Tier-Rettung aus der Luft

Region  Die Lauffener Landesgruppe des Vereins für Deutsche Wachtelhunde geht neue Wege: Mit Drohnen und Wärmebildkameras bewahren die Jäger Rehkitze vor dem Mähtod. Mehr als 90 Kitze hat das offenbar schon gerettet in diesem Jahr.

Von Reto Bosch

Tier-Rettung aus der Luft
Wenn sie noch ganz jung sind, bleiben die Kitze liegen und lassen sich von den Helfern aus der Gefahrenzone bringen. Die Drohnen sind sehr teuer. Foto: privat

Rehkitze verstecken sich meist in hohem Gras. Gegen natürliche Feinde wie den Fuchs hilft dieser Trick. Aber er bringt die jungen Tiere auch in Gefahr. Nämlich dann, wenn Landwirte ihre Wiesen mähen wollen. "Wir tun in Zusammenarbeit mit den Jägern alles, um keine Kitze zu verletzen", sagt Helmut Eberle, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg. Unterstützung kommt nun von oben. Per Drohne und Wärmebildkamera.

Jäger sind ja traditionsbewusste Menschen. Das hindert sie aber nicht daran, mit der Zeit zu gehen. Die Landesgruppe des Vereins für Deutsche Wachtelhunde investiert viel Zeit und Geld, um Rehkitze vor den großen Mähmaschinen zu retten. Wilfried Schlecht aus Lauffen ist Vorsitzender nördlichen Sektion der Landesgruppe. Er sagt: "Wir konnten in den letzten Wochen mehr als 90 Kitze vor dem qualvollen Mähtod bewahren." Die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder verbinden dafür Drohnen- mit Wärmebildtechnik.

Monitor zeigt, wo Rehkitze liegen

Tier-Rettung aus der Luft
Mit solchen Multikoptern und Wärmebildkameras suchen die Jäger ganze Wiesen ab. Foto: privat

Ein Multicopter überfliegt eine Wiese. Auf dem Boden zeigt ein kleiner Monitor an, wo sich ein - Wärme abgebendes - lebendes Tier befinden könnte. Jäger und Landwirte prüfen die Stelle, legen die Jungtiere in gut belüfteten Kartons auf ein Graslager und lassen sie erst wieder frei, wenn die Mähmaschine ihr Werk vollendet hat. "Die Muttertiere nehmen die mit Handschuhen und Gras aufgenommenen Kitze problemlos wieder an", sagt Schlecht. Oft blieben die erwachsenen Tiere sogar in der Nähe, bis der Nachwuchs wieder springen darf.

Da der Wärmekontrast mit zunehmenden Temperaturen zu klein wird, können die Aktiven des Vereins nur in den frühen Morgenstunden fliegen. Pro Vormittag schaffen sie 30 bis 40 Hektar. Der Verein ist zum Beispiel im Nördlinger Ries aktiv, aber auch im Landkreis Heilbronn oder in Hohenlohe. Die Erfolgsquote bei jüngeren Kitzen ist größer als bei älteren Jungtieren. Sie bleiben liegen, während die älteren Artgenossen oft flüchten, wenn die Retter kommen.

Mit Premiere zufrieden

Der Wachtelhund-Verein, ein Zuchtverein für Jagdhunde, ist mit der Premierensaison bislang zufrieden. Aus Sicht von Wilfried Schlecht hat sich die Anschaffung der beiden jeweils 12.000 Euro teuren Drohnen gelohnt. Finanziert hat sie der Verein aus eigenen Mitteln, wie Schlecht erklärt. Die Piloten arbeiten seinen Angaben zufolge ehrenamtlich. "Sie bekommen auch keine Aufwandsentschädigung." Die freiwilligen Kitz-Retter sind mehrere Wochen frühmorgens im Einsatz, manchmal geht es anschließend zum Job.

Bauernfunktionär Eberle hat zwar noch keinen derartigen Drohnenflug selbst miterlebt. "Wenn es funktioniert, ist das aber eine super Sache." Bislang schließen sich Eberles Aussagen zufolge Landwirte und Jäger zusammen, durchsuchen die kritischen Wiesen. Ein hoher Aufwand, der keine absolute Sicherheit bietet. Eine andere Möglichkeit sei, am Vortag vogelscheuchenartige Gebilde aufzustellen. Diese sollen verhindern, dass die Kitze nach einem Ausflug wieder an ihren Liegeplatz zurückkehren. Denn sonst schweben sie in großer Gefahr - wenn die Mähmaschinen kommen.

 


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