Castor-Testlauf auf dem Neckar

Region  Die EnBW hat am Montag Transportübung mit leeren Castoren auf dem Neckar begonnen. Laut Betreiber könnten noch 2017 echte Castoren nach Neckarwestheim verschifft werden. Die Polizei rechnet mit diversen Protestaktionen.

Von Reto Bosch

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Vorsichtig bugsiert ein Lastwagen Auflieger samt Castor in den Bauch des Schiffes. Es kann insgesamt drei Behälter aufnehmen.

Die EnBW hat die Funktionstests für die Castortransporte von Obrigheim nach Neckarwestheim gestartet. Am Dienstag rollten drei leere, jeweils knapp 100 Tonnen schwere Behälter auf einen Schubverband. Wann aus dem Test ein Ernstfall wird, steht nicht fest.

Der EnBW liegt noch keine Transportgenehmigung für die hochradioaktiven 342 Brennelemente vor. Fest steht dagegen, dass der von Atomkraftgegnern hart kritisierte Transport von massiven Polizeikräften gesichert wird.

Bereits im Vorfeld hatten Umweltschützer mit Aktionen gegen den Transport protestiert.

Test simuliert realen Castor-Transport

Langsam schiebt ein Lkw den auf einem Auflieger fixierten, rund vier Meter langen Castor aus dem Werksgelände des 2005 abgeschalteten Kernkraftwerks Obrigheim (KWO) hinaus. Es dauert nur ein paar Minuten, bis das Gespann die Rampe des Schubverbands erreicht hat und die Fracht in der Einhausung des Schiffes verschwunden ist. "Wir haben den Test so konzipiert, dass er nah an den realen Transportabläufen ist", sagte Jörg Michels. Der Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH (EnKK) erklärte, dass die leeren Behälter auf rund 50 Flusskilometern nach Neckarwestheim reisen, dort aus- und wieder aufgeladen werden. Der Test dauert mehrere Tage.

Minister Jörg Michels rechnet damit, dass das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) dieses Jahr die Transportgenehmigung erteilt und die Behälter auch 2017 in das GKN-Zwischenlager gebracht werden können. Die EnBW will so erreichen, dass sie auf den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim verzichten kann. Ein Plan, den Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) von Beginn an unterstützt hat. Für ihn ist wichtig, dass keine zusätzliche Einrichtung entsteht, die jahrzehntelang gesichert werden muss.

 

 

Atomkraftgegner wollen keinen Atommülltransport auf dem Neckar

Wie sicher ist der Transport hochradioaktiver Brennelemente auf einem Fluss? Viele Atomkraftgegner halten das Risiko für zu hoch. Für verantwortbar hält es EnBW-Mann Jörg Michels. Selbst der Grüne Umweltminister ist der Überzeugung, dass die 15 Castoren, aufgeteilt auf fünf Fahrten, sicher nach Neckarwestheim gebracht werden können.

Untersteller begrüßt im Übrigen auch die Tests. Mögliche Schwierigkeiten könnten bereits im Vorfeld erkannt und ausgeräumt werden. "Auch uns als Aufsichtsbehörde bietet der Test eine gute Gelegenheit, uns möglichst gut auf den späteren, eigentlichen Transport der Brennelemente vorzubereiten, sofern dieser vom BfE genehmigt werden wird", sagte Untersteller der Heilbronner Stimme. Seine Behörde muss kontrollieren, ob EnBW und der beauftragte Spediteur die Vorgaben der Transportgenehmigung einhalten.

Polizei rechnet mit diversen Protestaktionen

Beim Präsidenten des Polizeipräsidiums Göppingen laufen die Fäden für die Transportsicherung zusammen. Thomas Mürder rechnet mit einer Reihe von Protestaktionen, die aber nicht das Ausmaß der früheren Gorleben-Transporte erreichen. "Wenn die öffentliche Sicherheit oder die Sicherheit des Transports gefährdet ist, werden wir angemessen reagieren."

Mürder kündigte an, dass Polizeikräfte auf dem Wasser, an Land und aus der Luft die Transporte überwachen. Ein Hubschrauber werde voraussichtlich ständig über dem Schubverband kreisen. 23 Brücken und sechs Schleusen nehmen die Beamten besonders intensiv in den Blick. Mürder meint: "Der Fluss ist ein sehr sicherer Transportweg."

EnKK-Geschäftsführer: "Schubverband ist praktisch unsinkbar"

Dem Schubverband selbst, er besteht aus einem Schubschiff und einem sogenannten Leichter, bescheinigte Jörg Michels "praktisch" unsinkbar zu sein. Das Schiff verfüge über doppelte Wände, mehrere Kammern und Lenzpumpen. Antrieb und Ruderanlagen seien in doppelter Ausführung vorhanden. "Ein weiteres Schubboot steht ergänzend zur Verfügung", sagte der Geschäftsführer.

Viele Atomkraftgegner lassen sich von diesen Argumenten nicht überzeugen. Sie werfen der EnBW vor, sich um den Bau eines Lagers in Obrigheim gedrückt zu haben. Zudem halten sie auch die unterirdischen Stollen in Neckarwestheim für unsicher.