Alexandra Freifrau von Berlichingen wird 75

Jagsthausen  Die Baronin will sich auch weiterhin mit ganzer Kraft für die Burgfestspiele Jagsthausen einsetzen. Doch nun wird erst einmal Geburtstag gefeiert - wenn auch in kleinem Kreis .

Von Christian Gleichauf

„Diese Computerarbeit, vor allem mit den vielen Bilddateien, da muss ich mich weiter reinbeißen“, sagt Alexandra Freifrau von Berlichingen. Auch kurz vor ihrem 75. Geburtstag am heutigen Tag lässt die Geschäftsführerin der Burgfestspiele Jagsthausen nicht locker. Stolzer als auf den Geburtstag, für den sie ja nichts könne, ist sie deshalb auf ihre Arbeit für die Freilichtbühne in den letzten 20 Jahren.

„Ich genieße dieses Theater mit seinen beeindruckenden Schauspielern, den tollen Laiendarstellern und dem wunderbaren Chor“, sagt die Baronin. Die Burgfestspiele haben sich inzwischen zu einem kleinen mittelständischen Betrieb entwickelt – „personell natürlich auf kleinster Flamme“. Die Professionalisierung der vergangenen Jahre sei aber sogar einhergegangen mit einer Reduzierung des Aufwands für sie selbst. Zufrieden und gelassen wirkt sie dabei.

Dass sie das nicht immer ist, lässt der Mann an ihrer Seite durchblicken. „Ich wünsche ihr zum Geburtstag, dass sie nicht immer alles so ernst nimmt“, sagt Roman Herzog, Altbundespräsident und seit 2001 mit Alexandra von Berlichingen verheiratet. Er komme aus einer Laufbahn, wo es immer so viel Ärger gab, dass man gar keine Zeit gehabt habe, sich zu ärgern.

Rom-Reise

Zeit. Die nutzt das Paar immer gerne zum Reisen, auch wenn es mit dem einstigen Wunsch, ein viertel oder sogar ein ganzes Jahr in Rom zu verbringen, nichts geworden ist. „Wir haben da mal wieder Urlaub gemacht“, sagt Roman Herzog trocken. Ins Schwärmen gerät dagegen seine Frau: „Mit ihm durch Rom zu gehen, das ist so faszinierend. Jede Frage kann er beantworten.“

Zuletzt hat so manches Malheur die Bewegungsfreiheit von Roman Herzog einschränkt. Vorübergehend. Jetzt ist der 81-Jährige wieder auf den Beinen. Lebensmittelpunkt ist nach wie vor die Götzenburg. Während sie am Computer sitzt, arbeitet auch er in seinem Büro. Die Interessen sind geblieben. Auf dem Couchtisch liegt die Zeitschrift „Antike Welt“ und die „Geschichte der Langobarden“.

Häufig zieht es die zwei nach München, „da reizt mich die Kultur – die Oper, Ausstellungen, das Theater“, sagt Alexandra von Berlichingen. Schon als Jugendliche entdeckte sie in Hamburg ihre Liebe zum Schauspiel. Eine wichtige Voraussetzung, als sie 1994 relativ unvorbereitet die Leitung der Burgfestspiele übernahm, nachdem ihr Mann Götz von Berlichingen an einem Herzinfarkt gestorben war.

Nachfolge?

Und jetzt? Denkt sie an die Einarbeitung eines möglichen Nachfolgers? Steht ihr Sohn Götz von Berlichingen möglicherweise bereit? „Ich arbeite daran“, sagt sie zuerst nur knapp und lächelt. Dann: „Ich setze meine ganze Kraft dafür ein, dass uns die Burgfestspiele erhalten bleiben.“

Gefeiert wird heute im engen Kreis der Familie – wenn auch widerwillig. „Du feierst doch sonst gern Geburtstag“, habe ihre Tochter Diana sie gefragt, erzählt die Jubilarin. „Aber das stimmt nicht. Und ich fühle mich auch nicht wie 75.“

 

Artikel zum Tod Roman Herzogs