Für Pilzsammler hat die Saison längst begonnen

Region  Die meisten Pilzsammler zieht es bei feuchtwarmen Sommerwetter ab August ins Unterholz. Experten bereiten dagegen schon im Mai ihre ersten Pilzsüppchen oder -pfännchen zu.

Von Andreas Scholz und Christian Gleichauf

Für Pilzsammler hat die Saison längst begonnen
Braun-rötlich und geleeartig ist das Judasohr. Der Pilz des Jahres klebt mit Vorliebe an abgestorbenen Stämmen, etwa an alten Holunderbäumen. Getrocknet eignet er sich als Pilzgewürz. Fotos: Andreas Scholz

Die meisten Pilzsammler zieht es bei feuchtwarmen Sommerwetter ab August ins Unterholz. Experten wie Ulrich Fischer vom Pilzverein Heilbronn, Stephan Weißer vom Öhringer Pilzfreundeverein oder Erne Münz vom Hohenloher Natur- und Landschaftsführerverein bereiten dagegen schon im Mai ihre ersten Pilzsüppchen oder -pfännchen zu.

Stephan Weißer und Erne Münz haben bereits vor Wochen die ersten Speisemorcheln entdeckt. "Die Spitzmorchel habe ich an frisch aufgebrachtem Rindenmulch erspäht. Ein schöner Fund", freut sich Erne Münz. Für die Landschaftsführerin aus Mulfingen-Hollenbach zählen Morcheln zu den wertvollsten Speisepilzen. "Ich dünste die Morcheln gerne und mache mir dann ein Nudelgericht mit Sahnesauce", sagt sie. Doch selbst bei diesen relativ einzigartig anmutenden Pilzen gibt es eine Verwechslungsgefahr mit der giftigen Lorchel, warnt Ulrich Fischer: "Man muss sie kennen." Das gilt im Reich der Pilze grundsätzlich.

Schnell ernten

Für Pilzsammler hat die Saison längst begonnen
Pilzsammler können auch im Frühjahr fündig werden.

Wie der Name verrät, ist der Wonnemonat auch die Zeit des Mairitterlings - auch Georgsritterling oder Maipilz genannt. "Sie sprießen in diesem Jahr nicht ganz so wie sonst", sagt Fischer. Hier und da sind sie dem 82-Jährigen zufolge aber doch zu finden. "Man sollte sie innerhalb von zwei bis drei Tagen ernten, sonst sind sie durch." Der Pilzsachverständige Stephan Weíßer hat die hellen Lamellenpilze unter anderem im Hofgarten in Öhringen gefunden. "Der Mairitterling steht oft in der Nähe von Buchen oder Eichenbäumen." Auf dem Landesgartenschaugelände kennt der Öhringer mehrere Fundstellen des standorttreuen Pilzes, der oft kreisförmige "Hexenringe" aus vielen Exemplaren bildet. "Der Maipilz schmeckt leicht mehlig, das ist nicht jedermanns Sache", so Erne Münz.

Der Name Georgsritterling rührt vom Georgstag am 23. April. "Bei guter Witterung wächst der Mairitterling schon ab Mitte April", bestätigt Stephan Weißer. Laien sollten bei Pilztouren im Frühling wie immer Vorsicht walten lassen. Auch der unscheinbare Mairitterling wird leicht mit Giftpilzen verwechselt, etwa mit dem Ziegelroten Risspilz, der zur gleichen Zeit wie der Maipilz erscheint, wie Weißer erklärt.

Pilz des Jahres

Für Pilzsammler hat die Saison längst begonnen
Der Mairitterling ist der Frühjahrsklassiker unter den Speisepilzen. Er ist standorttreu und schmeckt gut in einem Süppchen. Allerdings besteht Verwechslungsgefahr mit einem giftigen Pilz.

Bei einem anderen Frühjahrspilz scheint eine Verwechslung mit Giftpilzen aufgrund der einzigartigen Optik nahezu ausgeschlossen. das Judasohr (lateinisch: Auricularia auricula-judae). Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) hat das Judasohr zum Pilz des Jahres 2017 bestimmt. "Charakteristisch für diesen Speisepilz ist die Ohrmuschelform", erklärt Erne Münz. "Der Fruchtkörper trocknet mehrmals aus und kann dann wieder aufquellen", fügt sie hinzu. Das Judasohr weise in diesem Zustand eine "geleeartige Konsistenz" auf. Häufig kommt das Judasohr an alten Bäumen, vor allem aber an Holunderbüschen vor.

Der Pilz enthält unter anderem Eisen, Kalium und Magnesium. Geschmacklich ähnelt er Meeresalgen. Auch die asiatischen Mu-Err-Pilze sind dem Judasohr ähnlich und werden häufig in der chinesischen Küche eingesetzt, erzählt Münz. "Ein sehr vielseitig verwendbarer Pilz", findet auch Ulrich Fischer.

Auch der Stadtchampignon reckt derzeit sein Köpfchen. Häufig ist er in städtischen Parks oder Grünanlagen. Ulrich Fischer kennt auch am Heilbronner Freibad oder im Wertwiesenpark einige typische Plätze. Ernten würde er sie dort allerdings nicht: "Da liegen häufig die Hinterlassenschaften von Hunden daneben, das ist nicht sehr appetitlich. Für Laien besteht auch hier Verwechslungsgefahr.

Und dann beginnt schon bald die Saison der Frühsommerpilze wie Pfifferling oder Sommersteinpilz. Fischer hofft: "Dazu müsste es nun bald wieder ausgiebig regnen."

Kasten: Kinder beaufsichtigen

Vor wenigen Tagen kam es in Heilbronn zu einem gefährlichen Vorfall: Ein dreijähriges Kind hat auf der Heilbronner Waldheide einen unbekannten Pilz verspeist, erzählt Ulrich Fischer, Vorsitzender des Pilzvereins Heilbronn. Er warnt, Kleinkinder im Wald nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Ältere Kinder sollten über die Gefahr der oft tödlich giftigen Pilze aufgeklärt werden.

 

Info

Wer sich für eine Führung oder fachkundige Hilfe bei der Pilzbestimmung interessiert, kann sich direkt an den Pilzverein Heilbronn wenden. Eine Jahresmitgliedschaft kostet dort 15 Euro und sei damit günstiger als so manche Pilzführung, die von anderer Stelle angeboten wird, erklärt Fischer. Alle Infos unter www.pilzvereinheilbronn.de, E-Mail info@pilzvereinheilbronn.de.

Verein der Pilzfreunde Öhringen, Ansprechpartner: Stephan Weißer, Telefon 07941 602631.

Erne Münz, Natur- und Landschaftsführerin Hohenlohe, Telefon 07938 480, www.natur-landschaftsfuehrer-hohenlohe.de.