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Rabiater Lehrer? Schülerin bekommt kein Schmerzensgeld

Zivilrichter am Heilbronner Landgericht weisen die Klage einer Schülerin gegen ihren Lehrer ab. Die Richter nehmen den Pädagogen in ihrer Urteilsbegründung mit deutlichen Worten in Schutz.

Von Helmut Buchholz
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Lesezeit  2 Min
Rabiater Lehrer? Schülerin bekommt kein Schmerzensgeld
Foto: dpa

Eine Abfuhr erhielt eine Schülerin vor dem Heilbronner Landgericht am Montag. Die Zivilkammer lehnte ihre Schmerzensgeldklage über 4000 Euro gegen einen Lehrer beziehungsweise seinen Arbeitgeber, das Land Baden-Württemberg, ab. Sie muss zudem die Kosten des Verfahrens tragen. Die Urteilsbegründung hörte sich teilweise wie eine Verteidigungsrede für den schwierig gewordenen Lehrerberuf an.

Was war geschehen? Die Schülerin warf dem Pädagogen "ehrverletzende Handlungen, einen körperlichen Übergriff sowie einen zu Unrecht erklärten Unterrichtsausschluss" vor. Sie war im November 2013 Schülerin und Klassensprecherin der 10. Abschlussklasse einer Neckarsulmer Schule.

Mitschüler widersprechen der Aussage der Frau

In einer Mathestunde habe die damals 17-Jährige ihre Jacke anbehalten, weil sie krank war und gefroren habe, wie sie vor Gericht aussagte. Der Lehrer habe sie aufgefordert, die Jacke auszuziehen. Das habe sie abgelehnt, woraufhin der Lehrer sie am Arm gepackt und aus dem Klassenzimmer herausgezogen habe. "Ich habe geweint, hatte danach Schmerzen." Außerdem habe der Lehrer gesagt, dass sie einen Schulausschluss bekomme. Die Eltern meldeten dann ihre Tochter von der Schule ab.

Hat sich der Vorfall tatsächlich so ereignet? Die Richter hatten Zweifel. Denn in dem Strafverfahren gegen den Lehrer, das eingestellt wurde, vermittelten Mitschüler in Zeugenaussagen bei der Polizei ein ganz anderes Bild. "Der Lehrer hat gesagt, Sie sollen heimgehen, wenn Sie krank sind und nicht andere anstecken. Warum haben Sie das nicht gemacht?", wollte der Vorsitzende Richter Ernst Becht wissen. Antwort: "Es war das Abschlussjahr und eine Mathearbeit stand bevor."

Hatte Schülerin den Vogel gezeigt?

Ob es richtig sei, dass die Schülerin dem Lehrer den Vogel gezeigt habe, bohrte Becht weiter. "Nein", sagt die Klägerin. Doch die Zeugenaussagen der Mitschüler widersprachen dieser Aussage. Mehr noch. Richter Becht zitierte aus den Vernehmungen der Klassenkameraden, die erklärten, dass die Schülerin "extrem langsam" aus dem Zimmer gegangen sei.

Der Lehrer habe die 17-Jährige außerdem nur "am Arm berührt" oder sie am Arm "leicht untergehakt". Auf keinen Fall habe aus dieser Berührung eine Verletzung entstehen können. Eine Mitschülerin sagte über die Klägerin: "Sie ist manchmal aggressiv."

Lehrer müssen viel hinnehmen

Angesichts dieser Aussagen wollte Richter Becht wissen, ob die Klage aufrecht erhalten wird. Der Anwalt der Schülerin antworte: "Ja." Er würde als Mitschüler auch nichts gegen seinen Lehrer sagen. Zudem gebe es ein Urteil des Verwaltungsgerichts, das das Verhalten des Lehrers als rechtswidrig einstuft.

Doch in der Klageabweisung sagte Becht: "Dem Verwaltungsgericht lagen nicht die Aussagen der Mitschüler vor." Darauf komme es in dem Zivilverfahren auch nicht an. Die Schülerin habe den Lehrer durch das Zeigen des Vogels massiv provoziert. Beim Lehrer sei zudem kein Vorsatz feststellbar. "Was muss ein Lehrer alles hinnehmen, ohne Gefahr zu laufen, angezeigt zu werden?", fragte Richter Becht in der Urteilsbegründung. Es sei nicht verwunderlich, dass es immer schwerer werde, Lehrer zu finden und ältere unter Burnout litten.

 

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