Waldböden zu sauer - Kalk soll helfen

Region  Waldkalkungen sollen Bodenzustand von 1920 wiederherstellen - Mensch verantwortlich für starke Versauerung.

Von unserem Redakteur Reto Bosch

Mit dem Helikopter die Zeit zurückdrehen
Der Meravo-Hubschrauber verteilt Dolomit-Kalk über den Wäldern Eberstadts. Dieses Verfahren ist schneller und effektiver, als mit bodengebundenen Gebläsen zu arbeiten. Pro Hektar entstehen Kosten von etwa 340 Euro. Fotos: Guido Sawatzki

Das Donnern des Hubschraubermotors schwillt an. Die Rotoren bringen Bewegung in den Wald, Äste und Zweige schütteln sich. Die Luftwirbel schleudern Staub und kleine Steinchen in den Eberstädter Forst. Der Helikopter sinkt so lange, bis der Abwurfbehälter sicher auf dem Boden steht.

Ein Radlader füllt in einer geschmeidigen Bewegung 800 Kilogramm Dolomit-Kalk nach. Das dauert ein paar Sekunden, dann steigt der Helikopter wieder in die Luft, um das Material über den Bäumen zu verteilen. "Das ist keine Düngung", betont der Heilbronner Kreisforstamtsleiter Christian Feldmann. Ziel sei, die Qualität des Waldbodens zu verbessern.

Pulver

Mit dem Helikopter die Zeit zurückdrehen
Der Landesforstverwaltung liegen Daten vor, welche Qualität der Waldboden 1920 aufwies. Und genau dahin wollen die Förster zurück. Der Mensch hat in den zurückliegenden Jahrzehnten so viele Schadstoffe ausgestoßen, dass der Untergrund an vielen Stellen zu sauer ist.
 
Abhilfe kann ein Pulver schaffen, das aus Dolomit-Kalk besteht, manchmal angereichert mit Holzasche. Doch wie kann das Material verteilt werden? Pro Quadratmeter sind 300 bis 400 Gramm auszubringen.

Zum einen kommen Gebläse zum Einsatz, die von Wegen aus das Material in den Wald blasen. Das ist aufwendig, zudem nicht so schonend wie die zweite Variante: Ein Hubschrauber verteilt das Material aus der Luft. Moosen bleibt so die mechanische Belastung eines Staub-Sturmes erspart.

"Ein Hubschrauber schafft 50 Hektar am Tag", erklärt Christian Feldmann. Aber dafür ist dieses Verfahren auch teurer. Feldmann: Reiner Kalk vom Boden aus kostet 200 Euro pro Hektar, per Helikopter sind es 340 Euro. Die Preise steigen, wenn Holzasche beigemischt werden muss: 260 und 460 Euro je Hektar. Kommunen bekommen Zuschüsse. 90 Prozent von den Nettoausgaben. Feldmann schätzt, dass diese am Ende einen Anteil von 80 Euro pro Hektar zu tragen haben.

Behälter

Ist der Behälter gefüllt, dreht die Maschine der Oedheimer Firma Meravo wieder ab. Der Pilot steuert das Abwurfgebiet an, geführt von Navigationssystemen. Er bedient den Abzug, sofort zieht der Hubschrauber große Staubschwaden hinter sich her. Das Kalkpulver rieselt zu Boden oder bleibt auf Blättern und Nadeln hängen. Das ist aber kein Problem. "Der nächste Regen wäscht das Material in den Boden", sagt Feldmann. "In der Vorbereitung müssen wir einiges beachten", sagt der für Eberstadt zuständige Förster Ekkehard Matter.

Mit dem Helikopter die Zeit zurückdrehen

Wengerter etwa fürchteten angesichts der starken Luftwirbel um ihre frisch gesetzten Reben. Gesundheitsschädlich ist der Kalk nach Angaben Feldmanns aber für Mensch und Tier nicht. "Wir sperren die Wälder während der Flüge für kurze Zeit und informieren über die Medien." Schließlich sollte sich niemand der Staubwolke aussetzen. Sensible Bereiche bleiben außen vor: Waldbiotope, Spielplätze, Bannwälder, Wasserschutzgebiete, Versuchsflächen.

Im Landkreis Heilbronn soll der Hubschrauber dieses Jahr noch bis Oktober 3800 Hektar überfliegen und 14 000 Tonnen Kalk verteilen. Meist im Südosten zwischen Beilstein, Eberstadt und Wüstenrot. 2016 und 2017 geht die Aktion weiter. Zuerst im Nordosten und im Zabergäu, anschließend vor allem im Bereich Eppingen. Wie entscheidet Feldmann, in welchen Gebieten Kalk notwendig ist? Die Daten liefern Bodenuntersuchungen, die zeigen, ob Handlungsbedarf besteht. Für den Kommunalwald haben die Gemeinderäte das letzte Wort.

Weitere Planung

Mit dem Helikopter die Zeit zurückdrehen

 Im Stadtkreis Heilbronn sind keine Kalkungen geplant. Im Hohenlohekreis fliegen die Hubschrauber im kommenden Jahr. "Etwa 85 Prozent werden mittels Helikopter durchgeführt, die restlichen 15 Prozent mithilfe von Gebläsen", erklärt Lisa-Marie Dörr vom Landratsamt. Bereits 2012 bis 2014 habe es Kalkungen gegeben. "Die Lehmböden des Hohenlohekreises sind oberflächlich versauert, bis etwa 50 bis 60 Zentimeter tief."

Für die Firma Meravo gehören Waldkalkungen zum üblichen Angebotsspektrum. Das Oedheimer Unternehmen hilft auch bei Waldbränden, unterstützt Bau oder Reparatur von Stromleitungen, ist in den Bergen bei der Holzernte aktiv. Über den Wäldern der Region Heilbronn sind die donnernden Meravo-Maschinen mit den Abwurfbehältern noch bis Oktober zu sehen und zu hören.

Mit dem Helikopter die Zeit zurückdrehen