Streik füllt das Containerterminal

Region  Das sichtbarste Zeichen des Lokführerstreiks in der Region waren am Freitag Automassen. Und zwar nicht nur auf den Straßen: Das stillgelegte Containerterminal im Heilbronner Hafen hat Audi als Parkplatz angemietet, um Neuwagen zwischenzulagern.

Von Manfred Stockburger und Daniel Stahl

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Die Bahnhöfe im Südwesten und die noch fahrenden Züge waren auch am Freitag laut einer Bahnsprecherin "extrem leer".

Schließlich werden normalerweise etwa 70 Prozent der 1300 Autos, die pro Tag in der Neckarsulmer Fabrik hergestellt werden, per Bahn auf den Weg zu den Endkunden gebracht.

Lastwagen

Vier Züge, die mit 25 Waggons jeweils bis zu 250 Fahrzeuge transportieren können, verlassen das Werk normalerweise pro Tag. Fällt auch nur ein Teil der Züge aus, sind die Parkplätze auf dem Werksgelände innerhalb kürzester Zeit verstopft. Schon in der Nacht zum Freitag standen auf dem Containerterminal deswegen etwa 70 fabrikneue Audis. Im Laufe des Freitags sind noch etwa 200 Fahrzeuge dazugekommen, wie eine Sprecherin auf Stimme-Anfrage bestätigte. Sie werden allerdings keineswegs per Schiff weitertransportiert, sondern per Lkw. Das Unternehmen meidet auf diese Weise teure Produktionsausfälle - auch die Sonderschicht in der A6/A7-Produktion am Samstag findet planmäßig statt. Die meisten Fahrzeuge hätten das Werk aber trotz Streik auf dem Schienenweg planmäßig verlassen.

Streik füllt das Containerterminal

Dank Lokführerstreik ist auf dem verwaisten Containerterminal in Heilbronn endlich etwas los: Audi hat die Fläche als Parkplatz für die Neuwagen angemietet, die wegen des Streiks nicht abgeholt werden.

Bis die Züge wieder nach Plan fahren, müssen sich auch andere Firmen Alternativen überlegen. Dass deshalb viele auf Lastwagen ausweichen, stimme aber nicht, sagt Roland Rüdinger. "Ob die Bahn streikt oder nicht, hat auf uns kaum Auswirkungen", sagt der Spediteur aus Krautheim. Er ist Vizepräsident der IHK Heilbronn-Franken und des baden-württembergischen Speditionsverbands. Auf den Autobahnen könnten zwar "schon ein paar Containerfahrzeuge mehr" unterwegs sein, sagt er. "Mit uns in der normalen Transportwirtschaft hat der Streik aber wenig zu tun." Zusätzliche Nachfrage gebe es deshalb kaum, so Rüdinger.

Fußballfans

Die Autobahnen waren aber am Freitag auch ohne zusätzlichen Lkw-Verkehr voll. Rund zwei Drittel der Züge im Südwesten fielen aus, heißt es von der Bahn. Deshalb stiegen viele Pendler noch einmal auf ihr Auto um. Schon morgens um 6 Uhr habe es ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen gegeben als sonst, sagt Harald Schumacher, Pressesprecher der Heilbronner Polizeipräsidiums. "Es war auch deutlich mehr Verkehr in der Stadt." Unfälle oder größere Behinderungen habe es aber nicht gegeben, sagt Schumacher.

Heute müssen Fahrgäste noch einmal mit Verspätungen rechnen.  Das trifft auch Fußballfans. Das Team von 1899 Hoffenheim spielt am Samstag in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim gegen Köln. Sonderzüge, die normalerweise zu den Spielen fahren, fallen aufgrund des Streiks aber aus. Die Polizei empfiehlt deshalb, möglichst früh zum Spiel zu fahren. Am Montagmorgen zum Start der neuen Woche sollten alle Züge wieder regulär fahren.

Streik endet bereits am heute Abend

Die Lokführergewerkschaft GDL will ihren Streik früher als geplant beenden. Die Lokführer würden als „Versöhnungsgeste“ ihre Arbeit schon heute, 18.00 Uhr, wieder aufnehmen, erklärte Gewerkschaftschef Claus Weselsky am Freitag in Frankfurt. Zuvor hatte das Landesarbeitsgericht Hessen den Streik auch in zweiter Instanz als rechtmäßig anerkannt.

„Wir könnten den Streik bis Montag, 4 Uhr, fortsetzen“, sagte der GDL-Chef. Es handele sich um eine Geste der Versöhnung. Zuvor hatte die GDL einen Vorschlag der Bahn abgelehnt, zur Einheitsfeier am Sonntag wenigstens den Berlin-Verkehr vom Streik auszunehmen.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber sagte angesichts des vorgezogenen Streikendes, dass sich damit der Einsatz der Bahn vor den Gerichten gelohnt habe: „Das ist ein gutes Zeichen für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter.“

Unterdessen hatte das Frankfurter Arbeitsgericht am späten Donnerstagabend die von der Bahn eingereichte einstweilige Verfügung abgelehnt.

Seit Mittwochnachmittag werden Güterzüge bestreikt, seit Donnerstagmorgen ist auch der Personenverkehr betroffen. red/dpa

Infos zum Bahnstreik und zu den Ersatzfahrplänen

Aktuelle Infos zur Verkehrslage bei der Bahn unter http://reiseauskunft.bahn.de  oder durch Anruf bei der kostenpflichtigen Service-Nummer 0180-6996633. Zusätzlich hat die Bahn die kostenlose Service-Hotline 08000-996633 freigeschaltet.

Infos zu Stadtbahn-Ausfällen unter  www.kvv.de

Bus-Ersatzfahrplan zwischen Öhringen und Bretzfeld: www.nvh.de

 
 

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