Kartoffeln stoppeln – was ist erlaubt?

Region Heilbronn - Wer dieser Tage auf Feldwegen spazieren geht, kommt immer wieder an bereits abgeernteten Äckern vorbei, auf denen aber noch Kartoffeln herumliegen. Die Verlockung ist groß, davon welche mitzunehmen.

Von Adrian Hoffmann



Region Heilbronn - Wer dieser Tage auf Feldwegen spazieren geht, kommt immer wieder an bereits abgeernteten Äckern vorbei, auf denen aber noch zahlreiche Kartoffeln herumliegen. Die Verlockung ist groß, davon welche für den Privatgebrauch mitzunehmen. Aber wie ist das eigentlich: Darf man das?

Ackerfriedensbruch

Die Ansage im Landwirtschaftsamt im Heilbronner Landratsamt ist klar. „Kartoffeln stoppeln“, wie die Mitnahme von herumliegenden Kartoffeln umgangssprachlich genannt wird, ist nicht erlaubt. Jedenfalls dann nicht, wenn der zuständige Landwirt nicht sein „Okay“ gegeben hat.

Der Spaziergänger habe kein Betretungsrecht von Ackerflächen, sagte Landratsamtssprecher Hubert Waldenberger. „Nur weil da kein Zaun drum herum ist, heißt das nicht, dass ich mich bedienen kann.“ Wenn man so will, würde es sich um „Ackerfriedensbruch“ handeln.

Warum dem Anschein nach so viele Kartoffeln auf den Feldern liegen bleiben, kann laut Waldenberger drei Gründe haben.

  • Erstens: Die Erntemaschine sei nicht optimal eingestellt.

  • Zweitens: Der Boden ist zu trocken, weshalb die Kartoffeln für die Erntemaschine nicht so gut greifbar seien.

  • Drittens: Der zuständige Landwirt verfüge nicht über hochmoderne Maschinen, sondern nur über einen Schleuderpflug – die Kartoffeln werden hinterher aufgelesen. Es könne natürlich auch sein, dass ein Landwirt seine Ernte noch nicht ganz beendet habe und die Kartoffeln erst Tage später auflese.

Vorher fragen

Im Landratsamt ist man der Meinung: Wer unbedingt Kartoffeln „stoppeln“ will, sollte am besten vorher direkt beim Landwirt nachfragen. So sehen das auch manche Leser der Heilbronner-Stimme-Facebookgruppe. „Die meisten Bauern haben nichts dagegen, wenn man die Kartoffeln aufsammelt – aber nur die, die lose auf dem Feld liegen“, schreibt einer.

Ein anderer dagegen: „Die Bauern mögen das gar nicht. Wenn die Kartoffeln aufgesammelt werden, werden weniger verkauft. Außerdem werden die Kartoffeln ja reingezackert – das ist organisches Material und dient als Dünger.“ Zumindest ohne den Bauern vorher zu fragen, so der User weiter, gehe Aufsammeln gar nicht.

Viele Meinungen

Annemarie Steng vom Bauerngarten Rotenberg in Lauffen hat ein entspanntes Verhältnis zu Stopplern. „Wir haben da wirklich nichts dagegen. Ich wüsste auch nicht, wer sich darüber aufregen würde“, sagt sie. Auf den abgeernteten Feldern fänden sich oftmals grüne Kartoffeln, die nicht der Norm entsprechen, beschädigte oder sehr kleine Kartoffeln.

Sie selbst sehe nur selten Leute beim Kartoffel stoppeln. Es gibt nur eine Sache, die geht aus Sicht von Annemarie Steng nicht: Wenn Leute Kartoffeln mitnehmen, bevor der Landwirt das Feld abgeerntet hat. „Da werden wir dann schon grantig“, sagt sie. Ebenfalls bei Nüssen und Trauben. „Jeder Nussbaum hat seinen Herren“, so Steng.

Ein anderer Landwirt aus der Region ist wiederum komplett anderer Meinung. „Das ist eine Untugend“, sagt er. Bei Kraut und Zwiebeln sei das auch oft ein Problem. Es sei einfach ein finanzieller Schaden, und am besten schreddert man als Landwirt gleich den Ernte-Ausschuss – damit ihn niemand wegsammeln kann. Wer auf dem Feld sammle, sei schließlich kein Kunde. „Ich bin da radikal“, sagt der Mann – das ist auch der Grund dafür, warum er namentlich nicht genannt werden will.