Rund 25.000 Besucher beim Erlenbacher Weinfest

Erlenbach - Beim beliebten Weinfest fließen noch bis heute die edlen Tropfen in Strömen. Rund 25.000 Besucher feiern an vier Tagen ausgelassen in der Gemeinde unterm Kayberg.

Von Petra Müller-Kromer

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Erlenbach - "Warum muss die soviel Wein trinken?" Der siebenjährige Linus Keicher stupst besorgt seinen Vater an, als Weinkönigin Karolin Harsch die Liebhaber guter Tropfen und leckerer Peterling- und Zwiebelkuchen beim 35. Original Erlenbacher Weinfest auf dem Marktplatz mit einem Schluck aus dem riesigen Römer willkommen heißt. Der fasst bis zu einem Liter. Doch keine Sorge, die Kapelle Illerberg/Thal lässt sie mit der Aufgabe nicht allein. Alle freuen sich, wenn das Gefäß mit Widmung vom Gründungsjahr 1977 herumgeht, gefüllt mit Samtrot.

Lauben

Vater und Sohn, extra aus Frankfurt angereist, sind sich derweil einig: Das Erlenbacher Weinfest ist ein Muss. Für den einen, weil er "unbedingt eine echte Königin sehen wollte". Für den anderen, "weil das eine tolle Gelegenheit ist, alle wiederzusehen und zu prüfen, wer älter, grauer, dicker geworden ist." Rund 25 000 Besucher tun es ihnen nach Schätzung von Organisator Klaus Varga vier Tage lang gleich.

Und auch Weinkönigin Karolin Harsch, die aus Güglingen stammend bislang noch nicht den Charme der Gässchen mit den lauschigen Lauben und den liebevoll mit Blumen geschmückten Buden kennengelernt hatte, trifft beim Rundgang gleich alte Bekannte. Eine Erlenbacher Familie, dessen Frühchen die angehende Hebamme in der Uniklinik Heidelberg betreut hatte, ist gekommen, um die Helferin in schweren Stunden zu sehen.



"Sie hatten von meinem Besuch in der Zeitung gelesen. Das ist mein schönstes Erlebnis hier − nach unserem Kennenlernen," sagt die Weinkönigin augenzwinkernd zu Bürgermeister Uwe Mosthaf. Der ist einst selbst beim Buttenlauf gerannt und hat beim Fest Wein ausgeschenkt. Und so ist sich Karolin Harsch auch nicht zu fein, persönlich den Zwiebelkuchennachschub fürs Gemeindeoberhaupt im unteren Backhaus zu organisieren. Als königliche Weinhoheit muss sie dafür nicht so lang anstehen wie die Besucher.

Obwohl das Schlange stehen ja auch irgendwie dazugehört, findet Musikverein-Schriftführer Peter Glaser. "Wir wurden schon gefragt, warum wir nicht vorbacken und die Kuchen einfrieren." Er schüttelt den Kopf. "Das waren halt keine Erlenbacher." So gehen gestern wie heute die handtellergroßen Teigfladen in der Garage von Klaus Keicher unter Küchentüchern auf, während Iris Rödlich waschkörbeweise Zwiebel- und Peterlingbelag zubereitet, mal mit mehr, mal mit weniger Eiern, je nachdem, wie nass das Gemüse ist. Dann kosten die Mitstreiterinnen − Reicht der Kümmel? Muss mehr Salz hinein?

Reisig

Bis Heizer Karl Vogt das eigens fürs Fest gesammelte Rebenreisig im Backhaus-Ofen verteilt, den Abbrand kontrolliert, Asche auskehrt und Bleche einschießt, hat halb Erlenbach an der Entstehung der Kuchen mitgewirkt. Wie Martha Schmitt, die mit 93 Jahren als älteste Einwohnerin und Mutter der Zwiebelfrauen-Kompanie, immer einen Spruch auf den Lippen hat. "Träumsch heut ebbes Schönes von mir", ruft sie Heizer Karl Vogt zu und sagt stolz: "Das ist mein Backhaus-Freund."