Windenergie kommt auf den Prüfstand

Region - Der Regionalverband Heilbronn-Franken lässt die Hosen runter. In einer selten erlebten Offensive geht das Planungsgremium das Thema "Windenergie" an. Von 3. Juni bis 5. Juli kann jedermann die Unterlagen für die Fortschreibung des Regionalplans 2020 einsehen.

Von unserem Redakteur Joachim Friedl

Region - Der Regionalverband Heilbronn-Franken lässt die Hosen runter. In einer selten erlebten Offensive geht das Planungsgremium das Thema "Windenergie" an. Vom 3. Juni bis 5. Juli kann jedermann die Unterlagen für die Fortschreibung des Regionalplans 2020 einsehen und sich zu den jeweiligen Positionen schriftlich äußern.

Eine vierstellige Zahl an Stellungnahmen erwartet Klaus Mandel: "Wir tun unser Bestes, Fragen schnellstmöglich zu beantworten", verspricht der Verbandsdirektor. Er sagte aber auch: "Die Verbandsverwaltung geht an die Grenzen der Leistungsfähigkeit."

41 Gebiete übrig geblieben

Hinter den Regionalplanern liegt eine lange Wegstrecke, deren Etappen Mandel folgendermaßen zusammenfasst: "Wir alle machen Energiewende zum ersten Mal. Da ist schon Betroffenheit dabei, aber es wächst auch Wissen heran." Von einst 138 Flächen für Windkraftanlagen mit 14.000 Hektar sind nach intensiver Analyse (Artenschutz, Grünzonen, Tiefflugstrecken, Siedlungsflächen) noch 41 Gebiete mit 2500 Hektar übrig geblieben. Klaus Mandel spricht von "konfliktarmen Standorten".

Zahlen, wie viele Windräder auf diesen Flächen entstehen könnten, nennt Mandel nicht: "Das wäre unseriös." Faustregeln gehen pro Anlage (drei Windräder) von acht beziehungsweise 15 Hektar aus. Bei 2500 Hektar entspräche dies 312 Standorten für etwa 1000 Windräder beziehungsweise 176 Standorten für 500 Windräder.

Kritik erwartet

Parallel zum Regionalverband planen die Kommunen Gebiete für Windkraftanlagen. Mandel geht hier von einer Fläche von weiteren 2500 Hektar aus. Da diese Flächen nicht eins zu eins deckungsgleich mit den regionalen Gebieten sind, erwartet Verbandsdirektor Mandel Diskussionen mit der einen und anderen Kommune. Dabei hat er die Parole ausgegeben: "Es wird anständig miteinander umgegangen und um die beste Lösung gerungen." Nur in Fällen, wo keine Einigung zustande kommt, gilt die Vorgabe des Regionalverbands.

Kritik erwarten die Regionalplaner hinsichtlich der Abstände der Windparks von Wohnsiedlungen. Während Kommunen großzügiger verfahren und eine Entfernung bis zu 1000 Meter festschreiben wollen, befürwortet die Verbandsverwaltung gestaffelte Abstände von 250, 750 und 950 Metern. Der zwischenzeitlich laut gewordene Vorwurf, für den Regionalverband gebe es Menschen erster und zweiter Klasse, widerspricht Mandel: "Der Mensch steht für uns im Mittelpunkt."

Einsichtnahme des Regionalplans

Landratsamt Hohenlohekreis: Umwelt- und Baurechtsamt, Künzelsau, Montag bis Freitag 8.30 bis 12 Uhr, Donnerstag 8.30 bis 12 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr.

Landratsamt Main-Tauber: Bauamt, Tauberbischofsheim, Montag bis Freitag 8 bis 12.30 Uhr, Donnerstag 8 bis 18 Uhr.

Landratsamt Schwäbisch Hall: Bau- und Umweltamt, Schwäbisch Hall, Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr, Montag bis Mittwoch 13 bis 15.30 Uhr, Donnerstag 13 bis 17 Uhr.