Große Defizite bei Bahnhöfen in der Region

Region  Kein gutes Zeugnis bekommen etliche Bahnhöfe in der Region Heilbronn. Dies teilte die Bundesregierung jetzt auf Anfrage der Grünen mit. Vor allem auf der Frankenbahn gibt es Nachholbedarf bei Barrierefreiheit und Wetterschutz.

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Trauriges Schlusslicht der Erhebung ist die Station Bad Friedrichshall-Jagstfeld. Foto: Alexander Klug

Die Stationen entlang der Frankenbahnstrecke, die durchs Neckar- und Jagsttal führt, erreichen laut einer Erhebung nur zwei Drittel der möglichen Punkte. Der Hauptbahnhhof Bad Friedrichshall-Jagstfeld erreichte gerade mal 16 von möglichen 100 Punkten, der Heilbronner Hauptbahnhof kam auf 60.

Bahnhöfe sind für die Fahrgäste Zugangspunkte zum System Eisenbahn und wichtige Verknüpfungspunkte mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln. „Nur durch vollständige Barrierefreiheit sowie einen guten technischen Zustand können die Stationen diesen Funktionen gerecht werden“, erklärt die Heilbronner Landtagsabgeordnete der Grünen, Susanne Bay. Hiervon seien zahlreiche Bahnhöfe an den Bahnstrecken um Heilbronn jedoch weit entfernt. So würden einige Verkehrsstationen nicht die nötige Barrierefreiheit aufweisen „und verwehren mobilitätseingeschränkten Reisenden die Nutzung“. Andere Bahnhöfe sein aufgrund baulicher Mängel wenig einladend.

Aus diesen Gründen hatte sich der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung gewandt. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Defizite 

Die Auswertung der Kleinen Anfrage legt mehrere Defizite offen. Barrierefreiheit und Wetterschutz scheinen dabei besonders auf der Frankenbahn ein Problem zu sein. Die Stationen entlang dieser Strecke erreichen nur knapp zwei Drittel der möglichen Punkte. Der Hauptbahnhof in Heilbronn erreicht ebenso wie der in Lauffen gerade einmal 60, Neckarsulm und Möckmühl gar nur 40 Prozent. Zumeist sind die Bahnsteige zu niedrig, um ein höhengleiches Ein- und Aussteigen zu ermöglichen. Einige Bahnsteige weisen noch nicht einmal die vorgeschriebene Mindesthöhe von 38 Zentimetern auf. Der Heilbronner Hauptbahnhof soll allerdings bis Ende 2018 umgebaut werden und auch für Möckmühl hat die Deutsche Bahn eine Sanierung zugesagt. Trauriges Schlusslicht ist mit nur 16 Prozent die Station Bad Friedrichshall-Jagstfeld. 

Bad Friedrichshalls Bürgermeister Timo Frey weist der Stimme gegenüber darauf hin, dass sich die Situation am  Bahnhof in Bad Friedrichshall-Jagstfeld stark verbessert hat. Die Bewertung aus dem Jahr 2014 treffe heute nicht mehr zu. So seien die Bahnsteige umgebaut worden, zudem gebe es inzwischen Aufzüge. „Wir sind in Jagstfeld  auf einem guten Weg.“  

Bei den Kriterien Barrierefreiheit und Wetterschutz besteht entlang der Frankenbahn rund um Heilbronn also noch der ein oder andere Nachholbedarf. Entlang der Elsenztalbahn sieht es insgesamt bereits heute verhältnismäßig gut aus. Aber auch hier gibt es Ausreißer nach unten: So werden in Bad Rappenau gerade einmal 40 von 100 möglichen Punkten erzielt. Im Jahr 2008 stand dieser Bahnhof mit 50 Punkten noch etwas besser da. 

Beim Heilbronner Hauptbahnhof hapert es bei der Verlässlichkeit der technischen Anlagen. Foto: Chris Petersen

Auch der technische Zustand der Bahnhöfe ist zum Teil deutlich mangelhaft. So erreichen die Bahnhöfe in Möckmühl und in Siglingen auf einer Schulnoten-Skala gerade einmal die Noten 5,2 und 5,0. Am Heilbronner Hauptbahnhof (4,2) und an der Station Heilbronn Sülmertor (4,5) hapert es gewaltig mit der Verlässlichkeit der technischen Anlagen. Alle Stationen entlang der Frankenbahn erreichen zusammen die Durchschnittsnote 4,1. Positiv sticht lediglich Bad Friedrichshall-Kochendorf mit einer sehr guten 1,1 heraus. 

Der Blick auf die Elsenztalbahn ergibt eine Durchschnittsnote von 2,1. Davon weichen die beiden Stationen Bad Wimpfen-Hohenstadt (4,9) und Babstadt (4,8) deutlich ab. Im Vergleich mit dem Jahr 2008 gab es sowohl in Heilbronn Sülmertor als auch in Bad Wimpfen Verschlechterungen um über eine Note. Der Bahnhof in der Stauferstadt ist seitens der Deutschen Bahn zur Sanierung vorgesehen.

Beim optischen Zustand wurden alle Haltepunkte in der Region mit guten Werten benotet.

Den Zustand an den Verkehrsstationen in und um Heilbronn hält der Abgeordnete Matthias Gastel insgesamt für nicht zufriedenstellend: „Die Entwicklung der Qualitätskennzahlen zeigt bislang an wenigen Stationen merkliche Verbesserungen, insbesondere an den neu in das S-Bahn-Netz aufgenommenen Stationen. Zugleich fallen an zahlreichen Bahnhöfen Verschlechterungen auf. Besonders negativ findet Gastel die deutliche Konzentration der Mängel auf einzelnen Bahnstrecken – so die mangelnde Barrierefreiheit sowie unzureichende Ausrüstung mit Wetterschutzeinrichtungen auf der Frankenbahn.

Die Attraktivität der Eisenbahn leidet erheblich unter dem Zustand der Stationen. „Nicht nur mit Blick auf Menschen mit Handicap, sondern auch auf unsere zunehmend alternde Gesellschaft müssen wir uns darum bemühen, die Stationen schneller und konsequenter zu attraktiven Visitenkarten des Bahn-Systems zu machen“, begrüßt Susanne Bay, MdL aus Heilbronn, den Einsatz ihres Bundestags-Kollegen für einen technisch und optisch einwandfreien Zustand der Bahnhöfe: „Allen Reisenden muss der selbstständige Zugang zum Zug möglich sein“. „Mit qualitativen hochwertigen Stationen lassen sich zusätzliche Fahrgäste für die Schiene gewinnen“, ist Gastel überzeugt. red/kra/bor

 

Ausgewertet wurden die Bahnhöfe folgender Bahnstrecken:

  • Frankenbahn zwischen Bietigheim-Bissingen und Gaubüttelbrunn

  • Neckarttalbahn zwischen Bad-Friedrichshall und Heidelberg

  • Madonnenlandbahn

  • Elsenztalbahn

  • Schwarzbachtalbahn

  • Kraichgau-Strombergbahn

  • Bahnstrecken zwischen Schwäbisch Hall und Heilbronn

  • Bahnstrecke zwischen Mosbach und Osterburken

Anmerkung: Über die Stationen der Kraichgaubahn zwischen Heilbronn und Bretten liegen keine Daten vor. 

 

Detailergebnisse (pdf-Download)

 

PDF-Datei: Zustand der Stationen - Detailergebnisse Dateigröße: 75.32 KBytes. Datum: 27.05.2016