Windrad bei Löwenstein: Das zweite Rotorblatt hängt

Löwenstein  Das zweite der 44 Meter langen Rotorblätter hängt am Windrad auf dem Löwensteiner Horkenberg. Weil der Wind am Freitag zu stark war, mussten die Arbeiten in 150 Metern Höhe verschoben werden. Viele Schaulustige verfolgten die Montage.

Von unserem Redakteur Reto Bosch

 

 

Ein 600 Tonnen schwerer Kran, und dann entscheidet doch ein kleines Messinstrument. Der Windmesser, ganz oben in 150 Metern Höhe, dreht sich am Freitag zu schnell. Zumindest zu schnell, um gefahrlos 44 Meter lange Rotorblätter montieren zu können. Zwei Rotorblätter sollen nun an diesem Samstag, das dritte am Montag angeschraubt werden.

Am Samstag hatte der Wind nachgelassen und bot dem Montagetrupp die Möglichkeit, mit dem ersten Rotorblatt zu beginnen. Bereits am Vormittag war das 44 Meter lange und zehn Tonnen schwere Teil mit der Nabe verbunden. Am frühen Nachmittag konnte dann auch das zweite Rotorblatt montiert werden. Viele Schaulustige verfolgten das Spektakel. 

Projektleiter Werner Durst vom Investor Kruck und Partner sagt: "Wir liegen voll im Zeit- und Kostenplan." Bis Ende des Jahres sollen die beiden zusammen neun Millionen Euro Windräder in Löwenstein ans Netz gehen.

Ende August wuchteten Spezialzugmaschinen die ersten Mastsegmente auf den Horkenberg. Seitdem ist viel geschehen. Enercon-Mitarbeiter setzten Segment an Segment, Ring auf Ring. Schon bald war der Turm weithin zu sehen. Und nachdem die beiden Stahlelemente und die Gondel aufgesetzt waren, ist die Dimensionen des Windrads deutlich geworden.

Superlative 

Bei einer Nabenhöhe von 138 Metern ist klar, dass Gerät der Superlative zum Einsatz kommen muss. Falko Söhner von der Firma Wiesbauer aus Bietigheim-Bissingen betrachtet das extrem unaufgeregt. Er sitzt an den Steuerelementen des gelben Giganten. Im Moment allerdings ist er zur Untätigkeit verdammt. Der Wind. "Acht Meter pro Sekunde sind zu viel", meint er.

Seit 25 Jahren hebt Söhner die unterschiedlichsten Lasten. In den letzten Jahren hauptsächlich Windrad-Teile. Sein Arbeitsgerät bringt selbst 600 Tonnen auf die Waage, dasselbe Gewicht könnte es anheben. Vier bis fünf Tage dauert es, bis der Gittermastkran aufgebaut ist. Schon der Transport stellt einen gigantischen Aufwand dar: Das Gerät erreichte verteilt auf 41 Sattelschlepper den Horkenberg. 

Auf das stählerne Muskelspiel ist es angekommen, als Gondel und Generator auf die Spitze gehoben werden mussten. Allein der Stromerzeuger wiegt rund 60 Tonnen. Bei den drei Rotorflügeln kommt es auf Präzision an. Söhner muss die zehn Tonnen schweren und 44 Meter langen Teile so genau einpassen, dass 100 Edelstahlschrauben ihre Löcher finden. Die Montagearbeiter erreichen die luftige Baustelle durch den Mast, sind für die Verschraubung zuständig. Klar, dass zu starker Wind die Arbeiten unmöglich macht.

Stabilität

"Wenn ein Rotorblatt den Mast berührt, müssen alle drei Flügel zurück ins Werk und eventuell neu angefertigt werden", sagt Timo Haueisen von Kruck und Partner. Grund: Die Flügel sind genau aufeinander abgestimmt. Um größtmögliche Stabilität zu erreichen, verspannen die Monteure die schwebenden Rotoren mit Seilzügen. "Wir haben uns bewusst für eine Einzelblattmontage entschieden", erklärt Durst. Die Alternative wäre gewesen: Die Flügel am Boden verbinden und dann als Ganzes an der Gondel montieren. "Dafür hätten wir aber eine viel größere Fläche gebraucht, dann wären mehr Bäume gefallen", sagt der Projektleiter.