Das Urproblem des Atomstroms bleibt

Kommentar  Mit der Atomkraft wurde eine Technik eingeführt, ohne dass man sich über den Müll Gedanken gemacht hat. Mit ein paar Castor-Transporten über den Neckar ist das Thema nicht erledigt, meint unserer Redakteur Alexander Klug.

Von Alexander Klug

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Die Frage, warum am Mittwoch ein Schiff mit radioaktivem Abfall von einem Atomkraftwerk zum anderen gefahren ist, hat ihre Wurzeln in den Versäumnissen der Vergangenheit. Und auch nach all den Jahrzehnten fallen die Antworten nicht befriedigender aus als früher. Wie kann es sein, dass eine Technik der Energieversorgung Einzug hält, ohne dass jemand weiß, wo man deren hochgefährliche Endprodukte unterbringt?

Was heute passiert, sind die Ausläufer dieser ungelösten Grundfrage. Ist Tausende von Jahre strahlender Müll besser in einem womöglich wasserunterspülten Steinbruchstollen untergebracht? Oder in einem neuen Zwischenlager an einer Stelle, wo irgendwann wieder Autos repariert oder Büroarbeit erledigt werden soll? Eine Lagerstätte für die Ewigkeit ist noch nicht gefunden; zu Lebzeiten derer, die eine hätten suchen und finden müssen, wird das auch nichts mehr.

Protestanten haben gute Argumente

Die Protestierer entlang der Castorstrecke und ihre Argumente kommen inhaltlich nicht unberechtigt daher, wenn sie etwa auf den unsicheren Steinbruch in Neckarwestheim oder auf reichlich in Obrigheim verbleibenden Müll verweisen. In den EnBW-Ausführungen zur Sicherheit ist viel von Vorschriften und Gesetzen die Rede, die man einhalte. Das klingt gut. Es übertüncht aber nur notdürftig, dass das Urproblem des weit über menschliche Vorstellungskraft hinaus strahlenden Mülls nicht gelöst ist − auch wenn es eine (amtlich attestiert) halbwegs sichere Höhle gibt, in der man ihn verstecken kann.

Es bleibt ein mulmiges Gefühl von Rat- und Hilflosigkeit, gerade weil es scheint, als wäre das Thema für viele Menschen im Land mit dem verkündeten Ausstieg aus der Atomkraft erledigt. Die Schiffe schienen an den Neckarufern eher Fotomotiv als Diskussionsgrundlage. Aber das Thema ist mit einigen Atommülltransporten noch nicht erledigt. Noch sehr lange nicht.

 

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