Wollhaus: Ein Neubau als große Chance

Heilbronn - Die Gerüchteküche brodelte seit einer Weile. Doch richtig ernst genommen haben den Plan, das Wollhaus abzureißen, nur die wenigen Eingeweihten. Die Nachricht, dass es tatsächlich so kommen soll, löst vielfach Erleichterung aus.

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner

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Heilbronn - Die Gerüchteküche brodelte seit einer Weile. Doch richtig ernst genommen haben den Plan, das Wollhaus abzureißen, nur die wenigen Eingeweihten. Die Nachricht, dass es tatsächlich so kommen soll, löst vielfach Erleichterung aus. "Das ist mit Sicherheit die richtige Entscheidung", sagt Thomas Gauß, Chef der Stadtinitiative. Nur mit einem Neubau habe man die Möglichkeit, moderne Flächenzuschnitte für Einzelhändler und eine stärkere Anbindung an die Fußgängerzone zu schaffen.

Gauß sieht in einem neuen Center die Chance, den Standort Heilbronn zu stärken und Kunden an die Stadt zu binden. In den Städten drumherum passiere derzeit eine Menge in Sachen Einzelhandel − ob Stuttgart, Schwäbisch Hall oder Mannheim − deshalb sei das Signal aus Heilbronn sehr gut. Allerdings müsse das neue Projekt auch Sinn machen. "Eine zweite Stadtgalerie würde uns nicht weiterbringen", betont Gauß. Sein Wunsch wäre es, Angebote aus dem hochwertigen Bereich anzusiedeln, etwa einen Herrenausstatter. Auch ein weiteres Sportgeschäft könne Heilbronn gut vertragen.

Auch Elke Roth, Inhaberin des gleichnamigen Cafés in der Lohtorstraße, sieht das Vorhaben grundsätzlich positiv: "Heilbronn kann alles brauchen, was Kunden anzieht." Ihre Sorge: Ein neuer Magnet am nördlichen Ende der Fußgängerzone könnte die Sülmerstraße weiter schwächen, die unter Leerständen und geringer Frequenz leidet.

Keine Details

Genaueres zu den Plänen der Strabag Real Estate, die das Wollhaus übernehmen und bis 2018 durch einen Neubau ersetzen wollen, sind derzeit nicht bekannt: "Wir sind am Beginn des Planungsprozesses mit dem Investor", sagt Rathaussprecher Christian Britzke. Die Strabag war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen. In der Branche ist von einem Center mit 20 000 Quadratmetern die Rede. Wahrscheinlich ist, dass der Busbahnhof in die Neubaulösung einbezogen wird. Dessen Sanierung war wegen der Arbeiten in der Tiefgarage zurückgestellt worden.

 

 

"Ich hoffe, dass wir mit der Strabag zum Ziel gelangen und eine Aufwertung für das Areal hinbekommen", kommentiert Alexander Throm, CDU-Fraktionsvorsitzender im Heilbronner Gemeinderat, das Vorhaben. Dass es gute Nachrichten aus Sicht der Stadtentwicklung sind, meint auch Marianne Kugler-Wendt, Verdi-Chefin und SPD-Stadträtin. Doch über der Begeisterung für das Neubauprojekt solle man die Beschäftigten beim Kaufhof nicht vergessen, deren Arbeitsplätze in Gefahr sind. Der Oberbürgermeister müsse sich an die Spitzte einer Initiative stellen, damit die Beschäftigten nicht ohne Perspektive dastehen, fordert Kugler-Wendt.

Verhalten optimistisch ist Ladenpassagen-Mieter Dieter Harfensteller: "Für mich ist das Projekt noch nicht in trockenen Tüchern, erstmal müsse alle ja sagen zum Verkauf ihrer Anteile." Erste Kaufverträge hat die Strabag nach Angaben der Stadt jedoch bereits abschließen können. Passageneigentümer Simon Lisker hatte Anfang der Woche das Wollhaus aber noch als "gutes Objekt" gelobt und betont, dass es einfachere Wege gäbe für die Zukunft als einen kompletten Abriss.

 

 

 


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