Der Gaffenberg ist gerettet

Heilbronn  Die größte Sanierungsmaßnahme in der 88-jährigen Geschichte der Sommerfreizeiten ist beendet. Wie der gerettete Gaffenberg aussieht, davon haben sich die Beteiligten diese Woche mit eigenen Augen überzeugt.

Von Franziska Feinäugle

Keine Kinderfreizeiten mehr auf dem Heilbronner Gaffenberg − dieses Szenario ist derart unvorstellbar, dass man schon fast wieder vergessen hat, wie wahrscheinlich es noch vor wenigen Jahren war. Unvergessen hingegen ist die Aktion "SOS Gaffenberg", mit der die Heilbronner Bürgerstiftung 2011 das scheinbar Unmögliche geschafft und die nötigen 900 000 Euro an Spenden zusammengetragen hat (siehe Hintergrund).

Schon damals war klar: Der Gaffenberg ist gerettet. In der Theorie und auf dem Papier. Die tatsächliche Rettung, in der Praxis und in handwerklicher Form, umfasste drei Bauabschnitte und drei Jahre Arbeit und ist erst jetzt vollendet.

Wie der gerettete Gaffenberg aussieht, davon haben sich die Beteiligten diese Woche mit eigenen Augen überzeugt. Begleitet von Dekan Otto Friedrich, Kirchenpfleger Rolf Krieg, der neuen Jugendpfarrerin und Gaffenberg-Oberonkelin Christine Marschall und Vertretern der Gesamtkirchengemeinde spazieren frühere und aktuelle Vorstandsmitglieder der Bürgerstiftung samt Aufsichtsratsvorsitzendem Helmut Himmelsbach über das Gelände. Und lassen sich von den Architekten Holger Feldmann und Wolfgang Hinderer zeigen, was alles neu ist.

Lärchenholz

Herzstück des renovierten Gaffenbergs ist das sogenannte OT, das Onkel-Tanten-Gebäude: Jetzt öffnet es sich zum Zelt hin, und seine Naturholzfassade nimmt den Gedanken an die direkte Umgebung auf. Um die Fassade genau so hinzubekommen, "haben wir ganze Stämme gekauft und immer die Waldkante so belassen", erläutert Architekt Holger Feldmann. Lärchenholz aus dem Zabergäu. Zwischen den Lamellen leuchtet je nach Blickwinkel Farbe auf. Die "Abfallbretter" dienen als Beplankung für den Innenraum.

"Ein Teil unserer Aufgabenstellung war: Man muss das Gebäude gesondert vermieten können", benennt Architekt Wolfgang Hinderer (früher selbst jahrelang Gaffenberg-Onkel) einen Gesichtspunkt, an den viele Heilbronner vor lauter Kinderfreizeit gar nicht denken: Das Gelände wird im Lauf des Jahres ganz unterschiedlich genutzt, es muss auch Ansprüche erfüllen, die nichts mit den Freizeiten zu tun haben.

So bekam das OT-Gebäude im ersten Bauabschnitt eine Verbindung zur Roten Halle und eigene Toiletten; hier werden Hochzeiten und runde Geburtstage gefeiert.

Zum Bauabschnitt zwei zählt das Abenteuer mit dem großen Zelt, das wegen Statik und Blitzschutz plötzlich mehr als doppelt so teuer wurde wie veranschlagt: "525 000 Euro statt 250 000 Euro", sagt Kirchenpfleger Rolf Krieg, dessen "ganzer Stolz" das neue Zelt ist.

Der dritte Bauabschnitt ist jetzt fertig: der sogenannte Neubau, in Wirklichkeit 40 Jahre alt. Dort schlafen bei den Freizeiten die Betreuer, im Lauf des Jahres Schullandheimklassen oder Gäste privater Feiern. Das undichte Dach ist neu gedämmt und gedeckt, im Schlaftrakt wurden Räume saniert und zusätzliche Toiletten eingebaut.

Eine kleine Tafel an einem Baumstamm erinnert jetzt dankbar an den Einsatz der Bürgerstiftung. Der war selbstverständlich, sagen die Herren von der Bürgerstiftung. Dietmar Fütterer: "Wegen der Arbeit, die hier geleistet wird seit 1927."

 

Millionenprojekt

Das Logo sagte alles: Bär Melchior, das Maskottchen der traditionsreichen Kinderfreizeiten der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Heilbronn auf dem Gaffenberg, verletzt und hilfebedürftig. Tatsächlich war 2011 der Fortbestand der Freizeiten gefährdet: Auf dem Gelände des größten Walderholungsheims Europas waren teure Sanierungen nötig, das Geld dafür fehlte. „SOS Gaffenberg“ hieß die Aktion, mit der die Heilbronner Bürgerstiftung, unterstützt vom Medienunternehmen Heilbronner Stimme, zum Spenden aufrief und tatsächlich 900 000 Euro zusammenbekam. Weitere 900 000 Euro kamen aus kirchlichen Mitteln, knapp 300 000 Euro werden durch Darlehen finanziert. Insgesamt wurden von 2011 bis 2014 in drei Bauabschnitten knapp 2,1 Millionen Euro in den Gaffenberg investiert.