Heilbronn hat weniger Einwohner als angenommen

Region - In Deutschland wohnen weniger Einwohner als angenommen. Das ergab der Zensus 2011, den das Statistische Landesamt am Freitag vorstellte. Demnach hat die Stadt Heilbronn im Vergleich zum Landkreis und zum Hohenlohekreis einen hohen Bevölkerungsverlust zu verkraften.

Von unserer Redaktion

Zensus

Region - In Deutschland wohnen weniger Einwohner als angenommen. Das ergab der Zensus 2011, den das Statistische Landesamt am Freitag vorstellte.

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Stadt Heilbronn: 7.500 Einwohner weniger

Demnach hatte die Stadt Heilbronn zum Stichtag 9. Mai 2011 116.059 Einwohner, fortgeschrieben zum 31. Dezember 2011 beläuft sich die amtliche Einwohnerzahl auf 116.716 Einwohner. Dies sind 7500 bzw. sechs Prozent weniger als in der bisherigen Bevölkerungsfortschreibung zum 31. Dezember 2011 auf Basis der Volkszählung 1987.

„Dies ist für Heilbronn ein Rückschlag, der in dieser Größenordnung nicht zu erwarten war. Wir liegen damit im Vergleich zu anderen Stadtkreisen in Baden-Württemberg im oberen Drittel der Korrekturen. Detaillierte Ergebnisse werden uns erst in vier Wochen mit dem Bescheid des Statistischen Landesamtes vorliegen. Ob wir dann Widerspruch einlegen, wird die genaue Analyse der Unterlagen zeigen“, erklärt Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach.

Den Einwohnerzahlen kommt nach Erläuterung von Bernd Berggötz, Leiter der Stabsstelle Strategie im Rathaus, auch deshalb eine besondere Bedeutung zu, da sie in über 50 Rechtsvorschriften genutzt werden. Eine zentrale Rolle haben die amtlichen Einwohnerzahlen sowohl beim Länderfinanzausgleich als auch beim kommunalen Finanzausgleich.

Um die finanziellen Auswirkungen der Zensusergebnisse für die Kommunen abzufedern, werden sowohl die bisherige Einwohnerzahl-Fortschreibung als auch die neuen Zensusergebnisse im Zeitraum 2013 bis 2016 anteilig angewendet. Die neuen Einwohnerzahlen werden erst im Jahr 2016 zu 100 Prozent im kommunalen Finanzausgleich berücksichtigt.

Wenn die Zahlen so bestätigt würden, hätte das im Rahmen des Finanzausgleichs negative Auswirkungen auf den städtischen Haushalt in Höhe von bis zu 1300 Euro weniger pro Einwohner.

 

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Landkreis Heilbronn: Lücke geschlossen

Der Landkreis Heilbronn zählte laut Zensus am 9. Mai 2011 rund 322800 Einwohner. Das sind rund zwei Prozent weniger als die Landkreisverwaltung in ihren Planungen angenommen hatte. „Mit dieser Abweichung sind wir zufrieden“, sagte Pressesprecher Manfred Körner auf Anfrage.

Das Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre habe dafür gesorgt, dass ein Teil dieser rechnerischen Lücke schon wieder geschlossen wurde. Körner beziffert diesen Zuwachs auf 1500 Personen. Welche finanziellen Auswirkungen das Zenus-Ergebnis für den Landkreis und seine Kommune hat, steht noch nicht fest. „Das müssen wir noch berechnen.“

Für Neckarsulm ergibt der Zensus 25445 Einwohner. In ihren Etatplanungen war die Stadt für den Stichtag 30. Juni 2011 von 26532 Bürgern ausgegangen.

Für Eppingen ergab der Zensus 20.755 statt 21.342, für Bad Rappenau 20.017 statt 20.495 Einwohner.

 

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Hohenlohekreis: Verlust deutlich unter Landesschnitt

Hohenlohekreis: auf Basis Zensus 2011: 107.200 Einwohner zum 31.12.2011 – auf Basis Volkszählung 1987: 108.832 – Das heißt: 1632 Einwohner oder 1,5 Prozent weniger Einwohner und damit deutlich unter dem Landesschnitt von 2,5 Prozent.

