Roman Herzog in Jagsthausen beigesetzt

Region Heilbronn/Hohenlohe  In Kloster Schöntal haben sich Hunderte Gäste vom verstorbenen früheren Bundespräsidenten verabschiedet. Letzte Ruhestätte neben der Grablege der Freiherren von Berlichingen auf dem Friedhof von Jagsthausen

Von Christian Gleichauf und Iris Baars-Werner

Roman Herzog bleibt seiner späten Heimat im Tod verbunden

Trauerfeier für Roman Herzog: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, vor dem Hochaltar in der Klosterkirche St. Joseph in Schöntal.

Fotos: Andreas Veigel

Das Weihwasser in der Klosterkirche von Schöntal ist gefroren. Drinnen ist es an diesem Freitagnachmittag kälter als draußen, wo in der Hohenloher Wintersonne nach und nach die Trauergäste eintreffen. Sie wollen Abschied nehmen von ihrem Freund oder Förderer oder einfach von ihrem ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, der am 10. Januar im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Hunderte kommen.

Wie beim Staatsakt im Berliner Dom am vergangenen Dienstag hält der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, den Trauergottesdienst. Diesmal wird er allerdings noch etwas persönlicher.

"Jetzt kommt er nach Hause", sagt Bedford-Strohm. "In seine Heimat." In den vergangenen Tagen und Wochen habe er in den Gesprächen ein Gefühl dafür bekommen, dass Roman Herzog hier in einer schwierigen Phase seines Lebens eine neue Verwurzelung gefunden hat. Und: "Die Menschen hier haben ihm eine Heimat gegeben." Offen seien sie der großen Persönlichkeit begegnet.

Roman Herzog bleibt seiner späten Heimat im Tod verbunden

Gut gefüllt: Rund 300 geladene und zahlreiche weitere Trauergäste ließen sich durch die eisige Kälte in der Klosterkirche nicht davon Abhalten, Roman Herzog diesen Respekt zu erweisen.

Bedford-Strohm erinnert damit an die Zeit, als Herzog nach dem Verlust seiner ersten Ehefrau Christiane hier einen neuen Lebensabschnitt an der Seite von Alexandra Freifrau von Berlichingen beginnen durfte. Die Liebe zu ihr und zur gesamten Familie sei für ihn spürbar geworden, erklärt Bedford-Strohm. Mit Fürbitten erwidern dann vier Enkelkinder des Verstorbenen diese Liebe: Maximilian und Katharina, Kinder von Roman Herzogs Söhnen, sowie Friedrich und Antonia aus der Familie Berlichingen. Maximilian dankt dem Großvater an dieser Stelle auch für die Zuversicht, die Gelassenheit und das Wissen, das er ihm vermittelt habe.

Ein Datum mit Bedeutung

Es ist der 27. Januar. "Ein Tag, der immer mit dem Namen von Roman Herzog verbunden sein wird", unterstreicht Bedford-Strohm. Es ist der Holocaust-Gedenktag, den Herzog persönlich im Jahr 1996 als Bundespräsident einführte, nachdem er als erstes deutsches Staatsoberhaupt das Vernichtungslager Auschwitz besucht hatte. "Dass wir heute Abschied von ihm nehmen, ist ein Hinweis auf all sein Wirken für unser Land."

Roman Herzog bleibt seiner späten Heimat im Tod verbunden

Der ehemalige CSU-Chef Theo Waigel trug sich wie alle anderen in das Kondolenzbuch ein.

Dann richtet Thomas Strobl das Wort an die Trauergemeinde. Als Landesinnenminister übermittelt er den "stillen Gruß" von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Als Freund der Familie Berlichingen - Alexandra von Berlichingens Sohn Götz ist sein Partner in der gemeinsamen Heilbronner Rechtsanwaltskanzlei - zeigt er sich dankbar für die vielen Gespräche mit dem "väterlichen Freund", dessen Vorlesungen in Speyer er schon als Rechtsreferendar besucht hatte. Bei all seinem geschichtlichen Wissen sei Herzog stets der Zukunft zugewandt gewesen.

Verdienste

Strobl erinnert gerne an Herzogs Spottlust, aber auch an seine Bescheidenheit, Aufrichtigkeit, seine treffsicheren Kommentare zu nahezu jedem Thema. Herzogs Zurückhaltung rückt der langjährige Freund Professor Wolfgang Schürer in den Mittelpunkt seiner Rede. Bis 2015 war Schürer Vorsitzender der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen, und er würdigt auch dieses Verdienst: Herzog habe den "Anstoß für die Renaissance" des Nobelpreisträgerforums gegeben, als die Veranstaltung in den 90er Jahren ums Überleben kämpfte. Als erster Bundespräsident besuchte Herzog die Tagung 1995 und unterstützte sie anschließend als Ehrenpräsident weiter. Ein Engagement, für das er 2010 die Lennart-Bernadotte-Medaille erhielt. Gräfin Bettina Bernadotte, heute Präsidentin des Kuratoriums, ist ebenfalls unter den Trauergästen.

