Bildungscampus: Uni Mannheim will nach Heilbronn

Heilbronn  Bis Juni möchte die Uni Mannheim über die Ansiedlung ihrer Business School auf dem Heilbronner Bildungscampus entschieden haben. Aber was passiert mit der dort bereits ansässigen Business School, der GGS?

Von Iris Baars-Werner

Stabile Zahlen hat die GGS trotz der Debatte um ihre Zukunft. Foto: privat

Vor einem halben Jahr der Paukenschlag − seitdem herrscht Schweigen. Als die Dieter-Schwarz-Stiftung im Herbst 2016 Verhandlungen mit der Universität Mannheim und der Mannheim Business School (MBS) wegen deren Ansiedlung auf dem Bildungscampus der Stiftung in Heilbronn aufnahm, da warf Dirk Zupancic als Präsident der dort seit Jahren ansässigen German Graduate School (GGS) hin. Stiftung und GGS-Präsident trennten sich wegen "Differenzen über die strategische Ausrichtung".

In welcher Stimmung und mit welcher Zielrichtung laufen die Verhandlungen seither?

Die Gerüchteküche in Heilbronn brodelt. Daran hat auch die Dieter-Schwarz-Stiftung ihren Anteil. Denn ihr für die Hochschulaktivitäten zuständiger Geschäftsführer Reinhold Geilsdörfer schweigt. Je weniger er sagt, umso mehr Vermutungen gibt es. "Die Uni Mannheim ist aus dem Rennen", will ein Informant wissen. Die Stiftung verhandle mit mehreren möglichen Partnern. Man sah Vertreter der Frankfurt School of Finance auf dem Campus in Heilbronn. Andere rätselten, wie viele der GGS-Dozenten das wissenschaftliche Standing hätten für eine Kooperation mit Mannheim.

Gespräche seien "auf einem sehr guten Weg"

Die Gerüchte kann Mannheim überhaupt nicht verstehen. Man habe zwar "noch keinen Deal", sagt Uni-Rektor Professor Ernst-Ludwig von Thadden der Heilbronner Stimme, aber "wir sind auf einem sehr guten Weg". Bis Juni hofft er auf offizielle Beschlüsse der Gremien. Dass die Mannheimer ausgestiegen seien, dementiert auch Geilsdörfer. Die bilateralen Gesprächen zwischen Stiftung und Universität drehen sich nämlich nicht um eine Fusion von MBS und GGS. Es sei es von Anfang an nie darum gegangen, "dass wir die GGS umstrukturieren", sagt von Thadden. "Die Zukunft der GGS ist nicht unser Auftrag."

Daher also der Hinweis Geilsdörfers, man spreche "selbstverständlich auch mit anderen wissenschaftlichen Hochschulen, immerhin haben GGS, Stiftung und die Region einiges zu bieten".

Was also lockt Mannheim? Die Stiftung habe angefragt, wie die Uni und die MBS auf dem Campus Heilbronn aktiv werden könnten, so von Thadden. Es sei darum gegangen "die Spitze der Bildungspyramide in Heilbronn anzusiedeln". Lange schon bemühen sich die Heilbronner um das Promotionsrecht − mit der GGS war das nicht zu erreichen. Aber vielleicht mit der Uni?

Win-Win-Situation?

Heilbronn sei "ein sehr attraktiver Standort und der Campus ist eindrucksvoll", schwärmt Ernst-Ludwig von Thadden. Wenn sich die MBS hier ansiedeln könne, dann "wäre das ein Gewinn für uns". Es sei eine "Win-Win-Situation für beide Seiten" − einerseits komme "diese führende Business-School nach Heilbronn", andererseits erweitere die MBS ihren Einzugsbereich.

Was die Universität selbst betrifft, könne Heilbronn nur durch einen Kabinettsbeschluss offizieller Standort werden. Man denke aber an die Einrichtung eines Forschungsinstitutes. Das müsse in Stuttgart entschieden werden. Das Ministerium wisse seit Dezember von den Gesprächen, sei aber nicht beteiligt. Von Thadden sagt, er versuche, das Ministerium in das Thema "angemessen einzubinden".