dem darauffolgenden Lachen berichtet der Altbundespräsident von seiner Zwangspause. Zunächst war sein Kalender in diesem Frühjahr wie üblich rappelvoll. Nun musste er sogar die Vorstellung seines neuen Buches "Europa neu erfinden" absagen, die in Berlin terminiert war.

Der frühere erste Mann im Staate erzählt von dem Sturz, einige Wochen liegt er zurück, von der gebrochenen Hüfte und der Operation. Von seinen ersten mühsamen Geh-Übungen und den vielen Therapiestunden, von den Erfolgen − und dem Rückschlag durch einen erneuten Ausrutscher. Noch einmal alles von vorne. "Tja, daran laboriere ich jetzt also", beendet er sein Bulletin in eigener Sache.

Die Krücken werden wohl noch einige Zeit seine Begleiter sein. Geduld ist jetzt gefragt, normalerweise nicht Roman Herzogs größte Stärke. Zum Glück gibt es Alexandra von Berlichingen an seiner Seite. Roman Herzog macht keinen Hehl daraus, wie wichtig für jeden von ihnen der jeweils andere ist. "Sie ist ein großer Gewinn in meinem Leben." 13 Jahre sind sie jetzt verheiratet; für beide ist es die zweite Ehe nach dem Tod ihrer Partner. 

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Der Wohnsitz des Ehepaars in der Götzenburg Jagsthausen.

Ruck-Rede

Nun also Reha-Anwendungen statt Geburtstagsfeier. Irgendwie steckt der Wurm in Herzogs runden Geburtstagen: Vor zehn Jahren, kurz vor seinem Siebzigsten, eine schwere Operation in Hamburg, und jetzt das. Dabei war ein Jahrzehnt früher das Jahr mit der Vier am Ende doch jenes, in dem er Bundespräsident wurde.

Der liberale Konservative war nie Parteisoldat, sondern immer ein freier Geist. Die politische Karriere des renommierten Juristen hatte in Rheinland-Pfalz begonnen, in Baden-Württemberg war das CDU-Mitglied Kultus- und Innenminister. In der Erinnerung der Bürger aber ist er als Bundespräsident geblieben − mit seiner Ruck-Rede, in der er die fehlende Bereitschaft seiner Mitbürger zur Erneuerung thematisiert hatte.

Seither hat Roman Herzog sich immer wieder zu Wort gemeldet. Nicht jedes Mal sind die Menschen erfreut über das, was er ihnen − ob geradeheraus, ob hintersinnig − ins Stammbuch schreibt. Denn seinen Äußerungen ist eines eigen: Sie treffen stets einen wunden Punkt.

Burgfestspiele

Auch wenn sie die Idylle Jagsthausens lieben: Roman Herzog und Baronin Berlichingen sind viel unterwegs − Herzogs Wort gilt noch immer etwas. München wird nun zunehmend der weltläufige Fluchtpunkt des Ehepaars. Weil die ausgetretenen Stiegen in der Burg nichts sind für einen Rekonvaleszenten, wird man die beiden wohl erst wieder im Sommer in Jagsthausen sehen − zur Spielzeit der Burgfestspiele. Die sind ihnen eine Herzensangelegenheit.