Skype-Bewerbung: Kultusministerin kündigt Überarbeitung an

Obersulm/Stuttgart  Das Kultusministerium nimmt den Fall der Obersulmer Lehrerin Sarah Wolf zum Anlass für die Überarbeitung der Verfahrenskriterien. Die Bewerbung der 28-jährigen war abgelehnt worden, weil sie sich per Skype aus Malaysia vorstellen wollte.

Von Adrian Hoffmann

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Das baden-württembergische Kultusministerium reagiert auf die Kritik am Einstellungsverfahren von Lehrern. „Das gängige Verfahren bedarf einer Überarbeitung“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Freitag im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Im Zeitalter der Digitalisierung und in einer globalisierten Welt solle es möglich sein, sich auch online bewerben und vorstellen zu können.

Man werde den Fall der Obersulmer Grundschullehrerin Sarah Wolf zum Anlass für die Überarbeitung der Verfahrenskriterien nehmen, so Ministerin Eisenmann. Datenschutz und die Einbindung des Personalrats müssten gewährleistet werden, aber dies gehe auch via Internet.

Eine entsprechende Anpassung habe sie intern „bereits in Auftrag gegeben“, sagte Eisenmann. Der Darstellung in der Heilbronner Stimme, das Kultusministerium wolle nichts an den bestehenden Regularien ändern, trete sie entgegen. Eisenmann: „Dies ist nicht korrekt.“

Missstand

Zuvor hatte der SPD-Landtagsabgeordnete und Ex-Innenminister Reinhold Gall das Kultusministerium aufgefordert, den „Missstand“ zu beseitigen und auf moderne Technik zu setzen. Der Vorgang um die Bewerbung von Sarah Wolf grenze an einen Skandal, hieß es in einer Mitteilung. „Die Lehrerversorgung an den Grundschulen in der Region ist desolat, mich haben schon mehrere Elternbeiräte deswegen um Hilfe gebeten,“ sagte Gall, der wie Sarah Wolf aus Obersulm kommt. Von den Schulbehörden und dem Regierungspräsidium würde immer darauf verwiesen werden, dass angeblich Bewerber fehlten.

Sarah Wolf ist noch bis zum Sommer in Malaysia. Foto: privat

Wie berichtet hatte Sarah Wolf mit der Schulleiterin an der Grundschule Plattenwald in Bad Friedrichshall ein Vorstellungsgespräch via Skype geführt.

Die Schulleiterin hatte Interesse an ihrer Einstellung bekundet, das Regierungspräsidium allerdings sagte ab. Bewerber müssten zu Vorstellungsgesprächen persönlich erscheinen, lautete die Begründung. Wolf war aber im besagten Zeitraum in Malaysia, wo sie an einer Deutschen Schule unterrichtet.

Chancengleichheit

Wie es jetzt im Fall Wolf weitergehe, könne sie noch nicht sagen, so Kultusministerin Eisenmann. Dies werde geprüft. Es sei von beiden Seiten vielleicht nicht alles glücklich gelaufen. „Ich freue mich, dass die Politik reagiert“, schreibt Sarah Wolf am Freitag via Facebook aus Kuala Lumpur. Sie sei überwältigt von der Zustimmung, die sie erfahren habe. Ihr Anliegen sei es gewesen, dass Lehrer im Ausland Chancengleichheit erführen. Zudem habe sie sich für Kinder an Schulen einsetzen wollen, „bei denen im Moment Unterricht ausfällt oder unqualifiziert ersetzt wird, weil Lehrermangel herrscht“.