Golfturnier mit Handicap

Region  Auf dem Talheimer Hof spielen behinderte und nicht behinderte Menschen im Team und ohne Berührungsängste.

Von Claudia Kostner

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"Das ist der Hammer!", jubelt Kai Kraft. Der 33-Jährige sitzt im Rollstuhl und hat gerade zum ersten Mal gechippt − einen kurzen, flachen Annäherungsschlag auf das Grün ausprobiert und gleich zweimal in den inneren Kreis getroffen. Auf dem Golfplatz Talheimer Hof läuft gerade ein spannendes "Experiment", wie es die Heilbronner Sozialbürgermeisterin, Agnes Christner, nennt: "Menschen mit Handicap spielen Golf."

Wobei Handicap hier ganz bewusst eine doppelte Bedeutung hat: Die Hälfte der 54 Teilnehmer sind versierte Golfspieler mit einem bestimmten Spielpotenzial, die andere Hälfte Golfinteressierte mit einer Behinderung. Gespielt wird in gemischten Zweier-Teams an drei Stationen. Die Idee dazu hatte Uwe Kaiser. Als freier Journalist stellt er medienpädagogische Inklusionsprojekte auf die Beine und ist selbst Hobby-Golfer. "Ich habe mir gedacht, das ist eine Sportart, bei der man Menschen zusammenbringen kann", erzählt der 57-Jährige. Statt eines Benefiz-Golfturniers sollte es aber etwas sein, bei dem der Sport gemeinsam ausgeübt wird, "denn das ist Inklusion", betont Kaiser.

Verbündete hat er schnell gefunden: "Das ist eine super Chance, Leben mit Behinderung in den Fokus zu stellen", war die Inklusionsbeauftragte der Stadt Heilbronn, Irina Richter, gleich dabei. Die beiden Clubmanager des Talheimer Hofs, Wahid Ben Amara und Meiko Allmis, haben sich mit der sportlichen Seite befasst. "Eine Herausforderung war es schon, die Disziplinen so zu wählen, dass sie umsetzbar erscheinen", gibt Allmis zu.

Inklusive Teams

Nach einer kurzen Einweisung geht es auf den Platz − über Kieswege, und für die Rolli-Fahrer nicht ganz so einfach. Aber Leute, die mitanpacken, finden sich schnell. Kai Kraft ist zusammen mit dem Fleiner Friedhelm Steinmetz (60) eingeteilt. Im überdachten Teil der Driving Range bekommt er von ihm seine erste "Golfstunde". Mit seiner spastischen Lähmung in den Händen, gelingt es ihm kaum, den Ball vom Boden aus abzuschlagen. "Aber wir sind kreativ", sagt Steinmetz, und positioniert Tee und Ball auf einem umgedrehten Eimer. Jetzt klappt es. Und das freut beide Teammitglieder gleichermaßen.

Der Tipp mit dem Eimer wird gleich an Pablo Alexis Wössner und Frank Schneider weitergegeben. Auch Wössner sitzt im Rollstuhl und hat eine Spastik: "Ich wollte mal ausprobieren, ob es motorisch geht", sagt der 38-jährige Heilbronner. "Es gibt ja auch Rolli-Fahrer, die an Olympia teilnehmen." Leicht ist es nicht für ihn, aber Schneider verliert nie die Geduld, dreht den Rollstuhl mal dahin, mal dorthin. "Jeder hat irgendein Handicap, also etwas, was er nicht so gut kann, ob sichtbar oder nicht", meint der Ilsfelder.

Auch die versierten Golfspieler bekommen Handicaps

Dann ist er an der Reihe: Damit auch die versierten Golfer es nicht zu leicht haben, haben sich Ben Amara und Allmis für sie Erschwernisse ausgedacht. Chipping im Sitzen, Putting mit verbundenen Augen, und Scramble wird mit einem Arm gespielt. Schneider sitzt auf dem Stuhl und ist nicht ganz so treffsicher wie üblich: "Ich kann mich schon in Pablo reinversetzen." Blind zu spielen, ist noch schwieriger. Irina Richter gibt mit einem Glöckchen zwar akustische Signale am Loch. Aber "man ist trotzdem total orientierungslos", hat auch Wahid Ben Amara festgestellt. "Die Handicaps, die uns auferlegt worden sind, sind happig", findet Matthias Hoyer (67): "Die Bewegungsabläufe sind zwar automatisiert, aber plötzlich weiß man nichts mehr."

Beim Scramble den Ball mit einer Hand abzuschlagen fällt Elmar Fleiss dagegen recht leicht. Leichter als seiner behinderten Teampartnerin Paula Balint (47) mit beiden Händen. "Wow, ich bin ja gut", freut sie sich, wenn es doch mal klappt. "Ich bin Mitglied im Inklusionsbeirat und es reizt mich zu sehen, wie wir Menschen mit Handicap das umsetzen können", sagt Balint. Fleiss erklärt ihr in aller Ruhe die Grundlagen. "Ich war lange Jugendwart. Bei Kindern geht es auch um Koordination, der Schläger ist doch ein Fremdkörper in der Hand", sagt der Heilbronner. Das Turnier sei ein toller Beitrag zur Inklusion: "Es gibt hier keine Grenzen."