Buntes Heilbronn: Ein Künstler bringt Farbe ins Spiel

Heilbronn  Michael Hieronymus hat Bilder von einigen prägnanten Heilbronner Gebäuden coloriert. Herauskommt ein buntes Stadtbild.

Von Kilian Krauth

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Künstler bringt Farbe ins Spiel
Shoppinghaus: "Ich vermisse manchmal strahlende Häuser", sagt der Künstler und will durch sein Werk auch Menschen zum Strahlen bringen.

Heilbronn ist keine Schönheit, manche sprechen gar von einer grauen Maus. Zwar hat das Stadtbild in jüngster Zeit an Attraktivität gewonnen. Doch gerade die City wirkt mitunter ziemlich trist und farblos.

Räte und Rathaus, auch manche Kaufleute und Hausbesitzer geben sich alle Mühe, andere legen nur die Hände in den Schoß und beklagen sich. Nun klinkt sich ein prominenter einheimischer Künstler in die Debatte ein, Michael Hieronymus. "Ich will es nicht beim Schimpfen belassen", betont er und bringt tatsächlich jede Menge Farbe ins Spiel. Der ausgebildete Fotograf coloriert am Computer markante Innenstadt-Gebäude. Poetische Leitsätze in Leuchtschrift sollen die Betrachter zusätzlich zum Nachdenken anregen.

Mit Farbe etwas bewirken

"Es müssen nicht immer teuere und architektonisch hochambitionierte Neubauten sein", meint der Kreative, "allein mit Farbe kann man schon viel bewirken". So kämen je nach Farbgebung selbst an unterschätzten Häusern kaum wahrgenommene Strukturen zum Vorschein. "Viele Gebäude sind viel spannender, als sie auf den ersten Blick scheinen."

Künstler bringt Farbe ins Spiel
So hat der Künstler das Wollhaus coloriert. Fotos/Coloration: Michael Hieronymus

Haupteffekt seiner Arbeit soll freilich die "positive Strahlkraft" sein − auch auf die Menschen. "Ach, lasst uns doch mal unsere schwäbische Bescheidenheit ablegen", sagt der 54-Jährige, der sich für seine Heimatstadt mehr Vielfalt und für ihre Bewohner mehr Phantasie und Freude wünscht. Sein Projekt soll nicht nur ein Spiel sein, sondern ein ernstgemeinter Beitrag für ein − in vielerlei Hinsicht − buntes Heilbronn.

Michael Hieronymus ist ein waschechter Sohn dieser Stadt. Er ist in einem Wohnblock an der Mannheimer Straße aufgewachsen − und rund um den Block herum groß geworden. Seine erste Erinnerungen? "Wie ich mit meinem Dreirädle die Welt erkundet habe", den Hof der Dammschule, Fischers Jugendstiltheater am Berliner Platz, den einstigen Berliner-Bär-Brunnen und andere Orte "mit Juwelen-Charakter, die eine Stadt einfach braucht".

Gedanken über das Heilbronner Stadtbild

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Stimme-Hochhaus: "Viele Gebäude sind viel spannender, als sie auf den ersten Blick scheinen."

"Als kleiner Bub habe ich mir darüber natürlich keine Gedanken gemacht", sagt der Mittfünfziger. Erst als er nach dem Abitur am Robert-Mayer-Gymnasium und dem Zivildienst in der Jägerhaus-Klinik nach Berlin zog, um beim Lette-Verein Fotografie zu studieren, später zwei Jahre als Künstler und Bildhauer in Barcelona lebte, bei Fotoreportagen die halbe Welt bereiste und erst Anfang der 1990er Jahre wieder in der Heimatstadt ansässig wurde − erst dann begann sich Hieronymus über das Heilbronner Stadtbild den Kopf zu zerbrechen.

"Im Rückblick stimmt mich das schon traurig, wenn so viele Orte der Kindheit und Jugend einfach verschwunden sind, das alte Theater, das alte Stadtbad", sagt der 54-Jährige. "Immer nur abbrechen und neu bauen greift zu kurz", betont der Künstler. Gleichzeitig bedauert er, dass die Stadtentwicklung lange zu sehr unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorangetrieben worden sei.

Die Aufenthaltsqualität und damit auch die Identifikation der Einwohner mit ihrer Innenstadt habe darunter eindeutig gelitten. Hieronymus will einige Lichtblicke aus jüngster Zeit nicht ausblenden: von der Wiederentdeckung der Neckarufer über die Experimenta I und II und den Bildungscampus bis zu einigen Neubauten. Im Gegensatz zu vielen Architekten findet er auch das Marrahaus "einfach toll".

Tristesse in der Stadt und bei den Bürgern

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Neckarturm: "Je nach Farbgebung kommen an den Gebäuden kaum wahrgenommene Strukturen zum Vorschein."Fotos/Coloration: Michael Hieronymus

Gleichwohl: "Wenn ich durch die Innenstadt gehe, werde ich traurig. Zu viel Grau in Grau, Tristesse, vernachlässigte Fassaden, 08/15-Läden, etliche Ecken wirken ziemlich vernachlässigt und das Gesamtbild ist wenig charmant." Hieronymus hat manchmal sogar den Eindruck, dass die Tristesse auch auf die Bürger dieser Stadt abfärbt.

Doch der bekennende Heilbronner will es nicht "beim Meckern" belassen. Bereits in der Vergangenheit hat er sich mit verschiedenen Projekten in die Stadtgestaltung eingebracht: In der Nordstadt im Pfad der Poesie, an der Wartbergschule mit Unterrichtsaktionen oder etwa mit den städtischen Museen mit einer elf Meter hohen Europa-Skulptur für den Europaplatz, "die mit dem Direktorenwechsel Pfeiffer-Gundel in der Schublade verschwand", wie er bedauert.

Nun hofft Michael Hieronymus, dass es seinem Projekt "happy architecture" nicht auch so ergeht. Schließlich handle es sich um einen konstruktiven Diskussionsbeitrag für "mehr Farbe in der Stadt" und damit für "mehr Freude und Spaß für die Bürger und Besucher".

 


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