Gronau im Marathon-Fieber

Oberstenfeld  Trotz Dauerregens hielten die Zuschauer den Läufern beim Bottwartal-Marathon am Sonntag die Stange. Schon drei Mal hintereinander sind die Gronauer von den Sportlern zum "besten Publikum" gewählt worden.

Von Barbara Barth

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Auch bei der zehnten Ausgabe des Events hat der Oberstenfelder Teilort Gronau alle Chancen, das Fass alkoholfreies Bier zu gewinnen. Denn ob bei diesem miserablen Wetter in jeder Ortschaft entlang der 42 Kilometer langen Strecke so viele Zuschauer stehen? Sogar der Kindergarten ist präsent. Wenn die Läufer die Hände der Kleinen abklatschen, scheint für die Kids die Sonne. "Ich hab" einen abgekriegt", freut sich der vierjährige Markus.

Das Dorf erwacht am Sonntag lange vor dem ersten Durchlauf der Marathonis, die in Steinheim gestartet sind, und vor dem Start der Halbmarathonläufer um 11.05 Uhr in der Hauptstraße. Schon um 8 Uhr hat die Polizei die Zufahrtsstraßen abgesperrt. Überall stehen Helfer mit rot-weißen Bändern.

Organisation

Roland Kast ist Feuerwehrmann und dafür verantwortlich, dass niemand mehr aus dem Neubaugebiet Kleinfeldle in die Laufstrecke fährt. Seine Tochter Dunja läuft in der Staffel der Kirchengemeinde Gronau, und Tochter Angela hat Dienst beim DRK. "Wir sind heute alle aktiv", erzählt der Papa. Jeder Gronauer Verein hilft mit, dass die Organisation klappt.

Ab 9.30 Uhr ist ganz Gronau eine Disco, Popmusik schallt aus den Lautsprechern. Wer jetzt noch schläft, steht im Bett. Doch die Musik ist nichts gegen die Böllerschüsse, die später die Starter der fünf Laufgruppen abgeben werden. Da wackelt Gronau in seinen Grundmauern. Um 10 Uhr trifft der erste Shuttlebus aus Steinheim ein. Er bringt die Halbmarathonläufer an den Start. Die Cheerleader des TSV Gronau empfangen die Sportler mit roten Federbüschen. Ein paar Meter weiter gibt"s heißen Tee. Viele sind in dünne Warmhaltefolien eingewickelt. "Aber Läufer lassen sich nicht vom Wetter abhalten", erzählt Timo Luippold aus Stuttgart.

Ankommen

Der 68-jährige Rolf Sauer läuft erst seit drei Jahren wieder, "allein, ohne Gruppe, nur zum Ankommen". In der Jugend ist der Sachsenheimer zehn Kilometer gerannt, aber dann jahrzehntelang gar nicht mehr. Nach der Rente hat der frühere Abteilungsdirektor einer Bank angefangen zu trainieren, vor einem Jahr lief er seinen ersten Halbmarathon. "Das ist der dritte", sagt er. Auf die Zeit kommt"s ihm nicht an: "Ich laufe mit Herz." Mit besonders frenetischem Applaus wird einer begrüßt: Lokalmatador Michael Sommer.

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