Umzugspläne für Audi-Tochter

Heilbronn  Heilbronn - Die Entscheidung darüber, was Audi auf seinem Gelände im Heilbronner Gewerbegebiet Böllinger Höfe ansiedelt, wird im Mai fallen.

Von unserem Redakteur Alexander Schnell

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Umzugspläne für Audi-Tochter
Audis Sportwagen R8 wird in Neckarsulm gebaut. Künftig könnte die Produktion in einem Neubau im Industriegebiet Böllinger Höfe erfolgen.Foto: Audi

Heilbronn - Seit Monaten wird darüber spekuliert, was Audi mit seinem knapp 25 Hektar großen Grundstück im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe plant. Klar ist bisher nur, dass bis Ende des Jahres ein Logistikzentrum entsteht, von dem aus das Werk Neckarsulm künftig mit Zulieferteilen für die Produktion versorgt wird. Nun bahnt sich eine Entscheidung an, was mit dem Rest der Fläche geschehen soll. "Das Thema Böllinger Höfe steht am 15. Mai auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung von Audi", sagte Martin Winterkorn am Rande der Automesse in Schanghai im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Zumindest das ließ sich der VW-Chef entlocken.

Dementi

Bedeckter hielt sich hingegen Audis Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler. "Wir haben bei dem Thema keine Hektik, alles zu seiner Zeit", so der 50-Jährige, der zu den weiteren Planungen nicht Stellung beziehen wollte. Die Frage, ob die Audi-Tochter Quattro GmbH in die Böllinger Höfe zieht, verneinte Stadler. Nach Informationen der Heilbronner Stimme soll aber genau dies der Vorschlag sein, über den der Aufsichtsrat von Audi am 15. Mai zu entscheiden hat.

Schrittweise

Nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise soll die Verlegung des Unternehmens auf die Böllinger Höfe erfolgen. Zunächst angedacht ist der Aufbau der Produktion für den Sportwagen R8, kurze Zeit später für den RS6 Avant. Beide Modelle stellt Audi derzeit in Neckarsulm her. Im zweiten großen Schritt sollen die restlichen Abteilungen der Quattro GmbH wie zum Beispiel die Entwicklung und Verwaltung ins Industriegebiet ziehen. Ein repräsentativer Schauraum für Kunden wäre dann ebenfalls denkbar. In Biberach bauen Spezialisten der Quattro GmbH Kundensportfahrzeuge auf Basis des R8. Dieser Bereich könnte mittelfristig dann ebenfalls umgesiedelt werden.

Und noch ein weiteres Projekt wäre bei einem entsprechenden Vorstandsbeschluss ein Thema für die Quattro GmbH an ihrem neuen Standort: Audis Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer hatte bereits im Januar im Interview mit der Heilbronner Stimme verschiedene Ideen für neue Modelle skizziert. Dazu gehört unter anderem auch ein für die Straße zugelassener Hybrid-Supersportwagen auf Basis des Rennwagens Audi R18 E-Tron, mit dem das Unternehmen im vergangenen Jahr den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans geholt hat. Sollte es grünes Licht für den Bau geben, wären sicherlich die Tüftler der Quattro GmbH die erste Adresse für eine entsprechende Kleinserie des Hochleistungs-Fahrzeugs.

Mehr Platz

In Neckarsulm würden bei einem Umzug der Quattro GmbH mittelfristig wieder größere Flächen frei, die man anderweitig nutzen könnte. Im Moment stößt das Werk an seine Grenzen, Platz für zusätzliche größere Gebäude oder gar eine weitere Produktionslinie ist nicht vorhanden. Mit Spannung warten die Beschäftigten in Neckarsulm nun auf den 16. Mai: Dann ist dort Hauptversammlung, bei der Audi-Chef Rupert Stadler vielleicht schon die Entscheidung des Aufsichtsrats vom Vortag mitteilen wird.

Quattro GmbH

Drei Geschäftsfelder werden von der Audi-Tochter Quattro GmbH in Neckarsulm abgedeckt. Neben der Entwicklung und dem Bau von Hochleistungsfahrzeugen wie dem Sportwagen R8 kümmern sich die Spezialisten auch um Motorsport. Aktuell wurde der 100. Kundensport-GT3 auf Basis des R8 in Heilbronn-Biberach ausgeliefert. Drittes Standbein ist der Bereich Individualisierung. Kunden können sich bei der Quattro GmbH ihren Wagen maßschneidern lassen. Am 10. Oktober wird das Unternehmen 30 Jahre alt. red