Mädchen-Gewaltexzess: Täterinnen filmten Übergriff mit Handy

Bad Friedrichshall  Nach dem Gewaltexzess von vier Mädchen an einer 14-Jährigen im Bad Friedrichshaller Kocherwald kommen immer mehr Details ans Tageslicht.

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz

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Nach dem Gewaltexzess von vier Mädchen an einer 14-Jährigen im Bad Friedrichshaller Kocherwald kommen immer mehr Details ans Tageslicht. Offenbar wurde der Übergriff von mindestens einer Täterin mit dem Handy gefilmt. "Wir haben Videomaterial gesichert", sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Bettina Jörg.

Auslöser

Wie berichtet, trafen am Sonntagabend gegen 19.30 Uhr zufällig eine Gruppe aus vier Mädchen und die 14-Jährige, die in Begleitung von zwei Freundinnen war, am Jagstfelder Bahnhof aufeinander. Auslöser der Eskalation war wohl ein Lachen der 14-Jährigen, das die Rädelsführerin der Mädchengruppe falsch verstand. In etwa acht bis zehn Minuten Fußweg Entfernung im nahe gelegenen Kocherwald (siehe Karte) richteten die Mädchen ihr Opfer grausam zu, schlugen und traten es, drückten eine Zigarette auf der Haut aus.

"Was uns alle schockiert", sagt Staatsanwältin Jörg, ist, dass sich auch die beiden Freundinnen des Opfers, beide 13 Jahre alt, an den Schlägen beteiligt haben sollen. Darum ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen sechs junge Täterinnen. Die beiden mutmaßlichen Haupttäterinnen sind 14 Jahre alt und in Untersuchungshaft. Die Anklagebehörde gibt an, dass eine von ihnen serbisch-montenegrinischer Nationalität ist, die andere hat die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft. Beide sollen durch Gewaltdelikte polizeibekannt sein.

Ob die jungen Täterinnen eine Gang oder Bande bildeten, ist der Staatsanwaltschaft nicht bekannt. Bettina Jörg: "Die Ermittlungen dauern noch an. In welcher Beziehung die Mädchen zueinander stehen, kann noch nicht gesagt werden." Völlig unerklärlich ist auch der Polizei, wie es dazu kommen konnte, dass sich sogar die Freundinnen an den Schlägen beteiligten. "Ob das Gruppendynamik war, ich weiß es nicht", erklärt Polizeisprecherin Yvonne Schmierer. Drogen und Alkohol sollen in dem Fall keine Rolle gespielt haben.

Entsetzen

Selbst erfahrene Ermittler wundern sich über das Ausmaß der Grausamkeit. "Ich habe mit Kollegen gesprochen, die mit Jugendkriminalität zu tun haben, aber einen Fall von Mädchen mit dieser Brutalität haben sie noch nie erlebt", berichtet Yvonne Schmierer, die die Leiden der 14-Jährige als Martyrium bezeichnet. Die Polizeikollegen im Präsidium seien entsetzt über das, was passiert ist. Das Opfer hatte sich mehrfach entschuldigt, händigte aus Angst seine Habseligkeit aus. Vergeblich. Eine der Täterinnen schlug auf die am Boden knieende 14-Jährige mit einem Stock ein, bis dieser brach.

 

Erklärungsversuche

Der Diplom-Psychologe und Anti-Gewalt-Trainer beim Heilbronner Verein Jedermann, Hans Schmidt-Finkbeiner (62), sagt über den Bad Friedrichshaller Fall: "Normalerweise kennen wir körperliche Gewalt diesen Ausmaßes eher bei Jungen und Männern, doch kommt sie ebenso bei Mädchen vor, wenn auch selten." Möglicher Grund für die Gewalt: "Man zeigt ein Bild nach außen, das nicht mit dem inneren übereinstimmt, um das auszugleichen, wendet man Gewalt an."

Dass selbst die Freundinnen des Opfers geschlagen haben sollen, erklärt er sich mit Gruppendynamik. "Kann sein, dass da eine Rädelsführerin ist, die sagt, was gemacht wird, wer nicht mitzieht, muss selbst mit Repressalien rechnen." mut


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