Jede dritte Straßenlaterne ist veraltet

Region Heilbronn/Hohenlohe - Die Landesregierung unterstützt die Modernisierung der Straßenbeleuchtung von Städten und Gemeinden mit einer Million Euro. Die Förderkriterien bestrafen allerdings kleine Kommunen und diejenigen, die schon viel zur Erneuerung ihrer Straßenbeleuchtung getan haben. Doch auch ohne Hilfsmittel zahlen sich stromsparende Straßenleuchten für die Kommunen aus. Ein Blick auf die Region.

Von Andreas Tschürtz

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Region Heilbronn/Hohenlohe - Nur wenige Handgriffe und die alte Glühbirne ist gegen eine moderne Energiesparlampe ausgetauscht. Was sich daheim im Handumdrehen erledigt, ist für viele Kommunen eine Herkulesaufgabe, schließlich müssen sie in den kommenden Jahren Zehntausende Straßenleuchten modernisieren (siehe unten "Hintergrund"). Obwohl sie damit langfristig viel Geld sparen, scheuen viele die zum Teil hohen Investitionen. So zeigt sich auch in der Region ein höchst unterschiedliches Bild.
 
Beispiel Ellhofen
 
373 stromfressende HQL-Lampen (Quecksilber-Dampflampen) möchte die Gemeinde durch moderne, sogenannte Plug-in Leuchtmittel ersetzen. Bei gleicher Lichtausbeute wie eine 125 Watt HQL-Lampe braucht eine Plug-in nur 75 Watt. „Wir gehen davon aus, dass wir pro Jahr 83.000 Kilowattstunden durch die Umstellung einsparen können“, sagt Hauptamtsleiter Steffen Saur.

Noch mal fünf Watt weniger bräuchte eine moderne T-8. Dafür wäre die Umrüstung deutlich teurer. Ein Vorschaltgerät wäre nötig (rund 28 Euro). Und bei alten Laternen empfiehlt sich dann ohnehin die Auswechslung des kompletten Lampenkopfes (mehrere hundert Euro). „Für unsere Verhältnisse bleiben die Investitionen so überschaubar“, sagt Saur. In nicht einmal einem Jahr könnten sich die Ausgaben von 6.000 Euro für Leuchtmittel und 2400 Euro für den Arbeitsaufwand des Bauhofs bei kalkulierten 9500 Euro Einsparungen amortisieren.

Förderkriterien lassen viele leer ausgehen
 
Noch steht der Beschluss des Bauausschusses vom Januar allerdings unter dem Vorbehalt der endgültigen Prüfung der Fördermöglichkeiten durch das Land. Das unterstützt seit Mitte Januar Kommunen, die ihre Straßenlaternen umrüsten mit insgesamt einer Million Euro. Einen 25-Prozent-Zuschuss gibt es „aus verfahrensökonomischen Gründen“ aber nur für Investitionen ab 10 000 Euro. „Darunter lohnt sich der Aufwand weder für die L-Bank, die das Finanzielle abwickelt, noch für die Kea, die die Anträge bewertet“, sagt Karl Franz, Sprecher im Umweltministerium Stuttgart. Kleine Orte wie Ellhofen, gehen so leicht leer aus.

Beispiel Öhringen
 
Doch auch größere wie Öhringen haben nichts von der Förderung des Landes. Denn die Kriterien sehen vor, dass nur Sanierungen mit hohem Einsparpotenzial bezuschusst werden. „Da wir kontinuierlich an der Sanierung der Straßenbeleuchtung gearbeitet haben, wurden solche Maßnahmen bereits umgesetzt“, sagt Stadtbauamtsleiter Frank Hildebrand. Bei einem jährlichen Stromverbrauch von 1,3 Millionen Kilowattstunden (KWh) sieht die Stadt ein verbliebenes Einsparpotential von 70.000 KWh.

Für EnBW-Kommunalberater Steffen Pfisterer gehören die Hohenloher damit zu den „vorbildlichen“ Kommunen in der Region. Ebenso wie Obersulm („Die haben fast schon überall die T-8 eingesetzt“), Neckarsulm und Weinsberg. „Die Stadt hat das Straßenlaternenetz wie bei Google Earth grafisch erfasst. Per Knopfdruck können für jede einzelne Leuchte technische Informationen abgerufen werden.“

Gemeinden wie Löwenstein und Offenau müssen sich wegen der Fristen für veraltetet Leuchtmittel ebenfalls keine Sorgen machen. Sie lassen ihr Straßenlaternennetz durch die EnBW betreiben, die sich routinemäßig um die Modernisierung der Leuchmittel kümmert.

Beispiele Heilbronn und Eppingen
 
Während Öhringen nur noch 20 Prozent seiner 4.000 Straßenleuchten mit HQL-Lampen betreibt, sind es im Oberzentrum Heilbronn noch zwei Drittel. Allerdings ist das für Karl-Heinz Frenzel, den stellvertretenden Leiter des Amts für Straßenwesen, kein Zeichen von Untätigkeit sondern eine Frage von Größe und Zweckmäßigkeit: „Wir investieren rund 200.000 Euro im Jahr. Seit 2005 hat die Zeag, die für uns das Straßenbeleuchtungsnetz betreibt, so 1.400 der 16.000 Lichtpunkte ausgetauscht.“
 
Durch die Maßnahmen spare man 35.000 Euro im Jahr. Wieso man dann nicht noch mehr investiere? „Wenn ich alte Lampen umtausche, habe ich mehr Licht auf der Straße, aber nicht unbedingt eine Stromersparnis.“ Dennoch werde man beim Land einen Förderantrag stellen. „Aber eine Million Euro für ganz Baden-Württemberg lässt erwarten, dass für die einzelnen Teilnehmer nicht viel übrig bleibt.“

Wie man auch ohne Leuchtmittelaustausch Strom spart, zeigt die große Kreisstadt Eppingen. Sie spart mehr als 15 Prozent Strom durch Reduzierung der Spannung im Straßenlaternen-Netz: so ziehen dieselben Lampen weniger Strom – sie leuchten allerdings auch etwas weniger hell.
 
Fazit
 
Insgesamt stelle sich die Situation in der Region somit höchst unterschiedlich dar, sagt EnBW-Berater Steffen Pfisterer. „Viele unternehmen jetzt noch gar nichts, um später in einem Zug umzurüsten.“ Und noch immer gäbe es Gemeinden, „die wissen nicht einmal, wie viele Laternen sie haben“.
 
Hintergrund: 50 Millionen Euro jährliches Einsparpotenzial
 
Jede dritte Straßenlaterne im Südwesten gilt als veraltet. Nicht die Leuchtmittelart ist entscheidend, sondern die Lichtausbeute (Lumen pro Watt). Weil sie vorgeschriebene Standards nicht einhalten, werden verboten: T-12-Leuchtstoffröhren ab 2012, ebenso Natriumdampflampen in Standardausführung sowie T-8-Leuchtstoffröhren in Standardausführung ab 2010. Das Stuttgarter Umweltministerium schätzt das Einsparpotenzial bei Straßenbeleuchtungen auf 300 Millionen Kilowattstunden im Jahr (50 Millionen Euro) und auf 200.000 Tonnen CO. Antragsfrist für die Landesfördermittel in Höhe von insgesamt einer Million Euro ist der 30.4.2009. Noch gibt es keinen Ansturm auf das Förderprogramm. Bis Ende letzter Woche sind erst zwei Anträge auf Mittel aus dem Fördertopf gestellt worden.

 


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