GKN: Das müssen Sie über den Castortransport wissen

Region  Die EnBW verlagert 15 Castoren nach Neckarwestheim - erstmals per Schiff. Das wirft einige Fragen auf. Wir haben Antworten gesucht.

Von unserem Redakteur Reto Bosch

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So sieht das GKN-Zwischenlager aus. Klicken Sie auf das Bild, um den kompletten Plan zu sehen.

Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat sich nach jahrelangen Planungen entschieden, 15 Castoren aus Obrigheim mit hochradioaktivem Atommüll per Schiff nach Neckarwestheim zu transportieren und im GKN-Zwischenlager zu deponieren. Damit kann der Energieversorger darauf verzichten, am Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) ein eigenes Zwischenlager zu bauen. Noch liegen allerdings nicht alle Genehmigungen vor. Die Castor-Verlagerung wirft eine Reihe von Fragen auf.

 

Warum müssen die 342 Brennelemente in ein Zwischenlager?

Derzeit stehen die ausgedienten und noch immer hochradioaktiven Brennelemente in einem Nasslager in Obrigheim. Dort können sie schon aus praktischen Gründen nicht bleiben, weil sonst der Rückbau des Kernkraftwerks ins Stocken geraten würde. Die EnBW hat inzwischen eine Genehmigung für den letzten Abbauschritt beantragt, will 2025 fertig sein. Das Karlsruher Unternehmen hatte für Obrigheim bereits ein Standortzwischenlager beantragt, wegen geänderter Anforderungen aber nachbessern müssen. Das Genehmigungsverfahren ruht inzwischen.

Welche Vorteile hat es, wenn die Castoren in Neckarwestheim landen?

Die EnBW muss in Obrigheim kein Zwischenlager bauen, das dann ja auch zu betreiben und zu kontrollieren wäre. Das KWO-Gelände würde schneller befreit von Kernbrennstoff und könnte anderweitig genutzt werden.

Welche Nachteile hat die Verlagerung?

Atomkraftgegner weisen zum einen auf die Transportrisiken hin. Immerhin seien auf Binnengewässern noch nie Castoren befördert worden. Der BUND verweist beispielsweise darauf, dass die EnBW in diesem Bereich keinerlei Erfahrung habe. Das Aktionsbündnis Castor-Widerstand Neckarwestheim erinnert daran, dass "die EnBW gemäß der rechtlichen Lage seit vielen Jahren verpflichtet gewesen ist, für die gefährlichste Form an strahlendem Atommüll ein Standortlager in Obrigheim zu bauen". Atommülltransporte seien nur eine Scheinlösung.

Hat sich die EnBW aus Kostengründen für diesen Weg entschieden?

Jörg Michels, Geschäftsführer der Energie Baden-Württemberg Kernkraft GmbH, beziffert die Transportkosten auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Seinen Angaben zufolge halten sich beide Varianten finanziell in etwa die Waage.

Warum gehen die Castoren auf dem Neckar auf die Reise?

Die EnBW hat drei Varianten untersucht. Die Schiene schied sehr schnell aus. Es gibt an beiden Standorten keinen Bahnanschluss, aufwendige Umladeaktionen wären nötig geworden. Die Straße ist laut Michels durchaus möglich, würde aber erhebliche Behinderungen auslösen. Diese seien bei der rund 50 Kilometer langen Flussfahrt nicht so gravierend. Erhebliche Kostenunterschiede gebe es nicht. Der BUND ist mit der Wahl des Transportwegs nicht einverstanden und fordert EnBW und Behörden auf, diesen Punkt noch einmal zu prüfen. Jörg Michels versichert: "Der Transport ist sicher und verantwortlich machbar."

Wie läuft ein Wassertransport von Castoren ab?

Nach EnBW-Angaben hat den Auftrag ein Spezialunternehmen erhalten, das über die erforderlichen, unsinkbaren Fahrzeuge verfügt. Pro Tour könnten drei der jeweils 120 Tonnen schweren Behälter flussaufwärts gebracht werden. Insgesamt sind also fünf Transporte notwendig. Jede Fahrt dauert 1,5 bis zwei Tage. Die Lastzüge sollen über eine Rampe in Obrigheim auf den Schubverband auffahren und in Neckarwestheim das Schiff auf dieselbe Weise verlassen. Dazu baut die EnBW in Neckarwestheim derzeit eine Roll-on-Roll-off-Rampe. Diese soll Anfang 2017 in Betrieb gehen. Frühestens dann kann das Unternehmen mit der Umlagerung beginnen.

Warum gibt es in Neckarwestheim überhaupt so viel Platz?

Das GKN-Zwischenlager ist zu einem Zeitpunkt geplant und gebaut worden, als die Betreiber noch von längeren Restlaufzeiten ausgegangen sind. Nach der Fukushima-Katastrophe und der 2011 beschlossenen Energiewende ist klar, dass GKN II Ende 2022 vom Netz geht. Dem älteren Meiler wurde bereits 2011 der Stecker gezogen. Folge: Von 151 Stellplätzen benötigt die EnBW nur rund 125 für GKN-Castoren. Die 15 Behälter aus Obrigheim passen also problemlos in die unterirdischen Stollen. Allerdings ist dafür eine Genehmigung erforderlich. Jörg Michels betont, dass sich durch die Verlagerung die radioaktive Last nicht über die genehmigten Werte hinaus erhöht. Im Moment stehen 53 Castoren in den beiden Stollen.

Was sagt die Gemeinde Neckarwestheim dazu?

Bürgermeister Jochen Winkler hat angekündigt, den bereits eingeschlagenene Weg weiterzugehen und prüfen zu lassen, ob die Verlagerung juristisch zu stoppen ist. Der Kommune sei zugesagt worden, dass in Neckarwestheim ausschließlich Atommüll der beiden GKN-Reaktoren eingelagert werde.

Wie geht es jetzt weiter?

Noch stehen verschiedene Genehmigungen aus. Die EnBW will diese Verfahren eng begleiten. Zudem muss der Konzern technische Vorarbeiten leisten, zum Beispiel die Anlegestelle in Neckarwestheim vollenden.