Läpple will 450 Stellen abbauen (30.04.2008)

Dem Heilbronner Autozulieferer Läpple AG stehen erneut kritische Monate bevor. Die Geschäftsführung informierte am Mittwoch in Abteilungsversammlungen die Beschäftigten über weitere Streichungspläne. Demnach sollen bis zu 450 Stellen beim Familienunternehmen wegfallen oder ausgelagert werden

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Dem Heilbronner Autozulieferer Läpple AG stehen erneut kritische Monate bevor. Die Geschäftsführung informierte am Mittwoch in Abteilungsversammlungen die Beschäftigten über weitere Streichungspläne. Demnach sollen bis zu 450 Stellen beim Familienunternehmen wegfallen oder ausgelagert werden, berichtet Vorstandssprecher Wolf-Peter Graeser. Mit dem Betriebsrat sollen so rasch wie möglich Verhandlungen aufgenommen werden.

Erst 2006 waren im Heilbronner Stammwerk des  Autozulieferers 160 Arbeitsplätze in der Werkzeugbau-Sparte abgebaut worden. Derzeit zählt der Standort 1450 Beschäftigte. In nahezu allen Bereichen soll gestrichen werden, sehen die Pläne des Vorstands vor. Ausgenommen sind lediglich die Lehrwerkstatt, der Anlagenbau und das noch zu Heilbronn zählende Werk Züttlingen. „Wir werden die Ausbildung auf dem bisherigen Niveau weiterführen“, kündigt Graeser an. Eine Übernahmegarantie gebe es aber nicht.

Markt verschlechtert

Zwei Hauptgründe gebe es für die erneuten Abbaupläne, erläutert der Vorstand. Zum einen habe sich die Marktsituation im Werkzeugbau für Läpple weiter verschlechtert – sie sei jetzt noch dramatischer, als bei der jüngsten Streichungswelle Gutachter vorausgesagt hatten. „Keiner hatte damit gerechnet, dass sich der Preisverfall derart drastisch fortsetzt“, sagt Graeser. Nun müsse weiter eingespart werden, um die Sparte lebensfähig zu halten. „Die umgesetzten Maßnahmen hatten nur dazu geführt, dass der Zeitpunkt für massive Streichungen nach hinten geschoben wurde.“ Zumal sich die Konkurrenz im Ostblock, der Türkei und in Fernost rascher und besser entwickelt habe als geahnt.

Daneben werde das Unternehmen seine beiden ältesten Pressenstraßen stilllegen. „Die wurden Ende der 50er Jahre schon gebraucht gekauft“, berichtet der Vorstand. „Inzwischen gibt es dafür nicht einmal mehr Ersatzteile.“ Die bislang dort hergestellten Bleche werden künftig im Werk Teublitz bei Regensburg gefertigt. Dadurch fallen etwa 60 Arbeitsplätze weg.

Zumindest in groben Zügen hat der Vorstand schon die weiteren Maßnahmen geplant: Etwa 100 Stellen sollen ausgelagert werden – dies betrifft die Abteilungen Instandhaltung und Logistik. Mehr als 100 Beschäftigten würden Arbeitsplätze in anderen Läpple-Werken angeboten.

Gutachten

Ohnehin hätte am Stammsitz längst umstrukturiert werden müssen, bemängelt Betriebsratsvorsitzender Valentin Luschenz. „Das mittlere Management hat jahrelang geschlafen“, sagt er. Dadurch sei der Standort erst in diese gefährliche Lage geraten. „Die Weichen hätten zwischen 1992 und 1995 gestellt werden müssen.“

Nun werde der Betriebsrat zunächst einmal ein Gutachten des gewerkschaftsnahen Info-Instituts über die wirtschaftliche Lage des Stammwerks einholen. Erst wenn dies vorliege, sei das Gremium zu Verhandlungen mit der Geschäftsführung bereit, betont Luschenz.