Radfahrer dürfen auf viele kurze und ein paar schnelle Verbindungen hoffen

Region  Der Landkreis Heilbronn will sein Radwegenetz ausbauen und setzt dabei auch auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Von Christian Gleichauf

Auf dem Rad liegen Hoffnungen. Es ist klimafreundlich, gesundheitsfördernd, platzsparend. Mehr Menschen als bisher sollen dazu bewegt werden, im Alltag häufiger das Rad zu benutzen. Dazu soll das Radwegenetz ausgebaut und optimiert werden. Im Landkreis Heilbronn sind die Menschen nun aufgerufen, Schwachstellen zu melden und Verbesserungsvorschläge zu machen. Da dürfte einiges zusammenkommen.

Es geht zum einen um die Fortschreibung des Radwegenetzkonzepts von 2003, zum anderen aber auch um einen grundlegend neuen Ansatz. "Wir betrachten das gesamte Thema Radmobilität", sagt Birgit Böhm-Lemcke, die Sachgebietsleiterin Nahverkehr im Landratsamt Heilbronn. Wo sind Abstellplätze, wo Verknüpfungen zum ÖPNV?

Isolierte Stern-Inseln

Das Radwegenetzkonzept sah 2003 noch eine klare Trennung zwischen touristisch genutzten Radwegen und dem Alltagsnetz vor. "Das Alltagsnetz sah nur vor, Orte mit ihren Ortsteilen zu verbinden", erklärt Nicole Rost, zuständig für die Radmobilität im Landkreis Heilbronn. Resultat waren wenige durchgängige Verbindungen und viele sternförmige Inseln. Verbindungen von Ortsteil zu Ortsteil oder von Kommunen untereinander spielten zu jener Zeit kaum eine Rolle, wie ein Blick auf den bisherigen Plan zeigt. "Die interkommunale Vernetzung rückt jetzt in den Fokus", sagt Birgit Böhm-Lemcke.

Seit Juli hat das Büro Radverkehr-Konzept (RV-K) aus Frankfurt nun den Auftrag, die Konzeption neu aufzusetzen. 100 000 bis 150 000 Euro sind dafür veranschlagt, bei 50-prozentiger Förderung. Aktuell sind bereits Radverkehrsplaner mit dem Fahrrad im Landkreis unterwegs, um Gefahrenstellen und Netzlücken im aktuellen Bestand zu dokumentieren. Bis Ende Oktober werden aber auch Vorschläge und Hinweise von Bürgern gesammelt, anschließend mit Kommunen besprochen. In einem Jahr sollen die Ergebnisse präsentiert werden, mit klaren Handlungsempfehlungen.

Von vielen Faktoren abhängig

Viele Beteiligte, viele Unwägbarkeiten - das war in der Vergangenheit das größte Hindernis. Die Konzeption wird nun zwar zentral erarbeitet, an der Umsetzung sind dann aber viele Stellen beteiligt. Manches hängt also weiterhin von der Kooperationsbereitschaft der angrenzenden Kreise und Kommunen ab. Manches kommt ohnehin erst infrage, wenn Straßen neben den geplanten Radwegen ausgebaut werden. Doch die Rahmenbedingungen haben sich geändert, sagt Birgit Böhm-Lemcke. "Die Richtung wurde von der Landesregierung mit der Radstrategie klar vorgegeben." In den letzten fünf Jahren habe sich auch schon unglaublich viel verändert. "Und jetzt kommt noch das E-Bike."

Manches könnte sogar schnell umzusetzen sein. Etwa dort, wo bestehende Feldwege schon jetzt als Radwege genutzt werden. Dort braucht es wohl nur eine Markierung im Plan und ein paar Schilder - Sache des Landratsamts. Nicole Rost rechnet damit, dass beim Thema Beschilderung einiges auf sie zukommt. "Jedes einzelne Schild muss auch im Geo-Informations-System vermerkt werden."

Sicher ans Ziel

Neben zahlreichen kleinen Ergänzungen und Verbindungen werden die geplanten Rad-Schnellwege eine zentrale Rolle im neuen Konzept spielen. Die Radschnellverbindung Bad Wimpfen-Heilbronn, die das Land bauen wird, soll angebunden werden an schnelle Wege im Norden, Süden, Osten und Westen. Der Antrag für eine Machbarkeitsstudie für diese Schnellverbindungen ist bereits gestellt, gemeinsam mit den Städten Heilbronn und Neckarsulm. Denn erklärtes Ziel ist, mehr Menschen für den Weg zur Arbeit auf das Fahrrad steigen zu lassen. Sie sollen komfortabel, zügig und vor allem sicher ans Ziel kommen.

Radweg-Vorschläge melden

Unter www.radverkehr-landkreis-heilbronn.de gibt es seit dieser Woche bis Ende Oktober für Jedermann die Möglichkeit, Vorschläge, Gefahrenstellen oder fehlende Verbindungen zu melden.

 

 

Rückblick

Der Verwaltungsausschuss des Kreistags hat im Juni 2016 beschlossen, die Radwegenetzkonzeption des Landkreises aus dem Jahr 2003 fortzuschreiben. In Vorarbeit zum Gutachten, das nun durch das Büro Radverkehr-Konzept (RV-K) erstellt wird, hat das Landratsamt im Juli 2016 die Landkreisgemeinden befragt. Das Ergebnis: Von den 2003 vorgestellten Maßnahmen wurden 34 Prozent umgesetzt. Kosten, Zuständigkeitskonflikte und Schwierigkeiten bei Grundstücksverhandlungen wurden als Gründe genannt, warum Maßnahmen nicht umgesetzt wurden.