Gelungene Premiere

Neuenstadt - Geld, Frauen, Explosionen: Die Premiere von »Das kalte Herz« bei den Freilichtspielen in Neuenstadt begeisterte das Publikum. Bei der anschließenden Feier tummeln sich Freitagabend neben einigen hundert Besuchern auch erleichterte Schauspieler bei Schnitzel und Getränken in der Stadthalle.

Von Alexander Klug

Schleifen, Fracks, weite Röcke: 19. Jahrhundert. Gier, Geld, der Beste auf der Tanzfläche sein: heute, Gegenwart. Beeindruckend: Regisseur und Schauspieler schaffen es scheinbar mühelos, lautes Lachen durch das Halbrund der Freilichtbühne am Fuße von Stadtmauer und Turm erschallen zu lassen – bei vermeintlich ernsten Themen. „Das kalte Herz“ heißt das Stück nach einem Hauffschen Märchen, dessen Premiere bei den Freilichtspielen in Neuenstadt zu sehen war. Begeisterung, Einsatz und Spaß am Schauspielern zogen die rund 800 Besucher in ihren Bann, unter minutenlangem Applaus fiel am Ende so mancher Hut vom Schauspieler-Kopf vom vielen Verbeugen. Zurecht.

Waldgeist

Denn die Geschichte, die die Darsteller an Schauplätzen wie dem Wirtshaus „Blaues Wunder“, der Glashütte oder beim Kohlenofen erzählen, kommt eingängig daher: Der Kohlenmunkpeter, gespielt von Jörg Schönbeck, brennt Holz zu Kohle. Schwere, schmutzige Arbeit, die nicht viel Geld einbringt. Er träumt von einer Karriere als Glasbläser, Reichtum und schönen Frauen. Er ruft das Glasmännlein, einen Waldgeist aus dem Schwarzwald, zu Hilfe – sehr überzeugend und in glitzerndem Kostüm:  der zwölfjährige Paul Schmidt. Der gewährt Startkapital für eine Glashütte, schickt Peter auch das Schwarzwaldmädel Elisabeth (Jessica Colquhoun). Es wird getanzt und mit Spielkarten gezockt, Peter verspielt sein Geld und gerät in die Fänge des Holländer-Michel (Lars Tönnies), der ihm ein Herz aus Stein verpasst und ihn dafür reich macht. Ohne Interesse an Ehefrau und Kind verlässt er sein Dorf, um Jahre später reich zurückzukehren.



Eine Bluttat bringt die Wende: Im Zorn erschlägt er seine Frau – wie er zunächst meint. Da keimt Reue in ihm auf; er fordert vom Holländer-Michel sein altes Herz zurück, das der ihm auch gewährt. Alles ist weg – Geld, Ehefrau; doch hat das Glasmännlein Erbarmen und führt ihn mit seiner Mutter (Iris van de Weghe) und der (geretteten) Elisabeth zusammen. Nun ist er zwar wieder arm, aber mit den Menschen zusammen, die er liebt. Den Holländer-Michel zerreißt es mit lautem Knall und Feuerwerk in Stücke – trotz Ankündigung durch Bürgermeister Norbert Heuser zu Anfang ein überraschendes Spektakel, bei dem viele der Zuschauer zusammenzucken.

Premierenfeier

Der Schreck ist nicht von Dauer: „Es hat mir gut gefallen, ein kurzweiliges Stück, mit Einsatz gespielt“, meint Hilde Gäckle. Auch die 14-jährige Lena Wanner, Urenkelin des Autors Paul Wanner, hat die Geschichte gefallen, das glitzernde Glasmännlein hat ihr besonders gefallen. Bei der Premierenfeier tummeln sich neben einigen hundert Besuchern auch erleichterte Schauspieler bei Schnitzel und Getränken in der Stadthalle. „Ich habe zum ersten Mal einen Bösewicht gespielt“, meint „Ezechiel“ Benjamin Ehnle. „War gar nicht so schwer.“
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