Euphoriebremse bei Bergwerksplänen

Kommentar  Das Land will die Kabel der Suedlink-Trasse in der Region durch Bergwerkschächte führen. Keine schlechte Idee, findet unser Wirtschaftsredakteur Heiko Fritze. Aber man sollte Kosten und Nutzen genau abwägen.

Von Heiko Fritze

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Heiko Fritze. Foto: Guido Sawatzki

Auf den ersten Blick klingt die Idee einfach nur genial: keine langwierigen Planungen, wie Neckar oder Autobahn zu untertunneln sind. Keine teuren Umwege um Siedlungen und Industriegebiete. Die Stromtrasse, die Energie aus Norddeutschland nach Großgartach bringt, wird einfach auf den letzten 15 Kilometern durch die Bergwerke der Südwestdeutschen Salzwerke AG gezogen, und fertig. So sieht der Plan der Landesregierung aus.

Wäre da nicht ein zweiter Blick. Trotz der grundsätzlichen Zustimmung beim Bergwerksunternehmen sind da nämlich eine Menge offener Fragen. Ist es zum Beispiel günstiger, für geschätzte je zehn Millionen Euro zwei neue Schächte zu bohren, anstatt Stromkabel zwei Meter tief in die Erde zu verlegen? Zumal unter Großgartach auch erst noch Stollen gegraben werden müssen, da der Abbau noch gar nicht bis dort vorgedrungen ist. Und außerdem nördlich von Leingarten einst Sole gefördert wurde und daher noch große Räume voller Wasser existieren, was ein zusätzliches Risiko darstellt − wenn ein Salzvorkommen etwas nicht gebrauchen kann, dann Wasser.

Wenn der Stollen dicht gemacht wird, ist das Kabel unzugänglich

Und schließlich: Wie lange könnten Schächte und Stollen dann genutzt werden? Wenn einmal aus irgendeinem Grund die Bergwerke nicht mehr zugänglich sein sollten, wäre auch das Kabel nicht mehr erreichbar. Andererseits ist auch noch nicht absehbar, wie lange diese Leitung überhaupt benötigt wird − der Abbau im Bergwerk Heilbronn könnte jedenfalls, was die genehmigten Flächen angeht, mindestens noch 70 Jahre laufen.

Da aber die Zeit drängt, das Projekt ohnehin Milliarden kostet und die Verlegung in zwei Meter Tiefe auch nicht einfacher wird − Stichwort Trassenführung −, lohnt sich eine Prüfung des Vorschlags sicherlich. Allerdings muss gleich auf die Euphoriebremse getreten werden. Die Abwägung aller Vor- und Nachteile ist hier Pflicht, bevor das Kabel in 200 Meter Tiefe verschwindet.

 

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heiko.fritze@stimme.de