50 Jahre Beschützende Werkstätten Heilbronn

Heilbronn  Zum runden Geburtstag veranstalten die Beschützenden Werkstätten eine ganze Reihe von Festen. Eines der Geschenke zum 50. des größten Sozialunternehmens der Region ist ein neuer Name: Lebenswerkstatt.

Von Gertrud Schubert

Unterstützen statt beschützen
Die Geburtstagstorte mit einer 50 im Lorbeerkranz und der grünen schützenden Hand, dem bleibenden Emblem des Sozialwerks. Hans-Christoph Ketelhut (r.) schreitet zur Tat. Ihm steht Oberkirchenrat Dieter Kaufmann zur Seite.Foto: Dennis Mugler

"Ab morgen heißen wir Lebenswerkstatt für Menschen mit Behinderung." Vorstand Pfarrer Hans-Christoph Ketelhut verkündet beim ersten einer ganzen Reihe von Festen zum 50. Geburtstag der Beschützenden Werkstätte (BW) den neuen Namen des größten Sozialunternehmens in der Region Heilbronn-Franken.

BW ist passé. Doch LW geht den Mitarbeitenden und Angehörigen, Förderern und Unterstützern, Kirchen- wie Firmenvertretern und allen Kennern des Sozialwerks für Menschen mit Behinderung bestimmt bald genauso geläufig über die Lippen. Die grüne Hand, die sich schützend um ein offenes Haus legt, bleibt als Erkennungszeichen.

Jahrelange Diskussionen

Lebenswerkstatt also. Jahrelang, sagt Hans-Christoph Ketelhut, wurde über einen neuen Namen diskutiert, der den Wandel in Leben und Arbeit der einst "nur" Beschützten und ihrer Betreuer treffend beschreibt. LW steht für das unterstützende Miteinander, das in der BW in den 1990er Jahren Einzug gehalten hat. Damals wurden aus Behinderten Mitarbeiter und aus Beschützten in einer abgeschlossenen Lebenswelt betreute Menschen mit eigenem Schlüssel und Mietvertrag.

Außenwerkstätten, Außenwohngruppen, Berufsbildung, Qualitätsmanagement in der Produktion für die Industrie, Werkstatt- und Bewohnerbeirat markieren den Paradigmenwechsel. Damals bog das Sozialunternehmen auf den Weg der Inklusion ein, der Teilhabe und Selbstbestimmung ermöglichen soll. Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, bestärkt die heute 1360 Mitarbeiter und 570 angestellten Mitarbeiter in diesem Aufbruch: "Inklusion ist kein Schritt von jetzt auf nachher. Inklusion leben, heißt anfangen, Haltungen hinterfragen, sich auf den Weg machen."

Am Anfang ging es um Befreiung

Am Anfang des Weges Mitte der 60er Jahre ging es auch um eine Befreiung: "Vom Verstecken zum Entdecken", Angehörige wollten ihren Kindern mit Behinderung neue Lebensmöglichkeiten außerhalb des Hauses eröffnen und gründeten Vereine, berichtet Pfarrer Ketelhut. Sozialminister Manfred Lucha erinnert daran, dass dieses Einstehen der Angehörigen für ihre Kinder völlig neu und mutig war, "20 Jahre nach 1945". Die Situation damals wie heute beschreibt er mit einem nachdenklichen Satz: "Es gibt keine Ränder in unserer Gesellschaft. Alles, was geschieht, ist in unserer Mitte."

Die Leser der Heilbronner Stimme waren mittendrin. 1967 startete die Zeitung ihre erste soziale Spendenaktion, 170 000 Mark kamen zusammen und legten den Grundstein für die Beschützende Werkstätte. Schon als Kind wusste Verleger Tilmann Distelbarth seinen Vater im Verwaltungsrat aktiv, als Jugendlicher wurde er Zivildienstleistender in der BW: "Eine unglaublich wertvolle Zeit." Ruth Kienbacher und Brigitte Kasiske überreichen eine Spende von 1300 Euro und danken für die BW-Struktur, die den Angehörigen den Rücken stärkt. Michael Jung vom Lions Club Heilbronn und Richard Brehm vom Förderverein versichern, dass sie das Spenden und Fördern nicht aufgeben wollen. OB Harry Mergel schließlich sieht die Lebenswerkstatt in Heilbronn gut aufgehoben: "Der wahre Charakter einer Stadt zeigt sich am Umgang mit denen, die Hilfe brauchen."