Stuttgart-21-Gegendemonstranten berichten

Region - Demonstranten aus der Region freuen sich über wachsenden Widerstand gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. Drei Demo-Teilnehmer aus der Region erklären, warum sie sich im Protest engagieren.

Von Adrian Hoffmann

Es tut sich etwas in Stuttgart, der Widerstand wächst von Tag zu Tag weiter. Matthias Monninger war zuletzt skeptisch, ob sich tatsächlich noch etwas ändern kann – hat jetzt aber neue Hoffnung. „Die Politik wirkt durch den Druck verunsichert“, sagt der 49-jährige landwirtschaftliche Sachverständige, der in Gemmingen aufgewachsen ist und jetzt in Stuttgart lebt.

Regelmäßiger Teilnehmer

Monninger nimmt regelmäßig an den Demonstrationen gegen Stuttgart 21 teil – auch am Samstag war er dabei. „Das ist ein ewiges Herauslavieren der Verantwortlichen“, sagt er. Ein kritisches Gutachten folgt dem nächsten, der Ruf nach einer Denkpause wird lauter. „Wir leben in einer neoliberal durchtränkten Welt“, so seine These, warum in Stuttgart alles so ist, wie es ist.

Den Seitenflügel abreißen? „Ich denke immer an meinem Großvater. Der würde sagen, sowas tut man nicht.“ Schon seit 2007 kritisiert Monninger die Pläne. Aus seiner Sicht sprechen zu viele Argumente dagegen.

Überzeugter Aktivist

„Da wird einfach Geld vergraben“, sagt Dominik Frei aus Obersulm-Weiler, der sich in dieser Angelegenheit als Aktivist versteht. Die Kostenschätzungen würden garantiert überschritten. Das Thema gehe letztlich jeden was an, weil jeder dafür zahlen müsse. Was ihn an der in Stuttgart entdeckten Demonstrationskultur gefalle, sei das breite Spektrum an Teilnehmern.

„Demos an sich sind ja fast ein Skandal in Stuttgart“, sagt er. Etliche über 60-Jährige seien hier aktiv. Frei: „Und die nehmen da mit einem Enthusiasmus teil, dass ich mir schon fast wie ein blöder Mitläufer vorkomme.“

Das sei wie in einer großen Familie, sagt auch Bernd Kiederer (55) aus Heilbronn, der in Stuttgart eine Buchhandlung betreibt. Es merkten jetzt eben viele, „dass die Demokratie hier mit Füßen getreten wird“. Es sei ihm ein Anliegen, dass die Stadt erhalten bleibe, sagt er.


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