Protest gegen NSU-Verwechslung

Region - "Gehörst du auch zu der Untergrund-Bewegung?" Solche Sprüche müssen sich die Freunde der alten Neckarsulmer Automarke NSU immer öfter anhören. Sie wollen aber nicht länger hinnehmen, dass ihr Kürzel für nationalsozialistischen Terror steht.

Von unserem Redakteur Christian Gleichauf

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Mit Protest und Schild gegen die Verwechslungsgefahr

Ein 1200 TT aus Kärnten mit NSU-Nummernschild: Im Nachbarland nimmt man den Rummel um das Kürzel etwas lockerer als hierzulande.

Foto: Christian Gleichauf

Region - In München geht der NSU-Prozess weiter. Der sogenannte NSU-Prozess, bei dem es doch gar nicht um die NSU geht, sondern um den Nationalsozialistischen Untergrund. Der gar nicht abgekürzt werden sollte, wie die Anhänger der altehrwürdigen Neckarsulmer Auto- und Motorradmarke immer wieder betonen.

Vergangene Woche hat der NSU-Prinz-Club Schwaben in Böblingen protestiert, dass "ihr" Markenname mit Rechtsterrorismus in Verbindung gebracht wird. Auch beim Treffen der NSU-Fahrergemeinschaft Neckartal am Wochenende bezogen die Oldtimerfreunde klar Stellung. Doch der böse Geist wird wohl nicht so schnell wieder in der Flasche verschwinden.

Bedeutung

"Gehörst du auch zu der Untergrund-Bewegung?" Solche Fragen hat sich Trudbert Kohl in letzter Zeit öfters anhören müssen, wenn er mit seiner schwarzen Schildmütze mit dem aufgestickten "NSU" unterwegs war. Meistens sei es wohl ironisch gemeint, räumt der 65-Jährige aus Meckesheim ein. "Aber es steckt auch was dahinter."

Andere NSU-Freunde beim Treffen in Untereisesheim haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Karlheinz Reinold aus Obersulm etwa. Verstohlene Blicke bemerkt er regelmäßig, wenn er mit seiner "NSU forever"-Mütze einkaufen geht. Absetzen kommt für ihn nicht infrage. "Das interessiert mich nicht, da lass ich mich nicht davon abbringen."

Gerne wären Reinold und manche Vereinsfreunde vergangene Woche zu der Kundgebung nach Böblingen gefahren. Und gerne hätte er es auch gesehen, wenn sich die Stadt Neckarsulm und der NSU-Nachfolger Audi sofort nach den ersten Berichten vehement gegen den Missbrauch des Kürzels gewehrt hätten.

Dauerthema

Im Neckarsulmer Rathaus kennt man die Kritik. Seitdem wieder täglich über Ausschuss und Prozess berichtet wird, störten sich die Bürger zunehmend daran, weiß Oberbürgermeister Joachim Scholz. "Wenn jemand einen guten Tipp hätte, wie wir uns wehren können, dann bin ich dafür offen. Aber bisher kam noch nichts."

Keine Handhabe Audi äußert sich nicht zu den Anwürfen. Rein rechtlich haben nämlich weder die Stadt Neckarsulm, von der die Abkürzung stammt, noch der Ingolstädter Autobauer als Rechtsnachfolger der NSU Motorenwerke etwas in der Hand, um eine Verwendung der drei Buchstaben für die Terrorzelle zu verhindern. Und überhaupt: Wem sollte man Konsequenzen androhen?

Hinweisschild für Touristen

Aus Sicht der NSU-Kürzelverteidiger bleibt wenig. Karlheinz Reinold wäre sofort dabei, wenn es wieder eine Kundgebung gegen den Kürzel-Missbrauch gibt. "Man muss darauf aufmerksam machen." Das findet auch Neckarsulms OB Joachim Scholz und plädiert für ein touristisches Hinweisschild an der Autobahn für das Deutsche Zweirad- und NSU-Museum. "Das könnte auch dazu beitragen, dass sich die Menschen mit dem Thema auseinandersetzen."


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