Läpple ist führungslos (13.06.2008)

Der Streit um die künftige Ausrichtung des kriselnden Autozulieferers Läpple schwelte schon lange. Bei einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag ist die Auseinandersetzung eskaliert: „Einvernehmlich“ und „mit sofortiger Wirkung“ haben sich das Unternehmen und sein Vorstandschef Wolf-Peter Graeser getrennt

Von Manfred Stockburger

Beim Betriebsfest im Jahr 2006 zogen noch alle an einem Strang. Jetzt muss Läpple ohne Chef Wolf-Peter Graeser ( im roten Shirt) auskommen.Foto: Archiv/Sattar
Heilbronn - Der Streit um die künftige Ausrichtung des kriselnden Autozulieferers Läpple schwelte schon lange. Bei einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag ist die Auseinandersetzung eskaliert: „Einvernehmlich“ und „mit sofortiger Wirkung“ haben sich das Unternehmen und sein Vorstandschef Wolf-Peter Graeser getrennt. „Es gab unterschiedliche Auffassungen über die künftige Geschäftspolitik“, erklärte Läpple-Sprecherin Carmen Stangl der Heilbronner Stimme. „Man hat die Unterschiede nicht mehr auf einen Nenner gebracht.“

Mit dem plötzlichen Abschied Graesers stürzt der angeschlagene Werkzeugbauer noch tiefer in die Krise. Schließlich steckt das Traditionsunternehmen mitten in einem schwierigen Restrukturierungsprozess: Wie berichtet sollen 450 der derzeit 1450 Beschäftigten des Heilbronner Stammwerks entlassen werden. „Vorstand und Aufsichtsrat sind sich einig, dass die eingeleiteten Sanierungmaßnahmen unverändert fortgesetzt werden“, gibt Carmen Stangl zu Protokoll. „Da wird sich nichts dran ändern.“ Ein Nachfolger für Graeser ist indes nicht in Sicht: Vorläufig übernimmt Finanzvorstand Ralf Herkenhoff die Aufgaben des Vorstandschefs zusätzlich.

Knappe Fakten

Ex-Chef Wolf-Peter Graeser ist am Freitag zu keiner Stellungnahme bereit – auch das Unternehmen äußert sich über die knappe Mitteilung hinaus nicht zu den Hintergründen. Betriebsratschef Valentin Luschenz ist dienstlich im Ausland und möchte nichts zur Sache sagen, bevor er weitere Informationen hat.

Für Jürgen Ergenzinger, den Zweiten Bevollmächtigten der Neckarsulmer IG Metall, ist die Nachricht dagegen „eine ziemliche Katastrophe“. Es sei „nicht absehbar“, welche Auswirkungen Graesers Abgang in der kritischen Situation des Unternehmens habe. „Wir haben ihn als harten, interessenorientierten Verhandler kennengelernt“, sagt der Gewerkschafter. „Aber er war verlässlich. Deswegen bedauern wir seinen Abschied sehr.“

Graeser war im Sommer 2004 als erstem familienfremden Manager die Führung der 1919 gegründeten Firma übertragen worden. Er übernahm den Chefsessel von Helmut Läpple, der damals im Alter von 88 Jahren vom Vorstand in den Aufsichtsrat wechselte.

Im Zusammenhang mit dem angekündigten Personalabbau hatten Belegschaftsvertreter in den vergangenen Wochen immer wieder kritisiert, dass in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig in die Zukunft des Unternehmens investiert worden sei.