Kein Schulanfang für die Kinder der Gemeinde Gottes (14.09.09)

Neuenstadt - Das „Schulhaus“ der Gemeinde Gottes in Neuenstadt-Stein war am Morgen des ersten Schultags verwaist. Vor den Ferien hatte das Regierungspräsidium in Stuttgart den Weiterbetrieb der „Schule“ untersagt. Daran hielt sich die strenggläubige Gemeinde. Unterdessen prüft das Regierungspräsidium einen erneuten Antrag auf Anerkennung als private Grund- und Hauptschule.

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Neuenstadt - Am ersten Schultag ist die Schule der Gemeinde Gottes in Neuenstadt-Stein verwaist. Die Lehrkräfte sind zwar da, halten sich aber an das Unterrichtsverbot, das das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) vor den Ferien ausgesprochen hat. Die Eltern ignorieren unterdessen die Schulpflicht ihrer Kinder, auch in benachbarten öffentlichen Schulen zeigt sich keiner der etwa 25 Gemeinde-Gottes-Schüler.

„Bis Mittwoch, spätestens bis Ende der Woche ist klar, wohin die Reise geht“, sagt Wolfgang Seibold. Der leitende Schulamtsdirektor von Heilbronn steht am Montag vor dem Gemeindehaus im Gewerbegebiet Mäurach und beobachtet die Lage.Im RP heißt dagegen gestern die Devise: „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“ bei Überprüfung des Antrags.

Zweiter Versuch

Das ist der Stand der Dinge: Die Gemeinde Gottes hat einen erneuten Antrag auf Genehmigung einer privaten Grund- und Hauptschule gestellt. Für das Verbot des Unterrichtsbetrieb hatte dies jedoch keine aufschiebende Wirkung. In ihrem Antrag versuche die Gemeinde, die Forderungen des RP zu erfüllen, berichtet Seibold.

So liegen in Stuttgart Vertragsentwürfe für drei Lehrer vor, für einen vierten laufen Verhandlungen. Denn eine Privatschule ohne ausgebildete Lehrkräfte wird nicht erlaubt. Die Medien hätten die Probleme der Gemeinde bekannt gemacht, und über eine Zeitungsanzeige seien die Strenggläubigen fündig geworden. Drei Ruhestandslehrer und eine Junglehrerin, die gerade ihr Referendariat zu Ende gebracht habe, stellten sich zur Verfügung. Vier Lehrer für 25 Kinder seien eine gute Versorgung, sie müssten für etwa 60 Prozent des Unterrichts einstehen. So seien Teilzeitaufträge möglich.

Bisher waren die Lehrkräfte in der Gemeinde-Gottes-Schule nicht ausgebildet und sie bekamen kein Gehalt. Ihre Bezahlung muss aber sicher gestellt sein. Wolfgang Seibold geht davon aus, dass die Besoldung jetzt geklärt ist. Woher das Geld kommt, weiß er nicht: „Da kann man nicht ins Detail gehen von unserer Seite.“

Für den naturwissenschaftlichen Unterricht habe die Gemeinde Gottes einen ehemaligen Berufsschullehrer gewonnen. Die Fachräume, auch das war eine Forderung der Genehmigungsbehörde gewesen, könnten in Öhringen in der Bekenntnisschule der Baptisten genutzt werden. Für Sportunterricht signalisierten die Kommunen Offenheit, sagt Seibold. Wenn der Belegungsplan ihrer Schulen feststehe, könnte die Gemeinde Gottes Hallenkapazität beanspruchen.

Bleibt der Frontalunterricht und die mangelnde Befähigung zu selbstständigem Lernen, beides hatte das RP kritisiert. Mit der Einstellung von Lehrern sieht Seibold das Problem gelöst: „Wenn ein Träger alle Voraussetzungen erfüllt, hat er einen Anspruch, eine Privatschule zu eröffnen.“

Die Schilderung ehemaliger Schüler, sie seien mit Stock und Lederriemen gezüchtigt worden, lässt Seibold im Raum stehen. „Das sind Vorfälle, die der Einrichtung möglicherweise leid tun. Ihr daraus heute einen Strick zu drehen, halte ich für vermessen.“

Privatschule

Jede Privatschule durchläuft ein Genehmigungsverfahren. Zunächst ist sie drei Jahre genehmigt. Dann wird sie überprüft und anerkannt – oder auch nicht staatlich anerkannt. Die Anerkennung bedeutet, dass sie selbst Prüfungen abnehmen und Zeugnisse ausgeben darf. Unabhängig davon bekommen Privatschulen nach den drei Jahren einen staatlichen Zuschuss. Für Gymnasiasten gibt es 80 Prozent der Kosten – zurzeit 4000 Euro pro Kopf und Jahr. Bei Haupt- und Grundschülern – wie etwa der Gemeinde Gottes – übernimmt der Steuerzahler 3250 Euro der Kosten pro Kind und Jahr.





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