"Roman Herzog war ein Mensch, hinter dem sich alle vereinen konnten“

Heilbronn  Theo Waigel, langjähriger CSU-Parteichef und ehemaliger Bundesfinanzminister, hat sich bestürzt über den Tode von Alt-Bundespräsident Roman Herzog geäußert.

Von Hans-Jürgen Deglow

Theo Waigel war von 1989 bis 1998 Bundesminister der Finanzen und von 1988 bis 1999 CSU-Vorsitzender. Foto: dpa

Der Heilbronner Stimme sagte er: Es bleibt wesentlich mehr von ihm als die berühmte Ruck-Rede. Es bleibt eine überzeugende politische Gestalt mit sehr menschlichen und sympathischen Zügen. Roman Herzog war ein Mensch, hinter dem sich alle vereinen konnten.“ Auf Herzogs Amtszeit bezogen sagte Waigel: „Das waren wirklich gelungene, sehr gute fünf Jahre für Deutschland.“ 

Die CSU hatte damals die Kandidatur Herzogs für das Präsidentenamt unterstützt. Wunschkandidat von Helmut Kohl und der CDU war eigentlich der sächsische Politiker und Theologe Steffen Heitmann. Waigel: „Es sollte damals einem Ostdeutschen die Chance auf das Präsidentenamt gegeben werden. Aber es gab Widerstände, und CDU/CSU hatten nicht die Mehrheit in der Bundesversammlung.  Daraufhin haben Michael Glos und ich den damaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts nach Wildbad Kreuth eingeladen.

Die Öffentlichkeit und auch die CSU-Landesgruppe sahen dies schon als Signal für die Präsidentenwahl. Helmut Kohl war nicht besonders amused darüber, aber letztlich hat er das gern akzeptiert und Herzog wurde dann Kandidat von CDU und CSU. Auch die FDP hat ihn dann im dritten Wahlgang unterstützt.“ 

Der CSU-Ehrenvorsitzende fügte hinzu: „Es war die absolut richtige Entscheidung. Herzog war nicht nur ein glänzender Staatsrechtler und Verfassungsrechtler, sondern er war ein bodenständiger Mensch mit viel Humor und hatte den Mut, zu Reformen aufzurufen, und er hatte dazu immer wieder ermutigt. Es konnte sein, dass er plötzlich anrief und sagte: Packen sie doch die Steuerreform an, sie ist notwendig und richtig. 

Waigel: „Er war gerne unser Kandidat, zumal er ein gebürtiger Bayer ist. Aber wenn ein Bayer Bundespräsident werden will, muss er den Umweg über die CDU gehen. Aus der CSU heraus reicht es weder fürs Kanzleramt noch fürs Präsidentenamt.“ 

 

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