Flüchtlinge sind willkommen

Heilbronn  Die Heilbronner Kommunalpolitik distanziert sich von "Pegida" und schafft neue Heime und Hilfsangebote.

Von unserem Redakteur Kilian Krauth

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Überall in der Region richtet man sich auf weitere Flüchtlinge ein. In Heilbronn leben derzeit 280, Ende 2015 wohl 800. Die Stadt baut nun neue Heime.Foto: Sibylle Hofter

Ob christlich motiviert oder aus humanitären Gründen: "Wir haben die politische Aufgabe, uns um Flüchtlinge zu kümmern." Und: "Man kann sich nicht nur die angenehmen Seiten der Globalisierung raussuchen." Mit Aussagen wie diesen sprechen Rainer Hinderer (SPD) und Karl-Heinz Kimmerle (Grüne) für die große Mehrheit der Heilbronner Kommunalpolitik. Einstimmig hat der Gemeinderat sechs Tage vor Weihnachten ein dickes Maßnahmenpaket für Flüchtlinge gepackt. Man setze damit, so hieß es, ein Zeichen gegen das von "Pegida" mancherorts zu Markte getragene Misstrauen gegenüber Fremden.

In Heilbronn wird die Zahl der Flüchtlinge 2015 auf 800 steigen. Anfang 2013 waren es 110, Ende 2013 schon 180, derzeit 280, am Montag kommen sechs hinzu und danach 49 pro Monat. So sieht es der Zuweisungsschlüssel des Landes vor.

Kostenfrage

Bisher gibt es aber nur 300 Heimplätze: in der Austraße und im Salzgrund. 2015 wird die Stadt deshalb 500 neue Plätze schaffen: an der Böllinger Straße sowie mutmaßlich im Salzgrund baut die Stadtsiedlung Heime, in der Austraße werden Container aufgestellt, falls nötig alternativ an der Römerstraße oder an der Bahnhofstraße. Außerdem stellt die Stadt günstige Wohnungen zur Verfügung, in die Asylbewerber nach ihre Anerkennung einziehen können. Zu dem Maßnahmenpaket gehören auch sozial-integrative sowie gesundheitliche Hilfen.

Flüchtlinge sind willkommen

Wer das zahlt? Pro Person, egal ob Kind oder Erwachsener, ob krank oder gesund, bekommt die Stadt vom Land eine einmalige Kostenpauschale: derzeit 12 566, 2015 dann 13 260 und 2016 genau 13 972 Euro. "Dieses Geld reicht inzwischen nicht mehr", erklärt auf Stimme-Anfrage Achim Bocher vom Amt für Familie, Jugend und Senioren. 2013 habe man mit insgesamt 60 000 Euro noch relativ wenig zuschießen müssen. 2014 dürfte es "viel mehr" sein. Der Betrag werde aber erst im Frühjahr feststehen. Größte Kostenposten seien Miete und Krankenhilfe, die stark variiere. "Derzeit haben wir einen Nierenkranken, dessen Behandlung sehr viel kostet", erklärt Bocher. Ob sich das Land künftig auch an an Investitionskosten beteiligt, sei derzeit noch offen.

Integration

Dass die Stadt über Heimplätze hinaus auch andere Hilfen zur Integration anbietet, hob im Rat neben Hinderer und Kimmerle Gisela Käfer (CDU) hervor: Sprachkurse in VHS und Heimen, bald auch mit Ehrenamtlichen, Kinderbetreuung, Schulunterricht, Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebote. Ein neuer Arbeitskreis koordiniert die Hilfen und bindet Ehrenamtliche sowie bald auch Vereine ein. Es gibt auch Therapieangebote zur Verarbeitung traumatischer Erlebnisse auf der Flucht.

Von einer "guten Heilbronner Willkommenskultur" sprach nicht nur Gottfried Friz (FDP). Falls noch mehr Flüchtlinge kämen, müssten "zur Not" weitere Container aufgestellt werden, sagte Sozialbürgermeisterin Agnes Christner auf Anfrage von Heiner Dörner (FWV). Hasso Ehinger (Bunte Liste) regte dazu die Nutzung von Böckinger Eisenbahnerwohnungen an, die bald zum Abbruch freigegeben werden.

Allein Alfred Dagenbach (Pro) meinte, "die Politik verdrängt die Ängste der Bürger und Missbräuche im Asylrecht". Gleichwohl stimmte er zu. Hinderer und Kimmerle sprachen dagegen von einer "positiven Stimmung", was sich im großen Engagement von Ehrenamtlichen, Kirchen und Verbänden zeige. Helfen sei das Gebot der Stunde.

 


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