Stadtbahn Nord nimmt weitere Hürde

Region Heilbronn - Die Stadtbahn Nord gibt Gas. Am Montag wurde die Finanzierung von über 4,5 Millionen Euro teuren Planungen gesichert. Die Landräte Detlef Piepenburg (Heilbronn) und Dr. Achim Brötel (Neckar-Odenwald-Kreis) sowie die Rathauschefs der Anliegerkommunen unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung. Piepenburg erklärte, dass das Projekt voll im Zeitplan liegt. 2012 sollen die ersten Stadtbahn-Züge von Heilbronn nach Mosbach fahren

Von Reto Bosch

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467 - Allee Heilbronn Die Allee gleicht heute einer Stadtautobahn. 2012 wird die Stadtbahn auf den nördlichen Abschnitt einbiegen. In zwei Jahren beginnt wohl der Umbau.


Region Heilbronn - Die Stadtbahn Nord gibt Gas. Am Montag wurde die Finanzierung von über 4,5 Millionen Euro teuren Planungen gesichert. Die Landräte Detlef Piepenburg (Heilbronn) und Dr. Achim Brötel (Neckar-Odenwald-Kreis) sowie die Rathauschefs der Anliegerkommunen unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung. Piepenburg erklärte, dass das Projekt voll im Zeitplan liegt. 2012 sollen die ersten Stadtbahn-Züge von Heilbronn nach Mosbach fahren. Auch mit Blick auf die Finanzen hatte Piepenburg gute Nachrichten in den Neckarsulmer Ratssaal mitgebracht: „Die Vorentwurfsplanung zeigt, dass die geschätzten Kosten nicht überschritten werden.“

Noch wird einige Zeit vergehen, bis die Baufirmen anrücken können. Die Vorentwurfsplanung ist im Landkreis Heilbronn zwar abgeschlossen. Doch nun geht es an die detaillierte Entwurfs- und Genehmigungsplanung von Strecke und Haltepunkten. „Auch wir arbeiten mit Hochdruck an den Planungen“, sagte Christian Britzke, Sprecher der Stadt Heilbronn gestern auf Nachfrage. Die innerstädtische Strecke ist rund drei Kilometer lang. Nach derzeitigen Erkenntnissen schlägt diese mit rund 60 Millionen Euro zu Buche. Laut Schätzung kostet die Stadtbahn im Bereich des Landkreises insgesamt 71 Millionen Euro.

Die Planungen der vergangenen Monate haben einige Änderungen gebracht.

  • Neckarsulm: Der Haltepunkt „Kaufland“ in Neckarsulm wird künftig von der Stadt Heilbronn weiter geplant. Das hängt mit dem Verzicht auf den Haltepunkt „Läpple“ und mit der Verlegung der Station Kaufland“ ins Heilbronner Stadtgebiet zusammen.

  • Bad Wimpfen: Die Kurstadt Bad Wimpfen erhält neben den bereits vorgesehenen Bahnhöfen noch den Haltepunkt „Bad Wimpfen – im Tal“.

  • Bad Rappenau:  Einen zusätzlichen Haltepunkt bekommt auch Bad Rappenau. Die Stadtbahn soll an der Station „Kurpark“ halten.


Der Landkreis rechnet mit reinen Baukosten von 57 Millionen Euro auf seinem Gebiet. Während diePlanung von Kreis und Kommunen komplett finanziert werden muss, steigen beim Bau Bund und Land mit in den Zug. Piepenburg hofft, das 80 Prozent mit Geld aus dem Topf des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) zu decken sind. Einige Beispiele für nötige Baumaßnahmen nannte Karsten Erhardt von der Deutschen Bahn: 16 Haltepunkte sind zu sanieren oder neu zu bauen, zwischen Heilbronn und Neckarsulm sind zwei neue Gleise zu verlegen, die Brücke in Bad Wimpfen muss stadtbahntauglich gemacht werden.

Die Strecke führt von Heilbronn über Neckarsulm, Bad Friedrichshall, Bad Wimpfen, Bad Rappenau, Offenau und Gundelsheim in den Neckar-Odenwald-Kreis. Der Anteil der einzelnen Kommunen an den Planungskosten ist zum einen abhängig von den konkreten Projekten auf ihrer Gemarkung. Zum anderen werden systembedingte Kosten umgelegt. Landrat Piepenburg ist sicher, dass sich die Ausgaben lohnen: „Die Stadtbahn wird auch im nördlichen Bereich zur optimalen Erschließung und zur Attraktivitätssteigerung beitragen.“



Bis 1958 blieb die Grundstruktur der 1850 angelegten Allee erhalten. Dann wurden die Straßenbahn-Gleise entfernt und der Grünstreifen beschnitten.













Kommentar: Positive Signale
Von Carsten Friese

Wenn Heilbronn beim Nachwuchs landesweit als Primus dasteht, ist das eine frohe Botschaft. Das befürchtete Absinken der Bevölkerungszahl ist nicht eingetreten. Für die Sozialsysteme ist eine Balance zwischen Jung und Alt wichtig. Auch hier ist kein Punkt erreicht, an dem die Alarmglocken laut schrillen.

Ausländische Paare sind die Hauptverantwortlichen für vergleichsweise hohe Kinderzahlen. Wenn das geringe Bildungsniveau vieler ausländischer Familien aber den Hintergrund der Spitzenstellung bildet, zeigt das, wie wichtig eine bessere Förderung im Bereich Schule ist. Junge Ausländer sind frustriert, wenn sie als Haupt- oder Sonderschüler wenig Chancen auf eine Lehrstelle haben. Die heimische Wirtschaft aber braucht gut ausgebildete Fachkräfte mehr denn je. Integration ist ein zweiseitiges System, das die Eltern in die Pflicht nimmt. Dies versucht die Integrationsbeauftragte mit einem Projekt an Schulen und Kindergärten zu vermitteln. Es ist der richtige Weg.

Der leichte Anstieg der Kinderzahl bei deutschen Frauen lässt zudem hoffen. Die Wertschätzung für Kinder „hat zugenommen“, glaubt Frauenklinik-Chef Professor Reinhard Hackenberg. Elterngeld, kostenlose Kiga-Plätze und kinderfreundliche Projekte in der Stadt zählt er auf. Bei der Möglichkeit, Kinder und Beruf zu vereinbaren, sieht er jedoch „große Defizite“.