Jede Sekunde zählt

DRK-Ortsgruppen informieren bei Aktionstag über Erste Hilfe

Von Kirsten Weimar

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Jede Sekunde zählt
Sharie Garrecht lernt im Bärenhospital beim Jugendrotkreuz spielerisch, wie Erste Hilfe funktioniert.Foto: Kirsten Weimar

Untergruppenbach - Auf dem Lidl-Parkplatz in Untergruppenbach ist ein großes Sanitätszelt aufgebaut. Drinnen liegen mehrere Dummys: ein Baby, ein Junge und ein Erwachsener. Über einer dieser Puppen kniet der DRK-Ersthelferausbilder Peter Sept. Er drückt mit übereinandergelegten Händen rhythmisch auf den Brustkorb und erklärt: "Immer 30 Mal drücken, dann zwei Mal beatmen. 30.2 − diese Formel ist ganz einfach und gilt seit knapp drei Jahren für alle Personen." Erstaunt hört beim DRK-Aktionstag "Erste Hilfe" so mancher der vielen Besucher, dass bei der Reanimation seit 2010 nicht mehr zwischen Altersgruppen unterschieden wird.

Verwirrend

"Das war vorher so verwirrend für die Leute: Wie oft darf bei wem gedrückt werden? Und vor lauter Unsicherheit haben sie dann gar nichts gemacht. Das ist das Allerschlimmste, denn bei der Ersthilfe vor Ort zählt jede Sekunde fürs Überleben", erklärt Sept. Beim Baby drückt der Ersthelfer sanfter mit zwei Fingern nur ein bis zwei Zentimeter tief, beim Erwachsenen fünf bis sechs Zentimeter.

Viele Fragen müssen die rund 30 Aktiven der drei DRK-Ortsverbände aus Heinriet-Gruppenbach, Abstatt und Ilsfeld beantworten. Sie zeigen, wie unsicher auch Führerscheinbesitzer sind. Untergruppenbachs Bürgermeister Joachim Weller, der mit seinem Sohn Lukas aufmerksam zuhört, findet, "dass die Politik hier etwas verschlafen hat". Mindestens alle fünf Jahre müssten Erste-Hilfe-Kurse bei Autofahrern verbindlich nachgeschult werden. Der Bürgermeister kennt sich gut aus. Er wollte eigentlich mal Medizin studieren, hat von 1989 bis 1991 Ersthelfer-Schulungen bei der Bundeswehr gemacht.

Doch auch er nimmt noch eine wichtige Information mit. René Rossow vom DRK Abstatt zeigt an einer Mega-Code-Trainerpuppe, wie einfach ein Defibrillator gegen Herzkammerflimmern eingesetzt werden kann. Solche Geräte hängen in Untergruppenbach in der Gemeindehalle, im Sommer im Freibad und im Winter im Rathaus. Das Gerät gibt per Computeransage genaue Anweisungen. "Merken müssen Sie sich nur, dass der Oberkörper ohne Haare und trocken sein muss, sonst funktionieren die Elektroden nicht. Darum liegt meist ein Einmalrasierer dabei", erklärt Rossow. Weller hakt nach: "Einmalrasierer, sind die denn bei uns dabei?" Das will er prüfen.

Notruf

Michael Garrecht aus Winzerhausen will eigentlich nach Heilbronn zum Einkaufen. Seine Tochter Sharie (7) sieht vom Zubringer die vielen Krankenwagen und ist neugierig geworden. Jetzt sitzt sie im Bärenhospital des Jugendrotkreuzes und untersucht mit Stethoskop einen menschengroßen Teddy, der gerade auf einer Trage rein gerollt worden ist.

"Wir wollen, dass die Kinder spielerisch lernen, wie sie richtig einen Notruf absetzen. Dass sie das überhaupt tun und die 112 wählen", erklärt Bernd Hirrle vom Ortsverein Ilsfeld, der auch Kreisjugendleiter ist. Sharie beendet ihre Untersuchung und nimmt noch eine Notrufhand zum Ausmalen mit. Auf jedem Finger steht ein Tipp: "Wo, wie viele, welche und warten, bis die Sanitäter da sind." Das Mädchen strahlt: "Jetzt weiß ich genau, was ich machen muss. Das ist richtig klasse hier."