Fleiner E-Auto-Pionier mit eigener Ladestation

Flein  Weil er die Abgase im morgendlichen Berufsverkehr satt hat, schafft sich Christopher Kühner ein E-Auto an. Der Komfort begeistert den Fleiner, aber die öffentlichen Strom-Tankstellen sind nicht alltagstauglich. Kurzerhand lässt er sich eine eigene Schnell-Ladestation bauen.

Von Carsten Friese

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Mit eigener Schnellladestation durchgestartet
Selbstversorger: Der Fleiner Christopher Kühner ist auf E-Auto umgestiegen. Mit eigener Ladestation lädt er es in der Tiefgarage daheim in 90 Minuten auf. Foto: Mugler

Er ist "weder Veganer noch Naturschutzbund-Mitglied", hat sich dennoch für den Umstieg auf ein Elektro-Auto entschieden und kurzerhand für 1000 Euro eine eigene Schnellladestation in der Garage installiert. Nach vier Monaten mit seinem neuen Stromauto zieht der Fleiner Christopher Kühner eine erste Bilanz. Im Vergleich zu seinem alten Benziner sieht der Ingenieur keine Nachteile, er kommt mit dem Neuen auf seinen Kurzstrecken gut klar uns sagt: "Ich will nicht mehr zurück zu den Stinkern."

Es war kein einschneidendes Ereignis oder die Überredungskunst eingefleischter E-Auto-Pioniere, die Kühner mit 26 Jahren zum Umstieg bewegten. Als er eines Morgens auf seinem kurzen Weg zu seinem Arbeitsplatz in Heilbronn vor roten Ampeln im Stau stand und die vielen Abgasfahnen der Wagen sah, löste das ein Umdenken bei ihm aus. "Das ist doch bescheuert", sagte er sich und sinnierte auch darüber, dass er seinen Benzin-BMW auf seinen vielen Kurzstrecken "doch kaputt fahre".

Für den Kurzstreckenfahrer Kühner reicht das Elektroauto "locker"

Kühner probierte eine Woche den Bus aus, war wegen einiger Verspätungen und der geringen Flexibilität wenig angetan. Als sein Vater in der Zeit ein E-Auto probefahren wollte, sagte er sich "Warum nicht"? Von der geräuschlosen Fahrt war er begeistert, die Tour fühlte sich an "wie in einem normalen Auto". Kühner überlegte − und bestellte einen Renault Zoe mit 135 Kilometern Spitzentempo und bis zu 170 Kilometer Reichweite. "Ich bin absoluter Kurzstreckenfahrer", sagt er. Für sein Pensum "reicht das locker".

Kaum hatte er den Strom-Kleinwagen, setzte Frust ein. Weil in seiner Nähe leistungsstarke Ladestationen rar sind. Flein habe gar keine, in einem Heilbronner Parkhaus zahlte er während des Ladevorgangs 10.50 Euro Parkgebühr. "Das wird teuer", dachte er sich und suchte weiter. Von öffentlichen 3-kW-Ladestationen ließ er die Finger, weil er keine Lust hatte, zehn, zwölf Stunden aufzutanken. "Das taugt überhaupt nichts. Damit kann man vielleicht ein E-Bike laden, aber kein Auto", sagt er. An der normalen Steckdose dauert es noch länger.

Statt 12 Euro für Benzin, zahlt er jetzt fünf Euro Strom

Kurzerhand wurde Kühner zum Selbstversorger. Er ließ sich von einem Elektriker eine 22-kW-Schnellladestation an die Kellerwand der heimischen Tiefgarage montieren. In einer Stunde ist sein E-Auto jetzt zu 80 Prozent aufgeladen, in 90 Minuten ist die Batterie randvoll. "Es ist ganz einfach." Sein Vergleich vier Monate nach dem Umstieg: Nach Abzug von Rabatt und Umstiegsprämie investierte er 18 300 Euro aus eigener Tasche in den E-Renault, plus 1000 Euro für die eigene Ladestation. 50 Euro Gebühr zahlt er jeden Monat für die Batterie.

Während sein BMW früher zwölf Euro Benzin pro 100 Kilometer kostete, zahlt er für das neue E-Auto vier bis fünf Euro Stromkosten für die gleiche Distanz. Die Haftpflicht sei gleich, von der Kfz-Steuer seien E-Autos zehn Jahre befreit Wartungskosten seien niedriger, da zum Beispiel Ölwechsel wegfallen und der Bremsverschleiß eines E-Autos deutlich geringer ist. "Von den Betriebskosten", hat Kühner berechnet, "ist es in etwa gleich."

Für längere Fahrten nimmt er den Benziner

 Für sich selbst habe er mit dem neuen Auto indes einen "Schritt nach vorn" gemacht. Weil er ein gutes Gefühl hat, wenn er morgens im dichten Berufsverkehr die "Unmengen an Abgasen" der anderen sieht. Einzig bei einer längeren Autofahrt in den Urlaub lässt er seinen Strom-Wagen mal stehen. Auf mehrfaches längeres Aufladen auf einer Tour hat er keine große Lust. "Dann", sagt der Ingenieur offen, "nehmen wir den Dacia meiner Frau" − einen Benziner.