Stapler-Führerschein großes Plus bei Bewerbung

Neckarsulm - Konzentriert sitzt Manuel Christ hinter dem Steuer des Gabelstaplers. Kleine Container soll er aufnehmen und an anderer Stelle wieder übereinander stapeln. Millimeterarbeit. Der 16-jährige Neuenstädter ist einer von 33 Schülern des Berufseinstiegsjahrs (BEJ), die an der Christian-Schmidt-Schule (CSS) in Neckarsulm den Gabelstapler-Führerschein machen. Die Schule will Schüler im Berufseinstiegsjahr durch ein neues Projekt zusätzlich qualifizieren

Von Claudia Kostner

Email
Stapler-Führerschein großes Plus bei Bewerbung
Peter Gorges (rechts) weist die Schüler in die Kunst des Gabelstapler-Fahrens ein: Verantwortungsbewusstsein und eine ruhige Hand gehören dazu.Foto: Ralf Seidel

Neckarsulm - Konzentriert sitzt Manuel Christ hinter dem Steuer des Gabelstaplers. Kleine Container soll er aufnehmen und an anderer Stelle wieder übereinander stapeln. Millimeterarbeit. Der 16-jährige Neuenstädter ist einer von 33 Schülern des Berufseinstiegsjahrs (BEJ), die an der Christian-Schmidt-Schule (CSS) in Neckarsulm den Gabelstapler-Führerschein machen.

BEJ-ler, das sind junge Leute mit Hauptschulabschluss, aber ohne Ausbildungsplatz. Ein Jahr lang drücken sie in der Gewerbeschule des Landkreises die Schulbank, bekommen Einblick ins Berufsfeld Metall. „Wir haben lange überlegt, wie man diese Schüler weiterqualifizieren kann, damit sie bessere Chancen auf eine Lehrstelle haben“, erzählt BEJ-Fachgruppenleiter Dietmar Leiß. Die Idee: Wenn sie bei der Bewerbung nicht nur ihr Zeugnis vorlegen können, sondern auch einen Gabelstapler-Führerschein, „ist das ein Plus gegenüber anderen“. Und sollten sie nicht gleich einen Ausbildungsplatz bekommen, können sie immerhin schon mal in einem Lager etwas Geld verdienen.

Kooperationspartner waren schnell gefunden: Audi (Neckarsulm) schickte einen Fahrlehrer für die Praxis und einen Experten für die Theorie. Die Firma Hofmann (Obereisesheim) stellte zwei Stapler und einen Fahrlehrer. Auch das Landratsamt Heilbronn als Schulträger war gleich einverstanden und hat die Vollkasko- und Haftpflichtversicherung übernommen.

Motiviert

Am meisten Spaß macht den Jungs natürlich das Fahren. „Die Praxis ist total motivierend für sie“, sagt Dietmar Leiß. „Slalom, vorwärts und rückwärts, Kästen aufheben und wieder ablasten“, beschreibt Asik Hasan eine der Aufgaben. „15 Minuten waren vorgegeben, ich hab's in elf Minuten geschafft“, freut sich der 17-jährige Lauffener, der eine Lehre im Bereich Metall anstrebt. Sein Praktikum macht er aber bei der Firma Schunk als Fachkraft für Lagerlogistik. „Da braucht man den Staplerschein, das wäre ein Vorteil für mich“, sieht Hasan auch eine Alternative in diesem Berufsfeld.

„Auf die Verantwortung kommt es an“, betont Fahrlehrer Mustafa Kilic, der bei Audi jedes Jahr rund 900 sogenannte Flurförderzeug-Fahrer ausbildet und selbst vor zwei Jahrzehnten die CSS besucht hat. „Außerdem zählen Ruhe und motorisches Geschick“, fügt sein Kollege Peter Gorges von der Firma Hofmann hinzu. „Denn Stapler sind immer noch relativ gefährliche Maschinen, die in bestimmten Situationen leicht umkippen.“ Deshalb sei „die Theorie nicht ganz einfach“, sagt auch Klaus Flinspach. Bei Audi ist er für Arbeitssicherheit verantwortlich, in der CSS für die Theorievermittlung, beispielsweise Verkehrswegeregeln. „Der Stapler ist ein Gefahrenpotenzial, deshalb dauert bei Audi die Ausbildung fünf statt drei Tage“, sagt Flinspach. Sehr wichtig sei die Sicherheit von Kollegen, die sich im Umfeld bewegen.

Belohnung

„Den Schülern wird nichts geschenkt, sie müssen sich das hier verdienen“, betont Mustafa Kilic. Das galt schon im Vorfeld des Projekts, erläutern die zuständigen Lehrer Dietmar Leiß und Klaus Heinzmann: „Wer mitmachen wollte, musste sich bis kurz vorher an gewisse Regeln halten, der Führerschein ist gewissermaßen eine Belohnung.“ 33 von 37 Schülern durften die Prüfung ablegen. Sie seien sehr interessiert und verantwortungsbewusst, lobt Mustafa Kilic. „Mehr kann ein Fahrlehrer nicht erwarten.“