Protest gegen Motorradfahrer auf B39 organisiert sich

Löwenstein - Einige Löwensteiner Anwohner entlang der B39 haben genug. Sie wollen dröhnende Motorräder und Raser nicht länger ertragen. Jetzt besiegelten einige mit ihrer Unterschrift die Gründung einer Bürgerinitiative.

Von Gustav Döttling


Löwenstein - Auf der B 39 in Löwenstein-Hirrweiler rauschen die Motorräder mit unterschiedlicher Lautstärke und Geschwindigkeit an der Weinstube „s‘Häfele“ vorbei. Drinnen kocht der Volkszorn. „Fühlen Sie sich auch genervt? Wir wollen die Sperrung der B 39 für Motorräder an Wochenenden fordern“, steht auf dem Flugblatt, mit dem Andrea Waldbüßer, Wirt Hans Häfele und Reinhard Pfeifer aus Hirrweiler zum Info-Abend am Donnerstag eingeladen haben (wir berichteten). Gekommen sind rund 70 Bürger aus Löwenstein, Wüstenrot und Untergruppenbach-Vorhof. 52 Besucher gründen die „Bürgerinitiative B 39“.

Internet mitschuldig

„Ihr wisst, wir haben hier ein Riesenproblem mit Motorrädern und wollen, dass die Strecke gesperrt wird. Dazu brauchen wir Eure Unterstützung“, sagt Häfele, der sich über die große Resonanz freut. „Wir sind ja nicht grundsätzlich gegen Motorradfahrer, es gibt solche und solche“, ergänzt Andrea Waldbüßer. Eine Ursache für das große Verkehrsaufkommen sieht sie im Internet. Dort würden Motorradfahrer sich gegenseitig Strecken empfehlen und regelrecht zu Rennen einladen.

„Eine Sperrung zu erreichen, ist schwierig. Das wird ein langer Prozess, da brauchen wir Fakten“, regt Waldbüßer an, Unterschriften in den betroffenen Kommunen zu sammeln, Unfallstatistiken auszuwerten, Verkehrszählungen, Fotoaktionen und Lärmpegelmessungen zu starten. „Bei einer Sperrung der B 39 gilt es zu bedenken, dass die Nebenstrecken dann stärker belastet würden“, sagt Wüstenrots Bürgermeister Heinz Nägele. Er werde bald ein Gespräch mit dem Leiter der Polizeidirektion Heilbronn, Roland Eisele, führen und wolle die Problematik konstruktiv angehen.

„Polizeikontrollen bringen nicht viel“, ist jedoch die vorherrschende Meinung im Saal. „Wir haben Angst, sobald das Wetter sonntags schön ist“, fürchtet sich Swen Holst aus Hirrweiler vor Rasern auf zwei Rädern. „Die Platte sperren, dann wären mindestens 50 Prozent weg“, schlägt ein Besucher unter Beifall vor. „Dann zieht die Karawane halt weiter“, ist Waldbüßer skeptisch.

Tempolimit

„Sonntags grundsätzlich die Geschwindigkeit zwischen Löwenstein und Mainhardt auf 30 Stundenkilometer begrenzen“, lautet ein anderer Vorschlag. „Zehn Prozent halten sich nicht an die Regeln, 90 Prozent sollen büßen, die meisten gehören zur Generation 50 plus und sind sich der Verantwortung bewusst“, sagt Eberhard Hermann, Verleger und Motorradjournalist aus Schwäbisch Hall.

„Am liebsten wäre mir ein Sonntagsfahrverbot“, sagt Karin Bodnow aus Vorhof. Sie plädiert für Kontrollen von Auspuffanlagen und eine Geschwindigkeitsüberwachung mit Radar. „Ob wir eine Sperrung erreichen, liegt letzten Endes an den Motorradfahrern“, wollen Andrea Waldbüßer und ihrer Mitstreiter zunächst an die Vernunft der Biker appellieren.