Kreiselkunst muss weichen

Region  Region - Zwölf Kreisverkehre im Landkreis Heilbronn müssen aus Sicherheitsgründen umgebaut werden. Vor Ort stößt dies auf heftige Kritik.

Von unserem Redakteur Reto Bosch

Kreiselkunst muss weichen

Den Kreisverkehr in Erlenbach ziert ein Kunstwerk aus Metall. Eine schützende Böschung gibt es nicht.

Fotos: Reto Bosch

Region - Der universelle Mensch aus Stahlrohren, Metallplastiken, historisches Mauerwerk: Einige Kommunen haben bei der Gestaltung ihrer Kreisverkehre viel Kreativität bewiesen. Das scheint sich jetzt zu rächen. Das Land fordert, bei einem Dutzend Kreisel im Unterland Hindernisse zu beseitigen. So manches Kunstwerk muss also weichen. Vor Ort stößt dies auf heftige Kritik. Die Stadt Heilbronn ist nicht betroffen.

Erst vor wenigen Tagen flatterte den betroffenen Bürgermeistern eine Information mit erheblichem Konfliktpotenzial auf den Schreibtisch: Sie müssen Kreisverkehre umbauen. "Betroffen sind zwölf Anlagen", erklärt auf Anfrage Landkreis-Pressesprecher Hubert Waldenberger:

Kreiselkunst muss weichen

Eine Böschung soll in Flein verhindern, dass Auto- oder Motorradfahrer auf das Kunstwerk prallen.

In Bad Friedrichshall Richtung Amorbach, in Hardthausen an der Kreisstraße 2130, das Stilling-Kunstwerk in Leingarten, in den Fleiner Gänsäckern, der Bosch-Kreisel in Abstatt, in Erlenbach an der Abzweigung Richtung Binswangen, in Brackenheim die Anlagen in Botenheim und Meimsheim, in Bad Wimpfen an der Landesstraße 530, in Eppingen-Elsenz, in Bad Rappenau-Grombach und in Neckarsulm Richtung Erlenbach.

"Ich verstehe das Ganze nicht", sagt zum Beispiel Leingartens Bürgermeister Ralf Steinbrenner. Bei einem ambitionierten Bildhauer-Symposium hatten namhafte Künstler Werke für verschiedene Kreisel geschaffen. Der "Universelle Mensch" von Gunther Stilling soll nun abgebaut werden. "Dabei hatten wir im Vorfeld ein Dekra-Gutachten machen lassen."

 

Kreiselkunst muss weichen

Neckarsulm hält den Kreisel am Ortsausgang Richtung Erlenbach für sicher. Ein Sachverständiger sieht das anders.

Nach Ansicht von Ralf Steinbrenner ist zu differenzieren zwischen Bereichen, wo mit höherer Geschwindigkeit gefahren werden darf, und Abschnitten wie in Leingarten, wo Tempo 50 gilt. Die Gemeinde habe in Sachen Sicherheit alles getan, was möglich ist. Der Bürgermeister verweist beispielsweise auf eine Böschung, die einen Aufprall auf das Kunstwerk verhindern soll.

Hubert Waldenberger betont, dass der Landkreis als untere Verwaltungsbehörde in dieser Sache keinen Ermessensspielraum habe und die ministeriellen Vorgaben umsetzen müsse. Insgesamt seien im Landkreis Heilbronn 90 Kreisverkehre untersucht worden. Zuständig dafür: In den meisten Fällen die Verkehrsschaukommissionen in Zusammenarbeit mit der Polizei.

"Für insgesamt 13 Kreisel wurde ein externer Auditor hinzugezogen, der über eine entsprechende Zusatzausbildung verfügt," erklärt Waldenberger. Die offiziellen Bescheide würden Mitte Januar an die Kommunen versendet.