Erster Landesbeamter Hans-Günter Lang: „Dass überrascht uns überhaupt nicht, das haben wir so erwartet.“ Anhand der neuen Zahlen werde der Finanzausgleich ab 2014 stufenweise neu berechnet: 2014 zu 50 Prozent, 2015 zu 75 Prozent und ab 2016 zu 100 Prozent. „Für unsere Gemeinden könnte das bedeuten, dass sie ein bisschen weniger Zuweisungen bekommen.“ Allerdings gehe der Bevölkerungsstand insgesamt zurück, so dass womöglich gar keine Nachteile zu erwarten seien.

Inwiefern die Wahlkreise der Kreistagswahl von diesem Schwund betroffen sind, ist noch unklar: „Es könnte schon sein, dass der eine oder andere Wahlkreis weniger Sitze bekommt.“ Die nächste Kreistagswahl ist 2014. Die Ergebnisse des Zensus würden in den nächsten Tagen detailliert ausgewertet. Dann könne man noch mehr sagen.

Öhringen: auf Basis Zensus 2011: 22.476 Einwohner zum 31.12.2011 – auf Basis Volkszählung 1987: 22.875 – Das heißt: 399 Einwohner oder 1,7 Prozent weniger Einwohner und damit ebenfalls unter dem Landesschnitt von 2,5 Prozent.

Franz Stransky, Leiter des Einwohnermeldeamts: „Ich gehe nicht davon aus, dass dies für uns große Nachteile in der Finanzförderung bringt.“ Man müsse die Proportionalität beachten, das heißt: In ganz Baden-Württemberg gebe es weniger Einwohner. Und damit in den meisten Städten und Gemeinden.

„Deutschland macht einen Rucker, und es betrifft alle gleich.“ Auch an der Zahl der Gemeinderatssitze oder der Bezahlung des OB und anderer Bediensteter werde dies nichts ändern. „Dazu ist die Abweichung zu gering.“

Künzelsau: auf Basis Zensus 2011: 14.530 Einwohner zum 31.12.2011 – auf Basis Volkszählung 1987: 14.829 – Das heißt: 299 Einwohner oder 2 Prozent weniger Einwohner und damit ebenfalls unter dem Landesschnitt von 2,5 Prozent.

Günter Voit, Leiter des Bürgeramts: „Auf die Bezahlung des Bürgermeisters oder die Zahl der Gemeinderatssitzung hat dies null Auswirkungen, höchstens auf den Finanzausgleich.“ Genaues dazu könne man aber erst sagen, wenn alle Daten vollständig ausgewertet und in Bezug zur Gesamtlage im Land gesetzt worden seien.  

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Südwesten: Vergleichsweise hohe Einwohnerverluste

In Baden-Württemberg wohnen 10,48 Millionen Personen, wie das Statistische Landesamt in Stuttgart mitteilte. Dies seien knapp 274.000 oder 2,5 Prozent Männer und Frauen weniger als bislang offiziell ausgewiesen. Neben den Stadtstaaten Berlin und Hamburg habe der Südwesten im Vergleich mit den anderen Bundesländern vergleichsweise hohe Einwohnerverluste zu verkraften.

Nach Angaben des Landesamtes ergeben sich die Abweichungen von den bislang angenommenen Zahlen vor allem deshalb, weil sich Einwohner bei Umzügen nicht zuverlässig an- oder abgemeldet haben. 77 Prozent der baden-württembergischen Gemeinden haben weniger Einwohner als bislang angenommen - 23 Prozent haben mehr Einwohner. Bei den Universitätsstädten und Stadtkreisen sind die Korrekturen besonders stark.

Die deutlichste Veränderung gibt es in Mannheim. Dort leben 23.473 Menschen weniger als bislang vermutet.

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Deutschland: 80,2 Millionen Einwohner

In der Bundesrepublik Deutschland leben aktuell rund 80,2 Millionen Menschen. Bislang waren die Statistiker von einer Einwohnerzahl von 81,8 Millionen ausgegangen. Die Einwohner wurden zuletzt 1987 in der damaligen Bundesrepublik und 1981 in der DDR gezählt. Auf der Grundlage der damaligen Ergebnisse wurden die Daten bislang fortgeschrieben und im Laufe der Zeit immer ungenauer.

Die Ergebnisse vom Zensus 2011 sind bundesweit frei zugänglich und stehen kostenlos in einer Online-Datenbank unter www.zensus2011.de zur Verfügung. red/bor/rei/dpa