Zum Fastenbrechen gibt es im Gefängnis Döner

Heilbronn  Das Ende des Fastenmonats Ramadan wird auch hinter Gittern gefeiert. Mitglieder der Fatih-Moschee versorgen die muslimischen Gefangenen mit Döner, Getränken und süßem Gebäck.

Von Carsten Friese

Zum Fastenbrechen im Gefängnis gibt es Döner

Zuckerfest im Heilbronner Gefängnis: 102 von 357 Gefangenen sind Muslime. Die Fatih-Moschee hat das besondere Mahl für die Häftlinge spendiert.

Foto: Veigel

 

"Für uns ist das etwas Besonderes, Luxus", sagt Häftling Tolgay. Als Mitarbeiter der Fatih-Moschee am Montag zum Fastenbrechen nach dem Ramadan mit großen Wärmeboxen voller Döner und dem Süßgebäck Baklava, Cola, Ayran und Pfirsichsaft in den Multifunktionssaal des Gefängnisses in der Steinstraße kommen, sitzen fast 60 muslimische Gefangene schon an den Tischen vor Kunststofftellern bereit. Einer der höchsten Feiertage, das Zuckerfest nach dem Ramadan, findet hier auch hinter Gittern statt. Und zwei Imame, Kadir Dogan und Necati Uzun, sorgen für den religiösen Hintergrund.

Sprechgesang durchzieht den Saal, einige Gefangene beten mit geöffneten Händen. "Durch Beten und Fasten reinigen wir im Ramadan unser Herz, unsere Seele, das ist wichtig", betont Uzun. Die Armenabgabe Zakat müssten Häftlinge hinter Gittern im Ramadan nicht verrichten, verdeutlicht er. Fasten sei aber schon eine Vorgabe für alle.

Ausnahmsweise steht Döner auf dem Speiseplan

65 Döner hat die Fatih-Moschee heute mitgebracht, nacheinander geben Mitarbeiter die Portionen aus. Man wolle die Gefangenen durch diesen Besuch das Besondere des Ramadan-Endes erleben lassen, erklärt Fatih-Sprecher Serdar Eroglu.

Auffallend ruhig geht es beim Essen zu; sonst steht Döner hier nicht im Speiseplan der Gefängnisküche. "Das bringen wir so nicht hin", sagt Vollzugsdienstleiter Werner Gemmrich. Die Gruppe der muslimischen Gefangenen ist groß in der Steinstraße. 102 Muslime sitzen hier, 357 Häftlinge sind es insgesamt. Araber, Afrikaner, Männer aus den Balkan-Staaten sind zu dem besonderen Mahl gekommen, Türken, Kurden.

Viele arbeitende Häftlinge fasten nicht

Wie Häftlinge das Fastenbrechen erleben? Aeinehkar (36) nennt es ungewöhnlich, "man freut sich auf den Tag". Der Deutsch-Iraner hat im Ramadan nicht gefastet, weil er im Gefängnis eine Ausbildung zum Maschinenführer macht, gerade auch viel für Prüfungen lernt. "Da ist es sehr schwer, die Regeln einzuhalten." 30 Prozent, schätzt er, hätten wirklich gefastet. Dass es nun so ein Angebot wie zum Zuckerfest gibt, ist für ihn außergewöhnlich. In anderen Haftanstalten hat er das nicht erlebt.

Tolgay hat auch nicht gefastet, bei 40 Grad wie zuletzt in der Schreinerei sei es ohne Trinken ganz schwierig. Der junge Kurde findet es auch nicht okay, wenn Muslime im Gefängnis sich einen Monat lang besonders benehmen und dann wieder andere bestehlen. "Dann ist man kein richtiger Moslem." Er und sein Freund Ahmet wollten sich das Angebot mal ansehen. Es sei ein besonderer Tag; arbeitsfrei obendrein.

Häftling: "Zum Fasten braucht man Geduld"

Cengiz (42) hat im Gefängnis gefastet, obwohl er in der Schreinerei arbeitet. Schwierig? Nein, man benötige Geduld, sagt der Türke. Jetzt sei er sehr zufrieden, dass er es geschafft hat. Nach einer Stunde kehren die Männer in ihre Zellen zurück. "Sie waren richtig brav heute", sagt Vollzugsleiter Gemmrich. Vielleicht lag es ja am besonderen Essen.