Region steht zu Stuttgart 21

Heibronn - Verbände und viele Politiker aus der Region unterstützen das Großprojekt der Bahn Stuttgart 21. Kritik kommt vom Verkehrsclub Deutschland und den Grünen im Heilbronner Gemeinderat.

Von Manfred Stockburger



Stuttgart 21 bewegt die Region Heilbronn. Am Wochenende haben Gegner des Bahnprojekts auch aus Heilbronn ihre Kräfte mobilisiert und vor dem Hauptbahnhof der Landeshauptstadt demonstriert. Zur Montagsdemo am Abend werden Tausende erwartet. Teilnehmer berichten, warum sie in der Form Stellung beziehen.

Wortführer

Wortführer der Kritiker in der Region ist Michael Schwager aus Erlenbach, der im Landesvorstand des Verkehrsclubs Deutschland VCD sitzt. „Das ganze Projekt wird immer offensichtlicher von einer kleinen Clique von Profiteuren betrieben, die sich mit den Immobilien in Stuttgarts Mitte eine goldenen Nase verdienen wollen“, sagt er.

Die Verantwortlichen für das Projekt seien offensichtlich keine Bahnfahrer und hätten keinerlei Ahnung von Verkehrsplanung.

Keine Argumente

Während Stuttgart zunehmend nervös wirkt, haben die Proteste Politik und Institutionen in der Region zumindest noch nicht auf ihre Seite bekommen. „Es gibt keine neuen Argumente“, sagt der Heilbronner Landrat Detlef Piepenburg kurz und knapp – er koordiniert das Thema Bahn beim Pakt Zukunft. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass Stuttgart 21 ein Projekt ist, das den Landkreis voranbringt.“

Klaus Mandel vom Regionalverband verweist auf eine Resolution, die von der Verbandsversammlung 2006 verabschiedet worden ist – auch damals hatte es heftige Diskussionen gegeben. „Die Region befürwortet und unterstützt Stuttgart 21“, heißt es darin, und: „Für die Region ist die Realisierung unbedingt erforderlich.“

Keine Alternative

Geschäftsführer Armin Behringer erklärt, dass die IHK zu Stuttgart 21 keine Alternative sehe. „In unserer Region wissen wir doch aus leidvoller Erfahrung, was es heißt, nicht optimal an Schiene und Straße angebunden zu sein.“ Er betont zudem die Bedeutung einer verbesserten Anbindung an den Flughafen.

Der Heilbronner SPD-Chef Rainer Hinderer spricht sich ebenfalls für Stuttgart 21 aus – weil es ein Verkehrsprojekt sei, das weit in die Zukunft reiche. „Solche Großprojekte stoßen vor ihrer Realisierung häufig auf Widerstand“, sagt er. „Allerdings wurde das Vorhaben immer mit satten Mehrheiten auf allen Ebenen beschlossen und ist somit demokratisch legitimiert.“ Hinderer erinnert daran, dass die SPD in der Region mit ihrer Zustimmung die Aufgabe des Vorhabens „Regionalflugplatz“ vorangetrieben habe. Abgesehen davon seien die Verträge unterzeichnet. „Wer Regierungsverantwortung im Land übernehmen will, muss sich dieser Tatsache stellen.“

Heilbronn 21

„Selbstverständlich stehen wir zu Stuttgart 21“, sagt CDU-Mann Alexander Thom. Die Region werde erheblich profitieren. Die Kosten, so Throm, seien nur zu rechtfertigen, weil das Projekt das ganze Land betreffe.

„Stuttgart 21 ist auch Heilbronn 21“, formuliert Michael Link für die FDP. Die „abenteuerlichen“ Proteste erinnerten ihn an die Atom- und Nachrüstungsdebatten. „Wir sehen mit Sorge, was da läuft.“

Milliardengrab

Allein Susanne Bay von den Heilbronner Grünen schert aus der Reihe der Befürworter aus: „Ich bin kein Gegner von sinnvollen neuen Projekten. Aber das wird ein Milliardengrab.“ Sie befürchtet, dass wegen der hohen Kosten Verbesserungen im regionalen Bahnverkehr „auf Jahrzehnte gestorben sind“.


Kommentar hinzufügen