Rückkehr zu den eigenen Eltern ist immer das Ziel

Heilbronn - Zurzeit sind 176 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Heilbronn in Vollzeitpflegefamilien untergebracht. Im Mai 2007 hat das Landratsamt alle damit zusammenhängenden Aufgaben im Pflegekinderfachdienst gebündelt. Über ihre Erfahrungen mit der Neuorganisation und die Arbeit mit Pflegekindern und -eltern sprach Claudia Kostner mit der Sachgebietsleiterin der Besonderen Sozialen Dienste, Marion Yantdilok.

Rückkehr zu den eigenen Eltern ist immer das Ziel
Vor allem Kinder unter zehn Jahren sind in Pflegefamilien gut aufgehoben. Manche sind aber so traumatisiert, dass sie im Heim besser betreut werden können. Foto: dpa

Heilbronn -  Zurzeit sind 176 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Heilbronn in Vollzeitpflegefamilien untergebracht. Im Mai 2007 hat das Landratsamt alle damit zusammenhängenden Aufgaben im Pflegekinderfachdienst gebündelt. Über ihre Erfahrungen mit der Neuorganisation und die Arbeit mit Pflegekindern und -eltern sprach Claudia Kostner mit der Sachgebietsleiterin der Besonderen Sozialen Dienste, Marion Yantdilok.

Was muss passieren, damit ein Kind aus seiner eigenen Familie herausgenommen wird?

Marion Yantdilok: Die Gründe sind vielfältig, meistens kommen mehrere Faktoren zusammen: Alkohol- oder Drogenprobleme, Krankheit, Tod oder psychische Erkrankungen der Eltern, desolate Wohnverhältnisse oder massive Partnerschaftsprobleme. Aber auch entwicklungsproblematische Kinder, die Eltern an ihre Grenzen bringen, können Anlass sein, die Mädchen oder Jungen in Vollzeitpflege unterzubringen. Vorrang haben aber ambulante Angebote wie Jule oder sozialpädagogische Familien- und Erziehungshilfe. Nur in massiven Gefährdungssituationen wie Misshandlung oder sexuellem Missbrauch wird das Kind sofort in fremde Obhut gebracht.

Ist die Unterbringung in einer Pflegefamilie dem Heim vorzuziehen?

Yantdtilok: Bei Kindern unter zehn Jahren ist die Pflegefamilie die angemessene Betreuungsform, darüber hinaus muss man den Einzelfall prüfen. Manche Kinder sind durch ihre Erlebnisse so traumatisiert, dass Pflegeeltern überfordert wären.

Und finanziell gesehen?

Yantdilok: Die Pflegefamilie bekommt zwischen 677 und 851 Euro im Monat, je nach Alter des Kindes. Die Kosten für einen Heimplatz sind deutlich höher und liegen bei circa 4000 Euro im Monat.

Wie werden Pflegeeltern vom Fachdienst auf ihre Aufgabe vorbereitet?

Yantdilok: Es gibt einen Infonachmittag, ein Wochenendseminar und ein Auswertungsgespräch zu Hause, wobei auch die Wohnsituation geprüft wird. Zurzeit haben wir 150 Pflegefamilien. Fünf davon sind sogenannte Inobhutnahmefamilien, die Kinder in akuten Krisensituationen vorübergehend aufnehmen.

Wie lange bleiben die Kinder in den Pflegefamilien?

Yantdilok: Das ist unterschiedlich. Etwa ein Drittel bis die Hälfte wächst dort auf. Manche bleiben drei Monate, andere vier Jahre. Grundsätzlich ist die Rückführung in die Herkunftsfamilie das Ziel. Die leiblichen Eltern behalten in der Regel das Sorgerecht.

Wie sieht der Kontakt mit den eigenen Eltern in der Praxis aus?

Yantdilok: In sogenannten Hilfeplangesprächen sitzen alle Beteiligten etwa zweimal im Jahr an einem Tisch. Da wird die aktuelle Situation besprochen und es werden zum Beispiel Besuchsrechte geregelt.

Wie oft besuchen Ihre Mitarbeiterinnen die Pflegefamilien?

Yantdilok: Das ist individuell. Es gibt Familien, wo man bis auf das Hilfeplangespräch lediglich telefonischen Kontakt hält, weil sich alles schon eingespielt hat. Andererseits kann auch eine sehr zeitintensive Begleitung erforderlich sein.

Immer wieder kommen Fälle an die Öffentlichkeit, in denen Kinder in Pflegefamilien misshandelt oder gar getötet werden, wie die kleine Talea aus Wuppertal. Da werden auch Vorwürfe gegen die Behörden laut.

Yantdilok: Absolute Sicherheit hat man nie, egal wie oft man die Situation vor Ort überprüft. Wir sind auch darauf angewiesen, dass andere sich melden. Solche Hinweise nehmen wir sehr ernst und gehen ihnen sofort nach. Grundsätzlich wissen wir jedoch, dass Pflegeeltern sehr gute Arbeit leisten.

Was hat sich durch den Pflegekinderfachdienst geändert?

Yantdilok: Seit 1993 war dieser nur für Vorbereitungsseminare und Fortbildung der Pflegeeltern zuständig. Die Betreuung der Kinder und Pflegeeltern war Aufgabe des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD). Jetzt wurde auch diese auf den Fachdienst übertragen.

Welche Vorteile sehen Sie darin?

Yantdilok: Unsere fünf Sozialpädagoginnen mit 3,5 Stellen sind spezialisiert. Sie wissen um die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder und Hilfemöglichkeiten für die Familien. Außerdem entsteht mehr Kontinuität, wenn nur eine Mitarbeiterin von Anfang bis Ende für die Begleitung des Pflegeverhältnisses zuständig ist.