Wengerter aus Flein und Heilbronn wollen jenseits des Mains punkten

Heilbronn - Sie wollen nicht aus der Not heraus in ein Boot steigen, sondern um neue Märkte jenseits des Mains zu erobern. Dies betonten am Mittwoch die Kapitäne der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg und der Weingärtner Flein-Talheim. Wie berichtet, planen die Weingärtnergenossenschaften (WG) eine Fusion.

Von Kilian Krauth

Wengerter aus Flein und Heilbronn wollen jenseits des Mains punkten
Die Vorstandschefs Martin Haag (links) aus Heilbronn und Martin Göttle aus Flein sind guter Dinge, ihre Markenbegriffe zu schärfen.Foto: Guido Sawatzki

Heilbronn - Sie wollen nicht aus der Not heraus in ein Boot steigen, sondern um neue Märkte jenseits des Mains zu erobern. Dies betonten am Mittwoch die Kapitäne der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg und der Weingärtner Flein-Talheim. Wie berichtet, planen die Weingärtnergenossenschaften (WG) eine Fusion. Erstmals äußerte sich die Führungsspitzen dazu jetzt offiziell. Der neue Betrieb würde mit einer Fläche von insgesamt 1046 Hektar fast zehn Prozent der Rebfläche in Württemberg abdecken, Heilbronn ist hier heute schon Marktführer und zählt neben den Zentralgenossenschaften zu den größten WGs in Deutschland.

Aufsichtsräte und Vorstand haben die Heirat von langer Hand angebahnt. Sie liegen inzwischen auf einer Linie und hoffen, dass die WG-Ehe bereits zum 1. Januar 2011 vollzogen werden kann. Das Ja-Wort müssen allerdings die Mitglieder sprechen. Am 20. und 21. April sind zunächst in den jeweiligen Betriebsstätten an der Binswanger Straße und an der Römerstraße Informationsveranstaltungen anberaumt.

Vollzug

Probeabstimmungen dürfte es erst im Sommer bei den turnusmäßigen Hauptversammlungen geben. Richtig abgestimmt werden soll dann nach der Prüfung der Jahresbilanz 2010, also im Frühjahr 2011. Der Zusammenschluss würde also rückwirkend greifen. Jeweils zwei Drittel der Mitglieder müssen ihren Segen geben. Er sei "guter Hoffnung, dass die Vernunft siegt", sagt Heilbronns Vorstandschef Martin Haag. Mit der Fusion wolle man die Betriebskosten drosseln und das Marketing ausbauen.

Beide Seiten arbeiten bereits seit sechs Jahren in der Vertriebsgesellschaft VinoWürtt zusammen. Jetzt wollen sie die Betriebe im globalen Wettbewerb "wetterfest" machen. Mit dem neuen Großbetrieb erhofft man sich vor allem außerhalb des Anbaugebietes mehr Schlagkraft. "Wir werden Deutschland flächendeckend besetzen", erklärt der Heilbronner Geschäftsführer Karl Seiter. Jenseits der Region verkauft Heilbronn bisher 30 Prozent, Flein nur 15 Prozent der Gesamtmenge. 2009 hat man 7,5 Millionen beziehungsweise 2,5 Millionen Litern Wein produziert.

"Vor der eigenen Haustür" soll sich vorerst kaum etwas ändern, betont Fleins Geschäftsführer Reinhold Fritz. So werden die etablierten Orts- und Lagenbegriffe, Rebsorten und Sonderlinien nicht verschwinden. Überregional versucht man die Profile zu schärfen. "Flein steht schon lange für Riesling, Talheim für Burgunder, Heilbronn eher für Trollinger und Lemberger", erklärt Vorstandschef Martin Göttle.

Namensfrage

Ein Heilbronner Mitglied erzielt im Schnitt 15 000 Euro pro Hektar, Flein liegt mit 12 000 Euro im Württemberger-Schnitt. Die Bilanzsummen betragen 29,6 Millionen und 12,3 Millionen Euro. Anders als in Neckarsulm, das mit Gundelsheim 2007 zu Heilbronn kam, werden in Flein weiterhin Trauben erfasst und zu Wein verarbeitet. Auch der Verkauf bleibt. Der neue "Familienname" ist jedoch offen. Nur soviel steht laut Haag fest: "Heilbronn muss drin sein."