Tausende Narren beim Faschingsumzug in Ellhofen

Ellhofen  Rund 2200 Aktive und 10.000 Zuschauer mischen beim ersten großen Umzug der Region in dieser Saison mit.

Von unserem Redakteur Rolf Muth

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Der Bonbonregen will in Ellhofen kein Ende nehmen. Und das ist überhaupt nicht schlimm, sondern bei den Tausenden Besuchern, die beim ersten großen Narrenzug der Region in dieser Saison die Straßen säumen, höchst willkommen. Petrus lässt die Schleusen zu. „Und auch der Herrgott behält sein Narrenkonfetti oben“, sagt Vizepräsident Martin Albrecht lachend und meint den Schnee.

„Idealbedingungen“ also für die Karnevalsgesellschaft im Weinsberger Tal, meint Denis Löhsl. Aber auch eine Herausforderung für die 400 Mitglieder starke Gesellschaft mit ihren 150 Aktiven. Der Präsident geht davon aus, dass an diesem Sonntag die Marke von 10.000 Zuschauern locker geknackt wurde.

Die Sulmtalnarren (SNE) haben mit Unterstützung von 60 befreundeten Vereinen wieder einen farbenfrohen Zug zusammengestellt. Die am weitesten Angereisten kommen aus dem Raum Karlsruhe. „Das sind vor allem Brauchtumsgruppen“, sagt der Vize. Karnevalsgesellschaften, aber auch Brauchtumsgruppen, kommen auch aus dem Großraum Stuttgart.

 

 

 

Der Gaudiwurm scheint nicht enden zu wollen. Rund 2200 Teilnehmer sind auf etwa 140 Gruppen verteilt. 49 Fahrzeuge sind dabei, die vor allem die Tollitäten sowie Präsidenten und Elferräte der Narrenvereine kutschieren.

Eines davon, ein hübsches, schwarzes Cabrio, steuert der Ellhofener Bürgermeister Wolfgang Rapp selbst. Und das hat offenbar einen guten Grund: „Dann habe ich Sitzheizung.“ Rapp hat ohnehin nichts anderes zu tun, als herum zu gondeln. Vor einer Woche wurde er beim Rathaussturm entmachtet. Die Rathausschlüssel hat er abgeben müssen. „Am Dienstag“, meint er folgerichtig, „soll doch der Till auch die Gemeinderatssitzung leiten.“

Die Symbolfigur der SNE führt den Zug an. Dicht gefolgt von den Böckinger Seeräubern. Die Bläser wärmen sich kurz zuvor noch mit Tee und Glühwein auf. „Dann sitzt das Mundstück besser“, scherzt Enrico Humbrock, der allerdings mit dem Schlegel die Pauke bearbeitet. Dass der Brennstoff unterwegs nicht ausgeht, dafür sorgt das Servicemobil: ein Handwagen, der von Monika Humbrock, Corinna Sammet und Petra Dobler-Schmitt gezogen wird.

 

 

Oh, là, là – die Glamour-Girls des Gundelsheimer Carnevalvereins stechen mit ihrem Outfit optisch hervor. „Das wollen wir auch“, sagt Diana Spalt. Als Blumenfeen in feinem, bunten Tüll und kuscheligem Fleece macht die Showtanzgruppe Staat. Individuelle Blumenarrangements zieren die Häupter dieser Grazien. Und die 30 Aktiven aus dem Neckartal fühlen sich offensichtlich pudelwohl.

Ute Schwarz hat fast ihre ganze Truppe aus dem Leintal mitgebracht. Die Präsidentin des Massenbachhausener Carnevalclubs ist mit 80 Frauen und Männern am Start: Kükengarde bis zu den Leintalfunken, die Brauchtumsgruppe Graustalweible, das Männerballett in seinen lieblichen Bienenkostümchen und die Zigeunerinnen marschieren mit. Dann ruft Ute Schwarz ein „dreifach donnerndes Massenbachhausen“ in die Menge.

 

 

Der Herbolzheimer Carnevalverein ist gegen Wurfgeschosse gut gewappnet. Mit Kettenhaube beschirmt, reihen sich die Ritter ein. Grün angelaufen ist die Fußtruppe der CGH (Carnevalgesellschaft Heilbronn). Im vergangenen Jahr noch als Wikinger unterwegs, heuer als Trolle mit langen Spitzohren. „Die mit den langen Ohren sind die schlimmsten“, sagt Markus Mezger. Das Outfit ist dem Schlachtruf „Trolli-helau“ geschuldet, aber offenbar auch einer Sage, wie der 32-Jährige erzählt. Er weiß von einem Bergtroll, der selbst im Gründungsprotokoll des fast 60 Jahre alten Vereins eine Rolle spielt.

Starke Oberarme haben offenbar die Mühlenhexen aus Ilsfeld. Das beweisen sie immer wieder auf der Strecke, bauen aus ihren Leibern eine vierstöckige Pyramide auf.

Am Straßenrand sind viele Besucher – Kinder und Erwachsene – verkleidet. Eisbären und Giraffen sind zu sehen, eine ganze Hühnergruppe mit Küken, zwei Eisbären, die einen kleinen Pinguin in ihre Mitte genommen haben.

Sicherheit

Am Rande der Veranstaltung sind DRK und Feuerwehr mit verschiedenen Fahrzeugen dezentral aufgestellt und in Bereitschaft. Der Leiter des Weinsberger Jugendrotkreuzes etwa: Simon Butzelaar steht mit zwei Kollegen samt Notfallrucksack bereit.

Apropos Sicherheit: „Die ist uns besonders wichtig“, sagt der Präsident. Denis Löhsl weist darauf hin, dass die Anhänger so mit Material verschalt sind, damit kein Kind beim Einsammeln der Bonbons unter die Räder geraten kann. Zusätzlich werden alle Fahrzeuge von mindestens vier Aktiven begleitet.