Ansonsten sind hinter den geladenen Besuchern zu einem großen Teil Jagsthausener Bürger in der Schöntaler Klosterkirche zu sehen. Auch Waltraut Feinauer, die ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem ehemaligen Staatsoberhaupt in der Nachbarschaft gemacht hat und noch heute für seine Unterstützung dankbar ist. Weitere Jagsthäuser singen unter der Leitung von Gottfried Stecker im Liederkranz und sorgen so - begleitet von Organistin Martina Fichter - für einen würdigen musikalischen Rahmen der Trauerfeier.

Götzenburg in Sichtweite

Roman Herzog bleibt seiner späten Heimat im Tod verbunden

Die Grablege der Freiherren von Berlichingen in Jagsthausen. In diesem privaten Bereich des Friedhofs befindet sich die letzte Ruhestätte von Bundespräsident Roman Herzog.

Anschließend wird Roman Herzog in Jagsthausen beigesetzt. Seine Leibwächter erweisen ihm dabei als Sargträger die letzte Ehre. Vor der abgetrennten Grablege der Freiherren von Berlichingen - das "Baroneneck" wird dieser Teil des Friedhofs im Volksmund genannt - wird sein Grab zugänglich sein für die Bevölkerung.

Diesen Ort hat sich der gebürtige Niederbayer, der an so vielen Orten in Deutschland zu Hause war, als letzte Ruhestätte gewünscht. In Sichtweite steht die Götzenburg, wo er die vergangenen 15 Jahre mit Alexandra von Berlichingen glücklich war.

Lange Liste der Trauergäste

Auf der Liste der Trauergäste in der Klosterkirche Schöntal und beim privaten Empfang in der Götzenburg Jagsthausen standen: aus der Wirtschaft die Familien der Unternehmer  Reinhold Würth, Albert Berner und Otto Rettenmaier sowie der frühere BMW-Vorstandsvorsitzende  Joachim Milberg, aus der Politik der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel, die amtierenden und ehemaligen Landesminister  Thomas Strobl, Peter Hauk und Annette Schavan,  die als Kultusministerin eine der Nachfolgerinnen von Roman Herzog in diesem Amt war. „Durch dieses Amt sind wir in Kontakt gekommen und blieben in Fragen der Bildungspolitik auch lange verbunden“, sagte Schavan.

Roman Herzog bleibt seiner späten Heimat im Tod verbunden

Weithin sichtbar: Trauerbeflaggung auf der Götzenburg.

Auch  Theo Waigel  ist gekommen, der ehemalige Bundesfinanzminister und CSU-Vorsitzende, der Roman Herzog einst den Weg zum Bundespräsidentenamt geebnet hatte. „Helmut Kohl hatte ihn ja politisch entdeckt, aber von der Idee, ihn für das Bundespräsidentenamt vorzuschlagen, war Kohl nicht begeistert“, erinnerte sich Waigel. Als er Herzog gemeinsam mit der Landesgruppe zur CSU-Klausur nach Kreuth eingeladen habe, sei das ein eindeutiges Signal gewesen. Er und Herzog blieben bis zuletzt in Kontakt. Vor zwei oder drei Jahren habe er auch eine Aufführung der Burgfestspiele besuchen wollen, doch dann habe Roman Herzog am Morgen angerufen und gesagt: „Bleib daheim, hier regnet es wie aus Kübeln.“ Nachgeholt habe er den Theaterbesuch bis heute nicht.

Je zwei Kinder hatten Alexandra von Berlichingen und Roman Herzog, die beide verwitwet waren, aus ihren ersten Ehen. Sie und insgesamt   neun Enkelkinder  waren bei den Trauerfeiern am Dienstag im Berliner Dom und am Freitag in der Klosterkirche Schöntal dabei: Die beiden Söhne des verstorben Alt-Bundespräsidenten,  Dr. Markus Herzog , Physiker und Patentanwalt, und der Münchner TU-Professor  Hans-Georg Herzog , beide mit ihren Frauen und den Kindern Maximilian und Constanze sowie Katharina.

Alexandra Freifrau von Berlichingens älteste Tochter,  Diana Prinzessin zu Fürstenberg, war mit ihren Kindern Clarissa, Friedrich und Alina aus Zürich gekommen. Herzogs Stiefsohn, der Rechtsanwalt  Götz Freiherr von Berlichingen , lebt mit seiner Frau Birgit und den drei Töchtern Maxima, Antonia und Cosima in Rossach. Die Enkel Maximilian Herzog und Friedrich Prinz zu Fürstenberg hatten schon bei der Trauerfeier vor dem Staatsakt in Berlin die Bibellesungen übernommen.  

 

 

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